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Fußball

Das Damoklesschwert der Finanzkrise

Trotz der weltweiten Finanzkrise boomt die Fußball-Bundesliga. 2008 erzielten die Vereine Rekordeinahmen, die Zuschauer strömten wie noch nie in die Stadien. Kann dieser Trend anhalten?

Aktien-Index durchlöchert Fussball (DW-Grafik: Peter Steinmetz)

Erreicht die Finanzkrise auch den Fußball?

Die fetten Jahre sind angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise vorbei. So lautet der allgemeine Tenor. Doch gilt das auch für die Fußball-Bundesliga? "Aber natürlich schwebt das Damoklesschwert der Finanzkrise über allen deutschen Clubs, insbesondere über den kleineren Vereinen", betont Hartmut Zastrow, Vorstand des Kölner Sportbusiness-Unternehmens Sport+Markt. Doch noch sei die Finanzkrise im deutschen Fußball nicht angekommen: "Zumindest gibt es noch keinen Indikator, der uns sagt, dass es zu nennenswerten Einbrüchen kommen wird." Das scheinen auch die jüngsten Zahlen der Deutschen Fußball-Liga zu bestätigen. Demnach erzielten die 36 Profivereine der Ersten und Zweiten Liga im vergangenen Jahr Rekordeinnahmen von 1,9 Milliarden Euro. Allein der Umsatz der Erstligisten kletterte um sieben Prozent. Und mit 17,4 Millionen Fans wurde zum sechsten Mal nacheinander ein Zuschauerrekord verzeichnet.

Fußball auf Leihbasis

Hartmut Zastrow, Vorstand des Kölner Sportbusiness-Unternehmens Sport+Markt (Foto: DW/Arnulf Boettcher)

Hartmut Zastrow

Dennoch ist Sparen angesagt. Die Möglichkeiten sind aber beschränkt wegen lang laufender Verträge und Fixkosten. Potenziale sieht Zastrow immerhin bei Spielertransfers. Hier sei eine neue Entwicklung zu verzeichnen: Spieler würden vermehrt auf Leihbasis geholt: "Das ist ein neuer Trend zur Behutsamkeit, zum soliden Handeln und zu rationalem Denken", sagt Zastrow." Da guckt man sich lieber den einen oder anderen Spieler noch ein halbes Jahr an, kauft ihn dann oder schickt ihn zurück."

Noch mehr Diegos

Zastrow geht davon aus, dass der internationale Transfermarkt wegen der abnehmenden Zahl solventer Bieter nach unten gehen wird. Dabei hätten solide finanzierte Bundesligisten sogar Vorteile, "weil die sich bei dem einen oder anderen in Problemen befindlichen spanischen Verein bedienen können." Zwar würden Weltstars wie der Brasilianer Kaka vom AC Mailand weiterhin einen Bogen um Deutschland schlagen, weil sie von potenten Privatleuten finanziert würden, "nicht aber Spieler im oberen Mittelklassebereich, die das Starpotenzial für die Bundesliga haben". So dürfte es vermehrt Spieler von der Qualität eines Diegos geben, glaubt Zastrow.

Bremens Star Diego (Foto: AP)

Bremens Star Diego

Im Vergleich zu England, Italien und Spanien sieht Zastrow die Bundesliga gut aufgestellt - vor allem wegen der zentralen Vermarktung, die allen Vereinen sichere TV-Einnahmen gewährt. Problematisch sehe es vor allem in der spanischen Liga aus, die dezentral vermarktet wird. "Es gibt dort keinen starken Ligaverband, aber zwei Clubs, Real und Barcelona, die alles andere unterbuttern. Der Rest hat Riesenschwierigkeiten und steht kurz vor dem Konkurs." Zastrow verweist auf "unglaubliche Differenzen" in den Fernseheinnahmen. "Real Madrid macht 180 Millionen, ein normaler Club zehn bis zwanzig Millionen."

Problemfall Personalkosten

Unter hohen Personalkosten leiden vor allem die Clubs in Italien. Dort machen die Spielergehälter rund 80 Prozent der Kosten aus. Zum Vergleich: In Deutschland gilt Schalke 04 als der Verein mit der höchsten Quote. Sie liegt bei 50 Prozent. Um zu sparen, will der AC Mailand jetzt seinen Kader verkleinern und die Gehälter kürzen. Und in England wollen mehrere Premier-League-Klubs zur kommenden Spielzeit ihre Eintrittspreise senken. Nach Sunderland, Manchester City und Portsmouth kündigte nun auch Newcastle United an, seine Tickets zur nächsten Saison günstiger anzubieten.

Zuschauer im Dortmunder Stadion Signal Iduna Park (Foto: dpa)

Volle Stadien ziehen auch Sponsoren an

Weitgehend Entwarnung gibt Zastrow in Sachen Sponsoring. So hätten die meisten Bundesligisten Verträge über mehrere Jahre abgeschlossen. "Und wir sehen auch bei den großen Deals, die bisher gemacht wurden, keine Tendenz, die uns sagt, es geht nach unten." So schloss der Hamburger SV kürzlich erst mit einer internationalen Fluggesellschaft einen neuen Sponsorenvertrag, der dem HSV nach Schätzungen 50 Prozent höhere Einnahmen beschert. Die Fußball-Bundesliga muss dagegen ab Sommer möglicherweise einen neuen Sponsor suchen. Angeblich will die Deutsche Telekom ihren auslaufenden Vertrag nicht verlängern.

Die Zukunft ist weiblich

Eine zentrale Rolle spielen die Fans und deren Wirtschaftskraft. "Sie sind natürlich das wichtigste Gut. Sie sind Kunden und sorgen in großer Zahl dafür, dass Sponsoren angezogen werden", betont Zastrow. Und dabei zeigt sich: Die Zukunft des Fußballs ist weiblich: "Es gibt eine deutliche Tendenz dazu, dass sich immer mehr Frauen für Fußball interessieren. Ihr Anteil hat sich in den letzten Jahren in Deutschland verdoppelt, das heißt, wir haben jetzt 40 bis 50 Prozent der Frauen, die sich für Fußball interessieren."

Autor: Arnulf Boettcher / Redaktion: Wolfgang van Kann

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