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Politik

Das Attentat von Passau: Suche nach Täter geht weiter

Der Messerangriff eines mutmaßlichen Neonazis auf Polizeichef Alois Mannichl rüttelt nicht nur die Stadt wach. Der Täter ist weiter flüchtig. Zwei Festgenommene wurden wieder freigelassen.

Beamte der Spurensicherung am Tatort (Quelle: AP)

Spurensicherung am Tatort

Fürstenzell bei Passau ist ein ruhiger beschaulicher Ort mit 8000 Einwohnern im östlichen Bayern. Das Grundstück in der Ringstraße, wo der Passauer Polizeichef Alois Mannichl wohnt, wird von einem großen Schneemann geziert. In der Nachbarschaft steigt eine Adventsparty.

Gegen 17.30 Uhr am Samstag (13.12.2008) klingelt es im Haus des Polizeidirektors. Der 52-Jährige geht an die Tür. Er hat keine Chance zu reagieren: "Viele Grüße vom Nationalen Widerstand, du linkes Bullenschwein," schreit ihn ein großer, kräftiger Mann mit Glatze an. "Du trampelst nicht mehr auf den Gräbern unserer Kameraden rum." Im selben Moment rammt er dem Polizeichef ein Messer mit einer elf Zentimeter langen Klinge in die linke Bauchseite, verfehlt dabei nur um zwei Zentimeter das Herz. Mannichl überlebt wie durch ein Wunder.

Passaus Oberstaatsanwalt Walch (Quelle: AP)

Passaus Oberstaatsanwalt Walch: "Die beiden Festgenommenen hatten ein schlüssiges Alibi."

Keine Spur vom Täter

Den Ermittlern fehlt zwei Tage nach dem Attentat weiter jede Spur von dem Täter. Zwei festgenommene Männer wurden am Montag (15.12.2008) wieder freigelassen. Passaus Oberstaatsanwalt Helmut Walch sagte, der Verdacht gegen sie habe sich nicht erhärtet. Mannichl, der eine Täterbeschreibung gegeben hatte, habe sie auf Fotos nicht identifizieren können. Zudem seien keine aussagekräftigen DNA-Spuren an ihrer Kleidung gefunden worden. Und: "Die beiden haben auch ein Alibi, das doch sehr schlüssig ist", so Walch.

Weitere Verdächtige gebe es derzeit nicht. Das Messer, mit dem der Täter zustach, gehörte dem Polizeidirekor selbst. Es lag vor der Tür seines Reihenhauses. Der Grund: In der Siedlung werden zu Advent Kalender aus Lebkuchen aufgehängt. Damit die Nachbarn diese abschneiden können, liegen vor der Haustür Messer.

Eingesessene rechte Szene

Der Schock über das Attentat sitzt tief. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Täter der regionalen rechtsextremen Szene angehört; sie ist im Raum Passau schon seit einigen Jahren fest verankert, auch in Mannichls Wohnort .

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte nach dem Attentat, dieses erfordere eine neue, klare und harte Antwort des Staates: "Man muss sich einmal vorstellen, welche Energie krimineller Art und welcher Hass hier dahinter stecken müssen, so brutal und hinterhältig vorzugehen. Der Staat und die Gesellschaft sind insgesamt aufgerufen, dem ganz energisch die Stirn zu bieten."

Polizeichef Mannichl in seinem Büro (Quelle: dpa)

Mannichl ging hart gegen die rechte Szene vor

Während Politiker das Attentat auf den Polizeichef verurteilen, wird die Tat in der Neonazi-Szene bejubelt. Mannichl ließ die Polizei in den vergangenen Monaten mehrmals konsequent gegen Aktionen der Neonazis vorgehen. Das genügte, um zum Hassobjekt der niederbayerischen Rechtsradikalen zu werden.

Gezielter Racheakt?

Einiges spricht also dafür, dass Mannichl Opfer eines gezielten Racheaktes ist. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) spricht von einer neuen "Dimension" rechter Verbrechen: "Das ist eine Eskalation der Gewalt und deshalb werden wir alles dafür tun, diese Tat so schnell wie möglich aufzuklären."

Die Tat lenkt den Blick auf eine Szene, die hochaktiv und in steigendem Maße gewaltbereit ist: Nach Angaben des bayerischen Innenministeriums hat sich die Zahl der polizeilich bekannten Straftaten aus dem Bereich des Rechtsextremismus bei der Polizeidirektion Passau im Vergleich zum vergangenen Jahr mit 83 mehr als verdoppelt.

NPD-Marsch in Frankfurt am Main im Juli 2007: Mehrere Demonstranten mit weiß-rot-weißen Flaggen und NPD-Zeichen. Quelle: DPA

NPD-Anhänger werben im Juli 2007 in Frankfurt am Main ganz offen für ihre Ziele.

Und: Passau ist kein unbeschriebenes Blatt in der rechten Szene. Der Ort war schon früher immer wieder das Ziel von Neonazis aus halb Europa. In den 1990er Jahren gab es dort in der inzwischen abgerissenen Nibelungenhalle regelmäßig Kundgebungen mit mehr als 1000 Rechten aus mehreren Ländern. Hunderte Polizisten aus ganz Deutschland wurden immer wieder eingesetzt, um Straßenschlachten zwischen den Rechtsextremisten und Gegendemonstranten zu verhindern.

Neuer Vorstoß für NPD-Verbotsverfahren?

Die Diskussion über die Bedeutung der Tat für den Umgang mit Neonazis in der Bundesrepublik dürfte erst am Anfang stehen. Die Messerattacke könnte sogar Auswirkungen auf den Umgang mit der NPD haben. Der bayerische Innenministers Herrmann meinte, man müsse über ein Verbot der Partei neu nachdenken. Die frühere rot-grüne Bundesregierung unter dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder hatte bereits einen Anlauf für ein NPD-Verbot genommen. Das Verfahren scheiterte jedoch im Jahr 2003, weil die rechtsextremistische Partei von V-Leuten durchsetzt war.

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