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Alltagsdeutsch – Podcast

Das Blau

In Goethes Farbenlehre gehört es zu den drei unverfälschten Malfarben: das Blau. Es ist sehr variantenreich, die Farbpalette an Blautönen ist groß. In der Dämmerung hat Blau seine besondere „Stunde“.

Audio anhören 08:58

Alltagsdeutsch: Das Blau – die Folge als MP3

Andreas Reichel:
„Blau, wie fast keine andere, ist die artenreichste Farbe. Also, wir haben auch in der Sprache am meisten die Möglichkeit, Blautöne zu differenzieren. Das geht an von den Farbbezeichnungen, also Kobalt und Ultramarin, oder dann die ganzen Schattierungen nach Grau hin, Taubenblaugrau bis hin zu Hellblau oder Dunkelblau, Türkis und eben diese nach grünlich hin changierenden Töne, Preußischblau, die ganzen Jeansfarben, Königsblau und Admiralsblau. Da gibt's also sehr viele Bezeichnungen, die Blautöne unterscheiden, was bei den anderen eben nicht so ist.“

Sprecher:
Den stellvertretenden Rektor der Alanus Kunsthochschule in Alfter bei Bonn, Alfred Reichel, fasziniert an der Farbe Blau, dass sie so vielfältig ist. Er vergleicht sie mit den verschiedenen Arten im Tierreich. Es ist für ihn die artenreichste Farbe. Denn durch das Mischen mit anderen Farben reichen die Töne von fast Weiß bis hin zu nahezu Schwarz. Bestimmungswörter helfen, die feinen Unterschiede der Blautöne zu markieren. Kobaltblau ist ein neutrales, intensives Blau ähnlich wie auch Ultramarin. Der Name „Kobaltblau“ leitet sich von dem Erz Kobalt ab, „Ultramarin“ basiert auf dem Lateinischen „ultramarinus“, über das Meer. Der Grund für die Bezeichnung ist, dass früher viele Mineralien zur Herstellung farbgebender Substanzen, sogenannter Pigmente, von weit her nach Europa transportiert wurden. Dazu gehört beispielsweise auch das Mineral Türkis. Die Bezeichnungen Königsblau, Preußisch Blau und Admiralblau sind Begriffe, die einen eher politischen Hintergrund haben: Königsblau führte der französische König Ludwig XIV. als Farbe ein, Preußischblau wurde in der Zeit erfunden, als die Preußen in Deutschland herrschten. Die Bezeichnung „Admiralblau“ geht auf den Farbton der Kleidung des englischen Admirals Horatio Nelson zurück. Je nach Beimischung ist der Blauanteil höher oder geringer. Die Töne changieren, verändern sich. Mancher Blauton ist eigentlich kein richtiger Farbton, nur das Auge des Betrachters erkennt ihn als solchen. Alfred Reichel nennt ein Beispiel:

Andreas Reichel:
„Natürlich ist so das Himmelsblau eben dasjenige, wo man so am meisten mit assoziiert. Und gleichzeitig ist das Rätsel ja eben, dass die blaue Farbe am Himmel gar nicht existiert. Es hat ja niemand den Himmel blau gemalt und macht das jede Nacht wieder neu, und morgens ist wieder frisch ausgepackt blau alles da oben, sondern das ist ja das Phänomen, dass die blaue Farbe sich dort ereignet. Sie ist ein Ereignis.“

Sprecher:
Für Alfred Reichel ist der Begriff „Himmelsblau“ der Blauton, bei dem fast jeder sofort weiß, wie er aussieht. Man verbindet, assoziiert, ihn mit einem hellblauen, wolkenlosen Himmel. Nur sei es so, dass die Farbe sich durch eine Naturerscheinung, ein physikalisches Phänomen, ergebe. Das Sonnenlicht setzt sich aus den Farben des Regenbogens zusammen: von Violett über Blau bis hin zu Rot. Jede dieser Farben hat eine bestimmte Wellenlänge, also einen Bereich, den das menschliche Auge wahrnehmen kann. In der Atmosphäre, also der Lufthülle um die Erde, wird Licht umso stärker gestreut, je kleiner seine Wellenlänge ist. Blau liegt vor Violett an vorletzter Stelle. Erscheint uns der Himmel blau, wird also hauptsächlich Blau gestreut. Nachts sieht er blauschwarz aus, weil wir dann von der Erde aus in eine dunkle Sphäre gucken. In der Sprache findet man deshalb manche Redewendung, in der Blau als Kennzeichnung der unbekannten Ferne und des Unbestimmten dient. Eine davon ist – wie Andreas Reichel anführt – die „Fahrt ins Blaue“:

Andreas Reichel:
„Man fährt ins Blaue, nech, so ‘n Sonntagsausflug. Was natürlich irgendwo meint so, es ist schönes Wetter, man fährt einfach so nach draußen. Und gleichzeitig meint man ja auch damit, dass irgendwas passieren kann. Ist fast egal, was passiert. Es kann auch sozusagen etwas strapaziös werden, trotzdem ist es ‘ne Fahrt ins Blaue, die an der Stelle dann eben als Ereignis gesucht wird, also die irgendeinen Reiz hat, so gerade auch eben, dass man kein Ziel hat.“

Sprecher:
Bei Fahrten ins Blaue lässt man sich, wie es Andreas Reichel beschreibt, während einer Fahrt bereitwillig auf alles ein, was der Zufall einem bietet. Eine Fahrt ins Blaue, beispielsweise an einem Sonntag, ist ein Ausflug ins Ungewisse. Diese Ungewissheit sei verlockend, sie habe einen Reiz, weil man nicht wisse, was geschehe, passiere. Sie könne beispielsweise anstrengend, strapaziös, werden. Auch jemand, der ins Blaue hineinredet, spricht, ohne sich viele Gedanken zu machen, was sie oder er genau sagen will. Der Farbe Blau werden auch bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. Blaue Augen gelten – besonders in der Literatur – als Sinnbild der Treue, Klarheit und Ehrlichkeit. Der deutsche Komponist Johannes Brahms vertonte ein entsprechendes Gedicht von Klaus Groth, in dem es heißt:

Zitatorin:
„Dein blaues Auge hält so still.
Ich blicke bis zum Grund.
Du fragst mich, was ich sehen will?
Ich sehe mich gesund.“

Sprecher:
Da Neugeborene zunächst immer blaue Augen haben, verbindet sich mit Blauäugigkeit zugleich die Vorstellung von Unschuld, aber auch Naivität. Im volkstümlichen Sprachgebrauch kann Blau daher ebenfalls eine eher negative Bedeutung haben. Dann steht es für Täuschung, Unehrlichkeit und Lüge. Ein Beispiel ist für Andreas Reichel ein bestimmter Menschentyp:

Andreas Reichel:
Blauäugig im Sinne eines Narren, der einfach aus irgendeiner Spielerlaune sich auch traut, mal daneben zu sitzen und auf die Art und Weise dann auch als solcher bezeichnet werden kann, der dann mehr wie Till Eugenspiegel daherkommt.“

Sprecher:
Als Stellvertreter für jemanden, der andere täuscht, steht für Andreas Reichel ein Narr, der sich beispielsweise wie Till Eulenspiegel verhält, wie dieser daherkommt. Till Eulenspiegel gilt in Deutschland als der Vertreter eines Narren überhaupt. Weil es ihm Spaß macht, aus einer Spielerlaune heraus, spielt er anderen Streiche und schaut anschließend zu, was passiert. Bereits in älteren bildlichen Darstellungen von Redensarten, etwa in der flämischen Malerei, steht Blau für Verstellung und Lüge. Häufig sieht man im Mittelpunkt dieser Bilder einen alternden Mann, der von seiner jungen Frau einen blauen Mantel umgehängt bekommt, das heißt von ihr betrogen wird. Wenn heute in der Politik von Blauäugigkeit die Rede ist, dann sind die Politiker gemeint, denen es an Wirklichkeitssinn fehlt, die unkritisch und vertrauensselig argumentieren. Für Johann Wolfgang von Goethe war Blau neben Gelb und Rot eine reine, unverfälschte Farbe. In seiner Farbentheorie setzte er Blau mit Finsternis gleich, die schwarz am nächsten liegt, gelb dagegen steht für ihn für das Helle. Finsternis bedeutet Nacht. Wann verschwindet denn das Blau am Abendhimmel?

Andreas Reichel:
„Machen Sie sich mal die Mühe zu beobachten, am besten an mehreren Tagen, welche Farbe sich wann als erstes verabschiedet. Das ist nämlich so, dass die nicht alle gleichzeitig verschwinden, und man wird ‘ne sehr schöne Verabschiedungszeremonie feiern können, weil die Farben eben sich einzeln verdünnen, bevor sie dann ins Graue verfallen, und da ist gerade reizvoll zu beobachten, wann sich die Farbe Blau auf den Weg macht.“

Sprecher:
In der Abenddämmerung, wenn die Sonne langsam untergeht, verabschieden sich die Farben nach und nach, abhängig von der Jahreszeit und der geografischen Breite mal schneller, mal langsamer. Sie werden blasser, verdünnen sich, wie es Andreas Reichel ausdrückt – bis völlige Dunkelheit herrscht. In der Umgangssprache hat dieses Phänomen einen Namen: „blaue Stunde“. Populärwissenschaftlich gesprochen ist Blau somit die letzte Farbe, die sich „auf den Weg macht“, bevor völlige Finsternis herrscht.






Arbeitsauftrag
Erarbeitet in eurer Lerngruppe eine Liste von Begriffen und Redewendungen, in denen die Farbe „Blau“ vorkommt. Sucht euch anschließend eine passende Redewendung beziehungsweise einen passenden Begriff aus und verfasst eine Geschichte von etwa einer DIN A4-Seite. Ein Beispiel: „Ich bin mit einem blauen Auge davongekommen.“

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