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Das Bauhaus kommt aus Weimar

Fünf Stationen, 1200 Exponate und eine Gewißheit: In Weimar wurde vorausgedacht. Daran erinnert nun eine große Übersichtsschau zu den frühen Jahren des Bauhauses.

Passanten mit bunten Bauhaustüten

Eindrücke im Kopf und Katalog in der Bauhaustüte

Eine Hecke aus Buchstaben

Weimarer Texthecke

Wer in diesen Tagen durch die blitzsauberen Straßen und Gassen Weimars spaziert, der trifft nicht nur auf die allgegenwärtigen Namen der deutschen Klassiker, sondern in schöner Regelmäßigkeit auch auf recht aparte filigrane weiße Hecken. Aus Buchstaben setzen sie sich zusammen, und die sagen klar und deutlich: Das Bauhaus kommt aus Weimar!

Tatsächlich schien die kleine Stadt mit ihrer großen Tradition für Walter Gropius der ideale Ort zu sein, um fruchtbare Reibungsflächen für das Neue zu schaffen. "Ich glaube", notierte er im Jahre 1919, "dass Weimar gerade um seiner Weltbekanntheit willen, der geeignetste Boden ist, um dort den Grundstein einer Republik der Geister zu legen".

Klein, aber kreativ

Wassily Kandinsky: Bilder einer Ausstellung

Wassily Kandinsky: Bilder einer Ausstellung Szenenentwurf zu Bild XVI: Das grosse Tor von Kiew

Das Bauhaus, das Gropius im selben Jahr in dem Städtchen an der Ilm gründete, wurde maximal von 200 Studierenden besucht. Und mit höchstens 15 Lehrkräften zählte es eher zu den kleinen Hochschulen. Seine Produktivität aber war so immens, dass sie sich unter keinem der vorhandenen Weimarer Dächer übersichtlich darstellen ließe. Die nun von der Klassik-Stiftung Weimar veranstaltete Übersichtsschau zu den frühen Jahren des Bauhauses verteilt sich deshalb auf fünf Stationen im gesamten Stadtgebiet.

"Und wenn Sie durch die verschiedenen Häuser gehen und sich das Ergebnis anschauen", sagt Ulrike Bestgen, die Hauptkuratorin der Schau, " ist schon frappierend, wie unterschiedlich, wie vielfältig dieses frühe Bauhaus in Weimar war".

Anders arbeiten, anders leben

wohlgelaunte Bauhäusler

Das Leben am Bauhaus Weimar: Bauhäusler und Gäste um 1922

Tatsächlich reicht die Palette von Meisterwerken der freien Kunst, von den kraftvoll farbigen Bildern Feiningers, Klees und Kandinskys bis hin zu märchenhaften Handpuppen, Marionettenbühnen, Konzeptionen für Theaterräume oder Einladungen für die berühmt-berüchtigten Bauhaus-Feste. Nach dem verlorenen Krieg wollte man eben anders leben und gemeinschaftlich etwas Neues aufbauen. Bisher getrennte Künste und Handwerksgattungen sollten vereint werden mit dem Ziel, schließlich ganze Bauwerke aus einem Geist heraus zu gestalten.

Zwischen Webstuhl und Drechslerwerkstatt

Kinderwiege von Peter Keler, 1922

Kinderwiege von Peter Keler, 1922

Dennoch sollte jeder einzelne Studierende eine individuelle Handschrift herausbilden. Möglichkeiten dazu gab es in den Werkstätten des Bauhauses, in dem die künftigen Gestalter eine gründliche handwerkliche Ausbildung erhielten. Eine Fülle von Objekten, die so entstanden sind, sind nun in Weimars Neuem Museum zu bewundern. Darunter befinden sich, so Kurator Michael Siebenbrodt, "viele Experimente, viele Einzelstücke, die noch nicht den Charakter eines Prototyps tragen. Wir sehen aber auch dann den inneren Weg von einigen Studierenden, Fortschritte in Richtung Design zu machen, wie es Gropius gefordert hat". Denn aus dem Formen- und Ideenvorrat der Weltkultur sollten die Studierenden "die wichtigsten Dinge heraus kristallisieren und nutzbar machen für eine neue Zeit".

Klassiker der Moderne

Die berühmte Tischlampe von Wilhelm Wagenfeld

Tischlampe von Wilhelm Wagenfeld, 1923/24

Farbenfrohe Teppiche und Wandbehänge sind in Weimar entstanden, schnörkellose Kaffee- und Teekannen, Türklinken, bunte Glasfenster, bemalte Plastiken, Kindermöbel und Spielzeug. In der Tischlereiwerkstatt erfolgte unter Marcel Breuer die Entwicklung der Stahlrohrmöbel, und in der Metallwerkstatt entstand die weltbekannte Bauhaus-Tischleuchte von Wilhelm Wagenfeld.

"Ich glaube", sagt Hellmut Seemann, Präsident der Klassik Stiftung Weimar, "dass wir mit dieser Ausstellung ein Zeichen setzen. Dass Weimar den Anspruch erhebt, die Wiege und mehr als die Wiege, das Pflanzbeet des Bauhauses gewesen zu sein. Und dass die Stadt diesen Anspruch auch nicht wieder aufgeben wird".

Weimars Geist

Ein buntbemalter Schirm zur Farbenlehre aus der Zeit um 1800

Schirm zur Farbenlehre auf Holzfuß, um 1800

Gut gedüngt war dieses Pflanzbeet jedenfalls, von Goethe, Schiller und Co. Und die Bauhäusler haben sich aus dem gehaltvollen Humus so manche Krume herausgepickt. So waren etwa die Theatererneuerer am Bauhaus profunde Kenner von Schillers ästhetischen Schriften. Und Paul Klees künstlerische Auseinandersetzung mit der Natur ist auf die intensive Lektüre von Goethes botanischem Hauptwerk "Die Metamorphose der Pflanzen" zurückzuführen.

In einer Teilausstellung der Weimarer Schau, im Obergeschoss des Goethe-Nationalmuseums, haben die Ausstellungsmacher diese überraschende Nähe von Klassik und Moderne augenzwinkernd verdeutlicht: denn die große Farbtafel, die da so prächtig mit den Gemälden der Bauhäusler harmonisiert, hat Goethe zur Erläuterung seiner Farbenlehre herstellen lassen.

Autorin: Silke Bartlick

Redaktion: Conny Paul

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