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Kultur

Das Buch hat eine Zukunft - Pro

Ja, das Buch hat eine Zukunft, denn gelesen wird immer, meint Ramón García-Ziemsen.

Ramón García-Ziemsen (Foto: DW)

Reden wir über eine sensationelle Erfindung.

Es ist kabellos, absolut stoßfest, kann jeden Inhalt wiedergeben und funktioniert mit jedem Betriebssystem. Nein es kommt nicht von der Firma mit dem Apfel. Es ist: Das Buch.

Dabei ist eigentlich ein Wunder, dass es das Buch, sooft es schon tot gesagt wurde, noch immer gibt. Die Kulturgeschichte der Buchbeerdigungen ist lang. Da war das Radio, das das Bücherlesen überflüssig machen sollte, dann das Fernsehen, das Internet und jetzt das E-Book.

Und wenn man sich anschaut, wie groß das Thema E-Book in den deutschen Medien gefahren wird, wie viel und wie kontrovers darüber diskutiert wird, könnte man wirklich denken, dass es Zeit wird, seine Bücher noch einmal liebevoll abzustauben, um sie dann in den Keller zu stellen - neben die alten Atari-Computer und zu klein gewordene Kinderklamotten.

Aber man muss das nicht tun. Denn das Buch lebt und erfreut sich bester Gesundheit. Nicht nur, dass immer mehr Bücher veröffentlich werden, es werden auch mehr gelesen. Das Buch ist nach wie vor unser zentrales Referenzmedium, sowohl was seine Inhalte, als auch was seine Funktion als Informationsträger angeht: Im Urlaub muss ich keine Angst vor Sandkörnern oder Spritzwasser haben und ich weiß heute schon, dass ich es auch in 40 Jahren noch lesen kann. Wie haltbar die digitalen Speicher sind, weiß keiner. Und auch dafür steht doch das Buch: Erinnerung greifbar zu machen, Dauerhaftigkeit zu haben. Der Blick auf das Bücherregal kann der Blick auf das Leben von Menschen sein. Ja, es ist das Haptische, das Fühlbare, das tief in unserer Kultur verankerte, das Bücher für uns so wertvoll macht. Das Eselsohr, die wütende Anmerkung mit Bleistift, das mit Widmung verschenkte Lieblingswerk. Das Buch ist Teil des besten, was unser Leben zu bieten hat, weil es Austausch ist, Begegnung. Und es ist übrigens auch etwas anderes mit einem Buch ins Bett zu gehen als mit einem Computer.

Soweit die Gefühle. Hier noch die Zahlen: In den auch so vorreiterhaften USA werden bislang kaum 3 Prozent des Umsatzes im Bereich Belletristik mit E-Books gemacht – in Deutschland ist es noch viel, viel weniger. Selbst größte Optimisten gehen von vielleicht einmal 10 Prozent aus – irgendwann.

Entscheidend ist doch heutzutage die Konvergenz der Medien - so wie das Theater auch das Kino überlebt hat, gibt es kein Entweder-Oder, sondern ein Nebeneinander. In professionellen Zusammenhängen - z.B. in Universitäten, aber auch in Schulen - wird das E-Book eine große Bedeutung erlangen.

Und das gute alte Buch wird uns weiter begleiten, weise lächelnd, sich seiner Beliebheit bewusst, als Anarchist in der Welt des Digitalen und vielleicht denken: Euch Bits und Bytes steck ich noch lange in die Tasche.

Autor: Ramón García-Ziemsen

Redaktion: Wolfgang Dick