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Reise

Das Comeback des Filterkaffees

Berlins Kaffeeliebhaber besinnen sich neuerdings auf alte Werte: Statt des lange Zeit so angesagten Latte Macchiatos servieren viele Szene-Cafés bevorzugt wieder den klassischen Filterkaffee.

Auf den Bänkchen im Vorgarten hocken bärtige, junge Männer mit Laptops auf den Knien. Die Tür zum Café führt in einen Raum mit Betonwänden im angesagten Abriss-Look. Das Café "Bonanza Coffee Roasters" (zu deutsch: Bonanza Kaffeeröster) in der Oderberger Straße in Berlin-Prenzlauer Berg hat alles, was einen Szeneladen im coolsten Kiez der Stadt ausmacht. Doch nicht Latte Macchiato ist das Getränk, auf dem sich der Ruhm des angeblich besten Kaffeehauses der Stadt begründet, sondern der lange verpönte Filterkaffee.

"Mit dem Filterkaffee erwecken wir altes Erbe zum Leben", sagt Mitarbeiter und Kaffeeröster Alister Hesp. Er werde langsam gebraut und langsam getrunken, "dadurch bringt er einen eher zur Ruhe." Latte Macchiato oder Cappuccino hingegen hätten eine eher stimulierende Wirkung.

Steigender Absatzmarkt

Seit acht Jahren steht Hesp in dem Lokal hinter der Kaffeemaschine und beobachtet, wie Filterkaffee mehr und mehr Liebhaber findet. Eine Entwicklung, die auch der Deutsche Kaffeeverband bestätigt. Demnach hatte Filterkaffee 2013 im Außer-Haus-Verkauf einen Anteil von rund 60 Prozent am Gesamtverkauf in Deutschland. Im Jahr davor waren es nur rund 56 Prozent.

"Die Leute werden immer neugieriger auf Filterkaffee", sagt Hesp. Ein "interaktiver Raum", um den das Bonanza-Café gerade erweitert wurde, soll dem Rechnung tragen: "Die Gäste werden ins Kaffeebrühen einbezogen. Die Grenze zwischen Verkäufer und Kunde verschwindet."

Filterkaffee ist nicht gleich Filterkaffee

Ein Tropfen Milch fällt spritzend in eine Tasse Kaffee. Foto: Tobias Hase/ dpa

Klassische Tasse oder lieber Whiskyglas? Auch das Gefäß, in dem der Kaffee serviert wird, steht zur Diskussion

Um Filterkaffee zu brühen, gibt es verschiedene Methoden - neben dem klassischen Handfilter auch die French Press und die Karlsbader Kanne. Bei der "französischen Druckkanne" wird kochendes Wasser aufs Kaffeemehl gegossen. Dieses wird nach drei Minuten mit einem an den Glaswänden abschließenden Sieb nach unten gedrückt. Das Modell aus Karlsbad arbeitet mit Porzellanfiltern, durch die der Kaffee langsam in eine Kanne sickert.

Letztere Methode gilt bei Kaffee-Experten als die beste, weil sie den reinsten Geschmack liefern soll. Im "Café CK" an der Marienburger Straße im Prenzlauer Berg gehört die Karlsbader Kanne zum festen Repertoire. Auch wenn das Interieur anmutet wie ein Studentencafé und aus den Boxen Rolling Stones dröhnt, wird hier auf feinsten Filterkaffee größter Wert gelegt. Er wird in Glaskaraffen und Whiskeygläsern serviert. Inhaber Cory Andreen ist sogar 2012 Weltmeister bei einem internationalen Kaffee-Verkostungs-Wettbewerb geworden.

"Ich will die Leute zum richtigen Kaffeetrinken erziehen", sagte Andreen kürzlich der "Berliner Morgenpost". In seinem Lokal veranstaltet er regelmäßig Kaffeeverkostungen. Die ziehen unter anderem viele Skandinavier an, in deren Heimatländern der Filterkaffee schon seit längerem in Mode ist. "In Kopenhagen gibt es überall Filterkaffee", sagt die junge dänische Touristin Kim Hyunah im "Bonanza"-Café. Sie wählt am Tresen sorgfältig aus. "Ich bestelle Filterkaffee, wenn ich keine Milch trinken möchte", sagt sie. Filterkaffee habe mehr Aroma und sie trinke ihn bewusster.

Kaffeehauptstadt Berlin

Ein spezieller Filterkaffee wird am 17.09.2014 auf der Spezialitätenkaffeemesse Kaffeecampus in Berlin zubereitet. Foto: Rainer Jensen/dpa

Ein spezieller Filterkaffee wird auf der Spezialitätenkaffeemesse "Kaffeecampus" in Berlin zubereitet

Von solch aufgeklärten Kunden träumen auch die Teilnehmer des jährlichen "Kaffee Campus der Deutschen Röstergilde", der in diesem Jahr schon zum zweiten Mal in Berlin veranstaltet wurde. Dabei kommt die weltweite Kaffeeszene zusammen: Produzenten, Rohkaffee-Händler, Importeure, Coffeeshop-Betreiber, Kaffee-Röster, Baristi, Maschinen-Hersteller, Koffein-Freaks und Trendsetter. Drei Tage lang dreht sich alles um Themen wie "Filtermethoden - Brühen leicht gemacht" oder "Der perfekte Milchschaum".

Einer der Redner auf dem diesjährigen Kaffeekongress, Stefan Richter, schwört schon lange auf den frisch Gebrühten und fühlt sich damit nicht allein: "Die Leute haben wieder Appetit auf Filterkaffee", sagt er. In der "Berliner Kaffeerösterei" unweit vom Kurfürstendamm bietet Richter 56 Sorten Kaffee für Filterkaffee und nur zwölf Sorten Espresso an, darunter Bohnen aus Kuba oder Hawaii für 30 Euro pro 250 Gramm. Szenegetränke fordern eben ihren Preis.

Mechthild Henneke (AFP)

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