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Kultur

Das Buch lebt!

... und zwar so gut, dass viele davon leben können. So das Fazit der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Und das vielzitierte "E-Book"? Es hat auch seinen Platz gefunden. Ramón García-Ziemsen kommentiert.

Bücher auf der Frankfurter Buchmesse (Foto: AP)

Bücher über Bücher - auf der größten Buchmesse der Welt

Eigentlich war es so wie immer: Gefühlte Millionen Bücher, Prominenz aus aller Welt. An den Ständen der Verlage wurde je nach Stimmung wahlweise Kaffee oder Rotwein getrunken, mehrere Tonnen Visitenkarten wechselten die Besitzer und dazwischen wir: Gehetzte Büchermenschen, die Bücher entweder schreiben oder sie verkaufen, die über Bücher schreiben oder sie einfach nur lesen. Es war wieder gigantisch - groß, größer, Frankfurter Buchmesse.

Realismus macht sich breit

Ramón García-Ziemsen

Ramón García-Ziemsen

Doch bei näherem Hinsehen war dann doch einiges anders diesmal: Es war wieder viel von der Digitalisierung des Lesens zu hören, das E-Book und neue Formen des Lesens waren in aller Munde. Where content meets technology - ein Slogan, der früher eher zu einer Computermesse gepasst hätte, war ein Motto in Frankfurt. Aber zum ersten mal wurden weniger die Risiken als vielmehr die Chancen für den Buchhandel gesehen. In den vergangen Jahren war es so: Alle schauten ängstlich auf das E-Book - als eine Bedrohung für das gute alte Buch im Deckel.

Mittlerweile sieht man neue Formen des Lesens eher als Möglichkeit neue Leser zu erreichen. Und es hat sich Realismus breit gemacht - denn noch ist der Umsatz mit E-Books kaum der Rede wert. Selbst große Optimisten gehen von vielleicht irgendwann einmal 20 Prozent Umsatz aus, der mit elektronischen Büchern in Deutschland gemacht wird.

Entscheidend ist heute die Konvergenz der Medien, es wird vieles Nebeneinander und kein Entweder-Oder geben. Bits und Bücher - das muss sich nicht ausschließen. An Universitäten, in Schulen und bei den Sachbüchern wird das E-Book Bedeutung erlangen - ansonsten wird das gute alte Buch noch lange den Anarchisten in der Welt des Digitalen spielen. Selbst in den USA werden bislang kaum drei Prozent des Umsatzes im Bereich Belletristik mit elektronischen Büchern gemacht. Und so zeigte sich in Frankfurt: Das Buch ist nach wie vor unser zentrales Referenzmedium sowohl was die Inhalte, als auch was seine Funktion als Informationsträger angeht. Im Urlaub muss ich keine Angst vor Sandkörnern oder Spritzwasser haben und ich weiß heute, dass ich es in 40 Jahren noch lesen kann. Wie haltbar die digitalen Speicher sind, weiß keiner.

Die Wiederentdeckung Lateinamerikas

Juergen Boos (Foto: Frankfurter Buchmesse)

Juergen Boos' Bilanz: "Wir hatten einen regelrechten Energieschub"

Aber es wurde nicht nur über das Wie, sondern auch über das Was geredet. Mitverantwortlich dafür war der wunderbare Gastlandauftritt Argentiniens. "Der war der literarischste seit Jahren", sagte Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse. 60 Autoren waren aus Argentinien angereist, viele Bücher wurden eigens für die Buchmesse ins Deutsche übersetzt. Nach Jahren der Ignoranz, nach Jahren in denen der lateinamerikanische Kontinent nicht nur kulturell ins Abseits geraten war, wird es jetzt eine Wiederentdeckung der lateinamerikanischen Literatur geben. Dazu passte natürlich die Verleihung des Literatur-Nobelpreises in dieser Woche an den Peruaner Mario Vargas Llosa.

Der Auftritt Argentiniens zeigte wieder einmal wie gut das Gastland-Konzept funktioniert: Es findet eine nicht nur oberflächliche Beschäftigung mit der Kultur einer anderen Weltregion statt - es wird intensiv über Bücher, oder, wie im vergangenen Jahr, als China Gastland war, über Politik geredet.

In Frankfurt geht es ums Geld verdienen, aber auch darum, Scharnier zu sein, Plattform für die Literaturen der ganzen Welt. 7500 Aussteller aus 111 Ländern - auf der Buchmesse wird auch greifbar, was Menschen rund um den Globus bewegt und wovon sie sich bewegen lassen.

Autor: Ramón García-Ziemsen
Redaktion: Christian Walz