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Europa

Das Beste aus zwei Welten

Migrantenschicksal kann auch ein Glück sein. So für die Russland-Deutschen und ihre Kinder, die einst aus Kasachstan nach Deutschland kamen und jetzt in die alte Heimat zurückgegekehrt sind - mit Wurzeln in zwei Ländern.

Ölarbeiter in Kasachstan

Das Öl macht's möglich:
Wirtschaftsboom in Kasachstan

Kasachstan war früher Hauptsiedlungsgebiet der Russland-Deutschen. Beim Zusammenbruch der Sowjetunion lebten etwa eine Million Deutsche in dem jungen zentralasiatischen Staat. Viele sind vor allem in den wirtschaftlich schwierigen 1990er Jahren nach Deutschland ausgewandert - nur etwas mehr als 200.000 sind geblieben. Doch mittlerweile hat Kasachstan dank seiner Öl- und Gasreserven einen Wirtschaftsboom hinter sich. Der lockt auch Kasachstan-Deutsche zurück in ihre alte Heimat.

Pendler zwischen zwei Ländern

Ein paar Fabrikhallen irgendwo am Stadtrand von Almaty, der größten Stadt Kasachstans. Es ist eng, in den Gängen stapeln sich Sofas. 140 Mitarbeiter arbeiten in der Möbelfabrik Ariba für André Vogel. 1996 ist Vogel zurück nach Kasachstan gekommen. Rahmen, Gestelle, Polsterung - seine Firma fertigt alles selbst. Nur die Stoffe und Rohmaterialien kommen aus Deutschland.

Ariba ist ein Familienbetrieb. Sein Sohn hilft André Vogel im Betrieb. Der zweite Sohn arbeitet für die Firma von Deutschland aus. Vogel war Ende der 1980er Jahre nach Deutschland gekommen. Als ausgebildeter Sportlehrer hatte er in Niedersachsen eine Stelle als Bademeister gefunden. Deutschland habe ihm sehr gut gefallen, erinnert sich Vogel. Doch sein Unternehmergeist trieb ihn 1996 zurück nach Kasachstan. Jetzt pendelt Vogel zwischen beiden Ländern.

Öl-Boom und Karriereleiter

Bauboom in Astana, der neuen Hauptstadt Kasachstans

Bauboom in Astana, der neuen Hauptstadt Kasachstans

Der Beginn eines Trends? Nicht nur nach Kasachstan, auch nach Russland kehren immer mehr Russland-Deutsche zurück. Der Öl-Boom in beiden Ländern hat es dort möglich gemacht, schnell auf der Karriereleiter hochzusteigen - gerade für Menschen, die neben Russisch auch Deutsch fließend als Muttersprache beherrschen. Doch bislang haben nur einige Tausend ihr Glück in Kasachstan gesucht.

Deutschunterricht im Gymnasium Nummer 18 in Almaty. Hier gehen Robert, Maria und Andrej zur Schule. Während die anderen Deutsch-Vokabeln büffeln, können sie sich entspannt zurücklehnen. Alle drei sind in Deutschland aufgewachsen. Erst seit zwei Jahren leben die 15-Jährigen wieder mit ihren Eltern in Kasachstan. "Als ich von Deutschland nach Kasachstan gegangen bin, haben sich viele meiner Freunde gedacht: Ist der verrückt, wo fährt der hin? In welche Wüste oder Steppe, oder so?,“ sagt Robert. Die anderen beiden lächeln wissend. Keiner von ihren deutschen Freunden habe eine Vorstellung von Kasachstan gehabt - wenn überhaupt, dann habe der US-Blödelfilm "Borat“ das Image noch zusätzlich beschädigt.

Das Beste aus zwei Welten

Für sie unterscheidet sich das Leben in Almaty kaum von dem in Gelsenkirchen, Frankfurt oder Rostock. Nur die Busse seien voller, beschweren sie sich. Wo sie mehr zu Hause sind, können selbst nicht mehr sagen. Keiner hat Probleme gehabt, sich in Kasachstan einzuleben. Für ihre Zukunft wollen sich die Jugendlichen das Beste aus beiden Welten aussuchen: Mathematik, Physik und Chemie lernen sie besser in einer kasachischen Schule. Danach wollen alle drei zu Studium und Ausbildung nach Deutschland. Robert will wohl Chirurg werden, Andrej Bürokaufmann. Ob Kasachstan oder Deutschland letztendlich ihre Heimat werden soll, weiß bislang noch keiner von ihnen.

André Vogel richtet sich dagegen noch auf lange Zeit in Kasachstan ein. Gerade erst baut er eine neue Werkshalle, die zum Jahreswechsel fertig sein soll. Die Baupläne dazu hat ein deutsches Ingenieursbüro entworfen. Genau darin liegt sein Erfolgskonzept, meint er: "Ohne Deutschland wird es nicht laufen, das muss mit Deutschland zusammen laufen, dann ist alles OK.“

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