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Amerika

Das aufpolierte Image des George W. Bush

Bis zu den Vorwahlen im US-Wahlkampf dauert es noch einige Wochen. Doch es gibt bereits einen Gewinner im republikanischen Lager. Und der heißt weder Donald Trump noch Marco Rubio.

Während sein Bruder

Jeb Bush

fieberhaft versucht, sich von seinem Familiennamen zu distanzieren - und in seiner Kampagne statt seines Nachnamens ein Ausrufezeichen nutzt - geht es in diesen Vorwahlen oft auch um ihn: George W. Bush. Es liegt nicht nur an Jeb Bushs eher blasser Kampagne, die den Fokus der Öffentlichkeit wieder auf den älteren Bruder lenkt. Nach den Anschlägen von Paris und San Bernardino sind der "Krieg gegen den Terror" und der Mann, der diesen Begriff prägte, wieder zurück in den Köpfen einiger US-Wähler.

Auch in denen der republikanischen Präsidentschaftsanwärter: "Ich habe genug davon, immerzu auf Bush einzuschlagen. Ich vermisse George W. Bush! Ich wünschte, er wäre Präsident!", sagte

Lindsey Graham

bei einer Debatte republikanischer Kandidaten Mitte Dezember. Und der Senator von South Carolina, bekannt für seinen harten außenpolitischen Kurs, legte noch einen drauf: George W. Bush wäre im aktuellen Kampf gegen den "Islamischen Staat" ein besserer Oberbefehlshaber gewesen als Präsident Obama.

Bush wird beliebter

Und es scheint, als würden sogar Nicht-Republikaner diese Meinung teilen. So ergab eine Umfrage im Sommer 2015, dass nach Jahrzehnten zum ersten Mal wieder die Zahl der US-Amerikaner, die George W. Bush mögen, die derjenigen überstieg, die gegen ihn sind. 52 Prozent aller Erwachsenen hatten einen positiven Eindruck von Bush.

George H.W. Bush, George W. Bush und Jeb Bush - Foto: Matthew Cavanaugh (EPA)

Vater George H.W. Bush und seine Söhne George W. und Jeb (2006)

Das sah 2009, als seine Präsidentschaft endete, noch ganz anders aus. Da hatte lediglich noch ein Drittel aller US-Amerikaner einen positiven Eindruck. Als Bush sein Amt übergab, hinterließ er ein wirtschaftliches Defizit, nicht enden wollende Kriege und einen destabilisierten Nahen Osten. Damals waren die Republikaner die einzigen, die positiv auf seine Präsidentschaft zurückschauten - und von denen war es auch nur die Hälfte.

Der vorbildliche Staatsmann?

Und auch das aktuelle Feld der republikanischen Kandidaten lässt die US-amerikanische Öffentlichkeit versöhnlicher in die Vergangenheit schauen. Grund genug für Comedian Will Ferrell, sich darüber lustig zu machen. In seiner Fernsehshow "Saturday Night Live" machte er George W. Bush nach und tat so, als wolle der erneut Präsident werden: "Das Feld der Republikaner ist so durcheinandergebracht", sagte Ferrell im Tonfall des Ex-Präsidenten, "da dachte ich, ihr vermisst mich, nicht wahr?"

George W. Bush am World Trade Center New York (14.09.2001) - Foto: Richards (AFP)

Präsident Bush in New York (September 2001): Versöhnliche Worte

Anders als die aktuellen Wahlkämpfer Donald Trump und Ben Carson gab sich George W. Bush als Präsident durchaus auch versöhnlich: Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 versicherte er den Muslimen in den USA, dass das Land weder mit ihnen noch mit dem Islam als Religion auf Kriegsfuß stünde. Trump und Carson scheinen hingegen die US-Gesellschaft mit ihrer

anti-islamischen Rhetorik

eher spalten zu wollen. "Verglichen mit Donald Trump, sieht George W. Bush wie der Vorbilds-Staatsmann aus", schrieb Francis Fukuyama Anfang des Monats im Nachrichtenmagazin "Time".

Es ist, als würde die Geschichte durch die aktuellen Ereignisse neu geschrieben und somit auch George W. Bushs Präsidentschaft. Das sieht der Politikwissenschaftler George C. Edwards III allerdings anders: "Auch wenn sich die Ansichten über ihn leicht geändert haben, so schaut die Öffentlichkeit nicht wirklich auf ein goldenes Zeitalter zurück", sagt der Professor von der Texas A&M Universität und Autor zahlreicher Bücher über Bushs Präsidentschaft. Edwards glaubt, dass Bush noch weit davon entfernt ist, wieder komplett rehabilitiert zu sein. "Es gibt zu wenig Neues, nach dem man ihn bewerten könnte."

Die Ice-Bucket-Challenge

"Mit der Zeit vergessen die Leute, warum sie einen Präsident nicht mochten", sagt Richard Norton Smith, Historiker und Autor, spezialisiert auf die US-Präsidentschaften. Die Arbeit von Bushs Frau, die sich mit dem Bush-Center in Dallas für Frauenrechte und eine Bildungsreform einsetzt, seine erfolgreichen Memoiren und sein Buch über seinen Vater haben die harten Ecken und Kanten von George W. Bushs Politik etwas abgerundet, so Smith weiter.

Der Historiker vergleicht das Ende einer polarisierenden Präsidentschaft mit der Rückkehr einer Raumkapsel: "Sie heizt sich beim Wiedereintreten in die Atmosphäre schrecklich auf, aber dann beendet sie ihre Reise, kommt zurück und kühlt ab." Im Fall von George W. Bush hat ein Eimer voll Eiswasser, den er sich im Zuge der Spendensammel-Aktion "Ice-Bucket-Challenge" im Sommer 2014 über den Kopf schütten ließ, vielleicht geholfen, diese Hitze noch weiter abzukühlen.

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