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Wirtschaft

Das Aus

Zwei Monate nach der ersten Pleite ist das Imperium des Medienmoguls Leo Kirch endgültig zusammengebrochen. Thomas Kirschning kommentiert.

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Es war nur noch eine Frage der Zeit: Kaum jemand glaubte in den letzten Wochen noch daran, daß sich das Imperium des Leo Kirch wenigstens zu Teilen würde retten lassen. Säule für Säule des Münchener Medienhauses stürzte mangels soliden finanziellen Fundaments zusammen.

Schon seit Jahren war Kirch abhängig von großzügigen Krediten. Die Gläubiger akzeptierten beispielsweise Ausstrahlungsrechte und prognostizierte Werbeeinnahmen als Sicherheiten. Deren tatsächlicher Wert aber unterliegt den Marktgesetzten von Angebot und Nachfrage: Wenn die Konjunktur nachlässt, gehen die Preise runter. So geschehen im Jahr 2001. Kirchs Schuldenberg in Höhe von angeblich sechseinhalb Milliarden Euro kam ins Rutschen.

Alles angefangen hatte es allerdings mit Leo Kirchs ehrgeizigem Versuch, in Deutschland, dem Mekka des 'Free-TV', ein Abonnenntenfernsehen gegen Bezahlung einführen zu wollen. Leo Kirch war der erste, der bereits in den fünfziger Jahren Film vor allem als Ware begriff: Höchst erfolgreich kaufte er zunächst in Europa, dann in großem Stil in Hollywood Ausstrahlungsrechte. Später produzierte er selbst Medien und schaffte sich in seiner Kette durch Werbung finanzierter Sender zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten: Sat1, Pro7, Kabel1, Deutsches Sportfernsehen, der Nachrichtenkanal N24, um nur einige zu nennen.

Kirch drehte ein immer größeres Rad. Denn noch stimmte die Finanzierung. Dann machte er seinen vielleicht größten Fehler: In Deutschland, wo so zahlreich wie nirgends sonst auf der Welt - noch - vergleichsweise hochwertige Programme gegen eine relativ geringe Rundfunk-Gebühr frei zu empfangen sind, wollte Kirch am Pay-TV verdienen. Er glaubte, genügend Zuschauer würden Geld locker machen, um beispielsweise selbst entscheiden zu können, aus welchem Blickwinkel sie den entscheidenden Treffer beim Fußball betrachten wollen.

Schon die Einführung dieses Pay-TV kostete Kirch Unsummen. Dann blieben die Kunden aus: Der unrentable Betrieb saugte seit 1998 stets neue Millionen aus Kirchs Konzernkasse. Noch fanden sich Financiers für dieses und andere mediale Abenteuer von Leo Kirch - allen voran die Bayerische Landesbank unter der Kontrolle der Landesregierung des jetzigen Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber. Im vergangenen Jahr stürzten die Börsennotierungen ins Bodenlose und die Konjunktur ging baden. Entsprechend sanken finanzielle Bewertung und Bonität des Hauses Kirch, seine Einnahmen schmolzen dahin.

Die Banken, die bislang stillgehalten hatten, drängten immer lauter auf die pünktliche Bedienung ihrer Kredite. Des gleichen andere Geldgeber: Der australo-amerikanische Medienmagnat Rupert Murdoch und der deutsche Springer-Konzern hatten sich bei Kirch eingekauft. Mit Austrittsrecht: Beide wollten ausgezahlt werden. Seit Dezember vergangenen Jahres wollen Gerüchte nicht verstummen, Murdoch und dessen italienischer Kollege und Ministerpräsident Silvio Berlusconi würden Kirchs Finanzklemme für den Eintritt in den kaufkräftigen deutschen Markt nutzen.

Nun heißt es, die deutsche Commerzbank würde zusammen mit der Essener Mediengruppe WAZ und dem US-amerikanischen Filmstudio Columbia TriStar ein Konsortium bilden, das Teile des dann ehemaligen Kirch-Geschäfts in eine Aktiengesellschaft überführen wolle. Man sei offen für weitere Partner heißt es. Wohin auch immer künftige Aktienpakete wandern: Die Zeiten, in denen das private Fernsehen in Deutschland wenigstens vom Titel her in deutscher Hand lag, sind vorbei. Die Globalisierung hat den deutschen Medienmarkt endgültig erreicht.