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Wirtschaft

Das bange Warten auf das Ende der Kursstürze

Ist das Ende der Talsohle erreicht? Oder geht es an den Börsen noch weiter bergab? In Asien schlossen die Aktienmärkte abermals im Minus. An der Frankfurter Börse deutete sich aber eine Trendwende an.

Börsenhändler im Börsensaal (Foto: dpa)

Die Bilder gleichen sich seit Tagen: Jeden Werktagsmorgen um neun Uhr blicken die Aktienhändler besorgt auf die große Anzeigetafel im Frankfurter Börsensaal. Zeigt sie – wie schon in den vergangenen Tagen – nach unten? Oder gibt es die ersehnte Trendwende?

Am Dienstag (09.08.2011) war es nicht anders. Trotz negativer Vorgaben der asiatischen Börsen stand der Deutsche Aktienindex für kurze Zeit im Plus. Aber dann gab es kein Halten mehr: Innerhalb von neunzig Minuten fiel der DAX um gut sieben Prozent und markierte damit einen der größten Allzeit-Verluste. Doch dann ging es Schritt für Schritt aufwärts. Am frühen Abend ging der deutsche Leitindex schließlich mit nur noch einem leichten Minus von 0,1 Prozent bei 5917 Punkten aus dem Handel. Unterstützung erhielt er von der New Yorker Börse, die behauptet eröffnete.

"Tote Katze" oder Kurs-Rally?

Ist damit die Talsohle erreicht? Geht es jetzt wieder nach oben? Viele Börsianer bleiben skeptisch und verweisen auf das Phänomen des "Dead-Cat-Bounce", frei nach dem sarkastischen englischen Sprichwort, wonach auch eine tote Katze von alleine wieder aufspringt, wenn sie nur aus großer Höhe gefallen ist. Eine nachhaltige Erholung sei das aber nicht. Deutsche-Bank-Analyst Lars Slomka ist sich sicher: "Der Ausverkauf wird wegen schwacher makroökonomischer Daten und der Risiken durch die Schuldenkrise in den Industriestaaten weitergehen"

Mann vor Börsentafel (Foto: Fotolia)

Auch gestandenen Börsenprofis stockt angesichts der Verluste der Atem

Der Leiter der Research-Abteilung der Schweizer Bank Julius Bär, Christian Gattiker, geht davon aus, dass die Märkte noch lange schwierig bleiben: "Es gibt derzeit viele Alarmzeichen, die auf einen Absturz wie in der Finanzkrise hindeuten." Andere sind etwas optimistischer. Analyst Heino Ruland von Ruland Research sagt: "Die Rezessionsängste sind überzogen. Die US-Konjunkturdaten werden im August voraussichtlich besser ausfallen als erwartet und dies sollte den Startschuss für eine Kurs-Rally bieten."

Gigantische Verluste

Doch derzeit ist "Hysterie" das Wort, das am meisten gebraucht wird, um das Verhalten der Anleger zu beschreiben. Nach Ansicht von Anita Paluch, Aktienhändlerin bei ETX Capital, ist das Verhalten an den Märkten nicht mit rein wirtschaftlichen Faktoren zu erklären: "Es zeigt lediglich das verloren gegangene Vertrauen in die Politik, die Banken und die Rating-Agenturen."

Sicher ist nur, dass das Ausmaß der Baisse gigantisch ist. Die Verluste der vergangenen zehn Handelstage summieren sich allein beim DAX auf rund 25 Prozent. Weder ist der Index jemals in so kurzer Zeit so tief gefallen, noch gab es vor diesem Crash zehn verlustreiche Handelstage hintereinander. Der Börsenwert aller 30 DAX-Werte schrumpfte um rund 160 Milliarden Euro. Das entspricht in etwa der jährlichen Wirtschaftsleistung Finnlands.

Schlechte Vorgaben aus Asien

Die Entwicklung an der Deutschen Börse war auch an diesem Dienstag von den negativen Entwicklungen an den asiatischen Börsen geprägt: Dort verloren die Indizes zeitweise bis zu zehn Prozent. Der Handel an der südkoreanischen Börse Kospi in Seoul wurde sogar kurzzeitig ausgesetzt. Im Laufe des Handelstages beruhigten sich die Märkte allerdings wieder: Der japanische Nikkei-Index sank um 1,7 Prozent und schloss bei 8944. Der Markt in Hongkong fiel um mehr als drei Prozent. Die südkoreanische Börse in Seoul rutschte 3,6 Prozent ab. Der australische Markt in Sydney drehte im Verlauf ins Plus und legte sogar leicht zu.

Viele Anleger flüchten in als sicher erachtete Anlagen: Sowohl Gold wie auch der Schweizer Franken kletterten auf Rekordstände. Das Edelmetall verteuerte sich auf rund 1748 Dollar je Feinunze. Der Euro fiel auf ein Rekordtief von 1,0605 Franken, erholte sich danach aber wieder leicht.

Aufgrund der Rezessionsängste fällt der Ölpreis. Die Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich um bis zu 4,8 Prozent auf ein Sechs-Monats-Tief von 98,74 Dollar je Barrel. Die US-Sorte WTI brach sogar um bis zu sieben Prozent auf 75,71 Dollar ein und war damit so günstig wie seit September 2010 nicht mehr.

Aktienhändler blickt auf Monitore (Foto: dapd)

Solche Kursstürze wie derzeit gab es selten zuvor an den Börsen

Ein "schwarzer Montag"

Zuvor waren die Befürchtungen vor einem "schwarzen Montag" teilweise Realität geworden. An den globalen Leitbörsen gab es zum Wochenauftakt nur eine Richtung - nach unten. Den Anfang machte die Tokioter Börse mit noch moderaten Verlusten von zwei Prozent. Doch dann beschleunigte sich die Talfahrt: Der DAX rutschte fünf Prozent ins Minus, der US-amerikanische Dow-Jones-Index gar fünfeinhalb Prozent. Dass die Finanzmärkte nervös sein würden, war spätestens am vergangenen Freitag klar, als die Ratingagentur Standard & Poor´s die Bonität der USA erstmals von der Bestnote AAA auf AA+ senkte.

Chinas Wirtschaft schwächelt

Zudem kamen schlechte Nachrichten aus China, das die Weltwirtschaft zu Beginn der Wirtschaftskrise noch mit seinem staatlich befeuerten Wachstum gefestigt hatte. Im Juni stieg die Jahres-Inflation auf 6,5 Prozent. Investoren fürchten nun, die Volksrepublik könne bei solchen Raten nicht noch einmal diese Rolle einnehmen.

Angesichts der Turbulenzen richten sich alle Augen auf die Zinssitzung der US-Notenbank Federal Reserve am heutigen Dienstag. Es wird erwartet, dass der Offenmarktausschuss bekannt gibt, wie lange die Niedrigst-Zinsen beibehalten werden. Am Wochenende hatten der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke und US-Finanzminister Timothy Geithner an Krisengesprächen der G7-Staaten teilgenommen. In einer Erklärung der sieben führenden Industrienationen hieß es im Anschluss an die Telefonkonferenz, die G7 stehe bereit, alle notwendigen Maßnahmen zur Unterstützung der Finanzstabilität und des Wachstums zu ergreifen. Darauf ruhen die Hoffnungen der Anleger.

Autor: Martin Muno (dpa, rtr, afp, dapd)
Redaktion: Martin Schrader

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