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Wirtschaft

"Das Boot ist voll"- Debatte nun auch in den USA

"Das Boot ist voll, die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg." Diese Parole wird auch in den USA immer populärer, seitdem im Zuge der Wirtschaftskrise die Arbeitslosenquote auf 8,5 Prozent hochgeschnellt ist.

Demonstration gegen verschärfte Einwanderungsgesetze (AP Photo/Rumbo, Jaime R. Carrero)

Demonstration gegen Reform des Einwanderungsgesetzes

Mit Fortschreiten der Finanzkrise wird der Ton in den USA schärfer. Fremde sind im klassischen Einwanderungsland nicht mehr uneingeschränkt willkommen, denn die beanspruchen Arbeitsplätze. Und die sind, bei einer Arbeitslosenquote von 8,5 Prozent, im Augenblick rar. Das beeinträchtigt auch deutsche Studenten, die seit 2005 wieder vermehrt an die US-amerikanischen Universitäten strömen und im Anschluss auf einen gut bezahlten Job hoffen. Längst hat die amerikanische Variante der "Das Boot ist voll"-Debatte die Politik erreicht:

Der Senator von Iowa, Charles Grassley, verlangte erst kürzlich eine striktere Kontrolle der Arbeitspapiere und, viel wichtiger: amerikanische Arbeit für amerikanische Arbeiter. „Wieder hat ein Amerikaner seinen Job verloren“, verkündet der Rundfunksprecher mit betroffen klingender Stimme: “Trotz Millionen von Arbeitslosen in den USA bringt die Regierung nach wie vor anderthalb Millionen ausländische Arbeitskräfte ins Land.“ Und dann die suggestive Frage: „Könnte Dein Arbeitsplatz der nächste sein?“ In Zeiten wie diesen kommt die Vereinfachung von komplexen Problemen beim amerikanischen Bürger gut an.

Fremde stehlen Jobs

Bürgerwehr an der Grenze zwischen USA und Mexiko (AP Photo/Jose Luis Magana)

Bürgerwehr an der Grenze zwischen USA und Mexiko

Das Spiel mit der Angst um den Arbeitsplatz und die Existenz treibt die US-Amerikaner um, und auf der Suche nach den Schuldigen zürnt man jetzt gerne den Fremden, die vermeintlich amerikanische Jobs stehlen. Die Vergabe der Visa an Ausländer wird in den USA im Augenblick hitzig diskutiert. Julie Kirchner ist Anwältin und Sprecherin der Organisation FAIR. Das steht für „Federation for American Immigration Reform“. Die hat sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der Einwanderer, die zurzeit bei etwa 1,1 Millionen pro Jahr liegt, um mehr als die Hälfte auf höchstens 350.000 zu verringern.

Wenn es nach Kirchner ginge, gäbe es auch die so genannten H1B Visa nicht mehr, die jetzt im Zuge der Wirtschaftskrise ebenfalls unter Beschuss geraten sind. Diese Visa erlauben amerikanischen Arbeitgebern, ausländische Arbeitskräfte temporär zu beschäftigen, wenn die über Qualifikationen verfügen, die ein Amerikaner nicht vorweisen kann. “Es stimmt nicht, dass dieses Visum für sehr gut ausgebildete Arbeitskräfte zur Verfügung steht", sagt Kirchner. "Die Hälfte der H1B Visa geht an Arbeitskräfte mit Vordiplom, und das haben viele Amerikaner auch. Und viele der H1B Visa gehen zudem an Arbeitnehmer im Computerbereich, und da sehe ich einen Missbrauch.“ Der würde amerikanische Stundenten vom Computerstudium zurückschrecken, weil sie die Konkurrenz der Ausländer fürchten, so Kirchner.

Ausländer zuerst raus

Greencard: Computerspezialist Chinbat Hasbagana aus der Mongolei

Computerspezialisten aus dem Ausland nicht mehr gefragt?

Mittlerweile verkünden einige Firmen in Krisenzeiten, zuerst die ausländischen Arbeitnehmer zu entlassen. Die Großbank Wells Fargo kündigte das vor einigen Wochen an, während die Bank of America erklärte, in diesem Jahr keine Bewerbungen von Ausländern anzunehmen.

Adam Zoia ist der Gründer der Rekrutierungsfirma Glocap Search in New York City. Er vermittelt qualifizierte Bewerber aus aller Welt an den amerikanischen Finanzsektor. Die Hysterie um die Visa ist für Zoia eine Gespensterdebatte, die von den US-Medien und der Politik geschürt wird. Er glaubt, dass die Visainhaber im Vergleich zur Gesamtzahl der amerikanischen Erwerbstätigen einen verschwindend geringen Prozentsatz darstellen. "Es ist nicht so, dass amerikanische Arbeitgeber nach ausländischen Arbeitskräften auf Kosten von Amerikanern suchen, denn es wäre viel einfacher und billiger, Amerikaner einzustellen.“

Weg vom Erfolgsrezept

Auch Yaniv Lavy, Anwalt für US-Einwanderer, erinnert daran, dass Einwanderer immer der Garant für Fortschritt und Prosperität waren und praktisch zum amerikanischen Erfolgsrezept gehören: "Die kommen aus aller Welt. Aus Indien, Japan, England, Israel. Sie bringen Qualifikationen, Wissen, Information, Technologie, Erfahrungen und Ideen. Das hilft der US-Wirtschaft.“ Bleibt zu hoffen, dass sich die Regierenden in den USA früh genug an die eigene Erfolgsstory erinnern und realisieren, dass mit der Begrenzung der Immigration auch Wirtschaftspotenzial verloren geht. Denn die Einwanderer von heute sind die amerikanischen Unternehmer von morgen.

Autor: Lia Petridis

Redaktion: Rolf Wenkel

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