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Musik

Das Bayreuth der Zukunft

Das bedeutendste deutsche Opernfest ist vorbei. Selten gab es so viel Aufmerksamkeit für die Bayreuther Festspiele. Kein Wunder bei zwei neuen Intendantinnen, jungen Regisseuren und einer ersten Wagneroper für Kinder.

Die Festspielleiterinnen Katharina Wagner, Mitte, und Eva Wagner-Pasquier, rechts, mit Bayreuths Oberbürgermeister Michael Hohl (Foto: AP)

Die Wagner-Schwestern mit Bayreuths Bürgermeister

Pressekonferenzen, Direktübertragungen der Opern auf Riesenleinwände und Livestreams im Internet - der Medienrummel um die diesjährigen Bayreuther Festspiele war selten so groß. Mit Spannung hatten Kritiker und Publikum auf eine neue, weibliche Handschrift der 98. Richard-Wagner-Festspiele gewartet. Nach 57 Jahren Alleinherrschaft des Wagner-Enkels Wolfgang wurde das Opernfest erstmals von den Halbschwestern Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier geleitet.

Als Publikumsmagnet der rund 30 Aufführungen stellte sich die Parsifal-Inszenierung des jungen norwegischen Regisseurs Stefan Herheim heraus. Sein Parsifal ist nicht nur großes kulinarisches Zaubertheater, sondern zugleich ein kritischer Schnelldurchgang durch 100 Jahre Parsifal-Rezeption in Bayreuth. Für Katharina Wagners vor zwei Jahren herausgekommene Inszenierung der "Meistersinger" als surreale Mischung aus Künstlerorgie, Nazifest und Intellektuellen-Happening hingegen gab es kräftige Buhs.

Ungleiche Machtverteilung

Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner (Foto: AP)

Medienliebling Katharina (r.)

Davon ließ sich Katharina Wagner aber nicht aus dem Konzept bringen. Sie demonstriert gerne wer jetzt in Bayreuth das Sagen hat. Es sei einfach vereinbart, dass sie für das Festival sprechen solle, betonte Katharina Wagner immer wieder. Ganz im Gegensatz zu ihrer Halbschwester Eva, immerhin gleichberechtigte Intendantin. Sie zeigte sich von ihrer zurückhaltenden Seite. Bei der anberaumten Pressekonferenz am Tag der "Tristan"-Premiere wollte sie zunächst gar nicht vor die Mikrofone und Kameras der zahlreich angereisten Weltpresse. Dann verschwand sie nach kurzen Begrüßungsworten und ließ keine weiteren Fragen mehr zu. Das widersprach allen offensichtlichen Versicherungen von "neuer Transparenz" und "offener Kommunikation", die es zuvor gegeben hatte.

Aber auch das Publikum wollte in diesem Jahr nicht so rechte Festspielstimmung aufbringen. Auf dem Grünen Hügel herrschte beklemmende Verunsicherung. Um so ausgelassener war die Volksfeststimmung beim "Public Viewing", wo man Christoph Marthalers "Tristan" in einer Direkt-Übertragung aus dem Festspielhaus auf einer 90-Quadratmeter-Leinwand auf dem Bayreuther Volksfestplatz vor 20.000 Menschen zeigte. Solche Massenveranstaltungen mit Happening-Charakter, Imbissständen und Bierbuden sollen künftig in Bayreuth selbstverständlich sein, ebenso Livestreams im Internet. Man will mit der Zeit gehen. Auch gab es erstmalig Werkeinführungen am Grünen Hügel und eine Kinderversion des "Fliegenden Holländers".

Vergangenheitsbewältigung

Die Richard-Wagner-Büste des Bildhauers Arno Breker nahe des Festspielhauses auf dem 'Grünen Hügel' (Foto: AP)

Büste Richard Wagners auf dem Grünen Hügel

Besonders stolz ist Katharina darauf, dass sie Arnold Brekers Richard- und Cosima Wagner-Büsten im Festspielpark mit Hinweisschildern versah, auf denen zu lesen ist, diese seien Ausdruck der nationalsozialistischen Gesinnung. "Wir sind dabei, die Vergangenheit von Bayreuth aufzuarbeiten", kommentierte Katharina Wagner die Aktion, um lapidar hinzuzufügen: "Also, wir haben schon noch so Einiges vor!"

Wieder waren in Bayreuth alle 30 Aufführungen ausverkauft. Noch ist der Ansturm auf die Bayreuther Festspiele ungebrochen. In der Vergangenheit inszenierten, dirigierten und sangen die Besten der Besten in Bayreuth. Katharina und Eva Wagner setzen jetzt verstärkt auf die Jugend. Bayreuth ist endgültig im 21. Jahrhundert angekommen.

Autorin: Sabine Damaschke
Redaktion: Gudrun Stegen

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