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Kultur

Das Comeback des Pelzmantels

Lange Zeit galten Pelzmäntel in Europa als Luxusgüter der Superreichen. Nun scheinen sie wieder im Kommen zu sein. Doch die Bedenken vor allem von Tierschützern bleiben. Zu Recht?

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Zumindest im Zoo muss der Fuchs nicht um sein Fell fürchten

Bereits seit dem 19. Jahrhundert werden Tiere - vorrangig Nerze, Füchse, Kaninchen und Chinchillas - zur Gewinnung von Pelzen gezüchtet. Pelzmäntel sind Luxusgüter, die bislang vor allem von reichen älteren Damen getragen wurden. In den letzten Jahrzehnten sind sie unter anderem durch zahlreiche Kampagnen von Tierschutzorganisationen zunehmend in Verruf geraten. Doch diese Zeiten sind vorbei, behauptet die Pelzindustrie. Sie ist davon überzeugt, dass der Pelz wieder an Bedeutung in der Modewelt gewinnt.

Geächtete Luxusgüter oder Mode für Jedermann?

Das Deutsche Pelzinstitut erklärt den zunehmenden Erfolg des Pelzes mit dem "Traum von edlen Materialien, weichen Linien und verschwenderischer Stofffülle in einer neuen Opulenz" und mit der Emanzipation der Verbraucher. "Pelz verkauft sich gut, aber es ist nicht mehr der klassische Pelz aus früheren Zeiten", sagt Susanne Kolb-Wachtel vom Deutschen Pelzverband.

Bildergalerie Füchse: Pelzmode

Die neue Pelzmode

"Er ist heute leichter, moderner und farbenfroher." Es gebe zudem mehr Pelze in unterschiedlichen Preisklassen als je zuvor. Der Wandel des Aussehens und der Preise sei der Grund dafür, dass der durchschnittliche Pelzträger heute nicht mehr über 45, sondern über 25 Jahre alt sei, sagt sie.

Auch die Laufstege haben den Pelz wieder entdeckt. So verarbeiten laut Angaben der International Fur Trade Federation (IFTF) 350 führende internationale Modedesigner Pelz in ihren Kollektionen. Die größten Umsätze können Pelztierzüchter in Europa in Italien, Spanien, Deutschland, Frankreich und Österreich erzielen.

Jedoch halten Tierschützer die Wiederkehr des Pelzes angesichts anhaltender Kritik von Konsumenten in vielen Ländern für unwahrscheinlich. "Das Pelzcomeback ist übertrieben", sagt Jürgen Faulmann von der Tierschutzorganisation People for the Ethical Treatment of Animals (PETA). "Es ist eine Perversion der Superreichen, die nicht wissen, was sie mit ihrem Geld anfangen sollen und deshalb tausende Euro für einen Pelzmantel bezahlen." Faulmann macht deutlich, dass immer mehr Bekleidungsgeschäfte Pelz aus ihren Kollektionen verbannen.

Die Umsätze steigen

Dennoch scheinen die Pelztierhersteller in der Tat Umsatzsteigerungen zu verzeichnen. 2004 existierten in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union etwa 6500 Pelztierfarmen, die Pelze im Wert von 625 Millionen Euro produzierten. Der Umsatz konnte nach Informationen der IFTF in den vergangenen Jahren stetig gesteigert werden. Die europäischen Pelztierzüchter lieferten 2002 insgesamt 70 Prozent der globalen Nerz- und 63 Prozent der weltweiten Fuchsproduktion.

Den größten Anteil europäischen Nerzfellen produzieren die dänischen Pelztierzüchter. Finnland ist führend in der Fuchsfellbranche. Auch in den Niederlanden sowie einigen osteuropäischen Ländern wird eine große Anzahl von Pelztieren gezüchtet. Die Pelztierzucht ist in diesen Ländern wichtiger Bestandteil der Landwirtschaft, so die IFTF. Griechenland stellt das wichtigste Land der EU im Bereich der Herstellung von Pelzbekleidung dar.

Nach wie vor erhebliche Missstände

In den vergangenen Jahren wurden mehrere Forschungsarbeiten durchgeführt und gesetzliche Regelungen auf EU-Ebene erlassen, die der Verbesserung der Haltungsbedingungen der Tiere dienen sollen. So schließt die EU-Richtlinie 98/58 zum Wohlergehen landwirtschaftlicher Nutztiere Pelztiere ein. Des Weiteren existiert eine Empfehlung des Europarats zur Haltung von Pelztieren, die in Zusammenarbeit mit Tierärzten, Bauernverbänden und Tierschutzorganisationen entwickelt wurde. Daneben gibt es zahlreiche weitere gesetzliche Regelungen, die auch die Haltung und Schlachtung von Pelztieren berücksichtigen.

Kolb-Wachtel vom Pelzverband sagt, sie sei stolz auf die Bereitschaft der Pelzhersteller, in die Verringerung des Leidens der Tiere zu investieren, zum Beispiel durch die Schaffung größerer Käfige und kürzerer Transportzeiten.

Dennoch konnten die Missstände in der Pelztierzucht bislang nicht vollständig beseitigt werden, wie verschiedene weltweit agierende Tierschutzorganisationen bemängeln. So werden die Tiere laut der Organisation Menschen für Tierrechte in der Regel nach wie vor in viel zu kleinen Käfigen gehalten, die ihnen keinen ausreichenden Schutz vor Kälte, Nässe und Hitze bieten. Folgen sind Verhaltensstörungen der Tiere wie Kannibalismus, Apathie und Schwanzbeißen. Zudem sind sie anfällig für Krankheiten wie die Aleutenkrankheit bei Nerzen und Lungenentzündungen sowie Parasitenbefall. Nerze und Füchse sind zur Abkühlung außerdem auf Wasserstellen angewiesen, die ihnen auf den Farmen nicht zur Verfügung stehen. PETA spricht zudem von grausamen Tötungsmethoden, die die Haut und somit das Fell schonen sollen, für die Tiere allerdings sehr schmerzhaft sind. Die Tiere werden laut der Tierschutzorganisation vergast, vergiftet, per Stromstoß oder durch Genickbruch getötet.

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