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Kultur

Das andere Gelbe vom Ei

Das Gelbe vom Ei gibt es seit Millionen Jahren. Das Gelbe vom Kinderüberraschungs-Ei erst seit 30 Jahren - aber es ist schon beinahe so erfolgreich wie das biologische Vorbild.

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Eine außergewöhnliche Erfolgsstory

"Ich mag die Schokolade sehr. Das was aber länger hält, das ist das Innere des Eis, das Eigelb." Der 10-jährige Malte kennt sich gut aus mit den Überraschungseiern, kurz Ü-Ei genannt. So wie wohl alle seine Altergenossen, die keinen Supermarkt ohne Paletten mit Ü-Eiern an der Kasse mehr kennen.

Nun muss das Eigelb vom Ü-Ei gar nicht gelb sein - es hat im Laufe der Zeit auch andere Farben gegeben, was die Stücke für Kinder vielleicht nicht interessanter macht, für Sammler aber schon. Denn für den Sammler steht nicht die Schokolade im Mittelpunkt - die ist eher lästiges Beiwerk -, sondern die kleinen Figuren, die sich in dem Plastikbehälter im Inneren des Schokoladeneis verstecken. Die Überraschung eben, die den Ü-Eiern in Deutschland auch ihren Namen gegeben hat.

Diese Überraschungen sind inzwischen ganz offizielle Sammlerobjekte - wie Briefmarken, Münzen, Spielzeugautos oder Puppen auch. Allerdings nur komplett und ohne Gewähr für einen eventuellen Sammlerwert. Denn der Ferrero-Konzern, der mit den Ü-Eiern eine beispiellose Erfolgsstory schuf, hat nie preisgegeben, wie viele der Überraschungs-Figuren nun eigentlich auf den Markt gekommen sind. Schätzungsweise würde es reichen, um jeden menschlichen Erdbewohner mit drei Figürchen zu bestücken, Enttäuschungen nicht ausgeschlossen.

Von kleinen und großen Problemen

"Ich habe eine Spinne zum zusammenbauen. Mann, ist sie hässlich!" Die 12-jährige Nanna hat dann doch lachen müssen, weil die Spinne zum Basteln einfach so blöd aussah. Nun steht sie auf dem Schreibtisch, bis sie irgendwann mal runterfällt, kaputtgeht und Teile davon im Staubsauger landen. Damit ist die Figur für Sammler absolut wertlos - und das ist dann eben doch die Art, wie die meisten Kinder Ü-Eier sammeln.

Überraschungsei feiert 30. Geburtstag

Das Überraschungsei feiert 30. Geburtstag

Eine Kölner Ärztin und bekennende Sammlerin, die so alt ist wie die Ü-Eier, erzählt von einem Problem, das viele Fans der Ei-Überraschungen kennen: Aus Platzmangel sind die Überraschungsfiguren seit ein paar Jahren in Taschen verstaut. In der nächsten, größeren Wohnung sollen sie dann aber wieder rausgeholt werden. Gesammelt wurden die Eier mit Hilfe von Freunden und Bekannten, die immer wieder die kleinen Überraschungen mitgebracht haben - und natürlich durch Selbsteinkauf.

Doch die Sammlung zu halten und durch Ergänzungen vom Flohmarkt oder anderswo auszubauen, ist arbeitsintensiv und fordert Platz, weiß ein Sammler aus Köln zu berichten, der seit 15 Jahren die kleinen bunten Figuren sammelt: "Wenn man ernsthaft sammeln will, kriegt man meistens Krach mit seinem Partner. Der sagt dann, was soll ich mit diesen ganzen Staubfängern."

Verbot droht

Es gibt sehr teure Einzelstücke, die in Katalogen für bis zu 900 Euro gehandelt werden. Teuer sind die Stücke, die am Anfang lose Teile hatten, die oft verloren gehen. Kostbare Stücke sind auch Figuren mit Fehlern. Es gibt unterschiedliche Ausführungen, je nachdem in welchem Land sie verkauft wurden - eigentlich kann man fast von einer europäischen Sammlerpassion sprechen. Das hat jedoch Europa-Abgeordnete aus Großbritannien und Griechenland nicht davon abgehalten, ihre Abneigung gegen die kleinen, niedlichen Figuren deutlich zu machen. Sie wollen neuerdings die Überraschungseier mit dem Hinweis verbieten, dass die Überraschungen in den Eiern Kleinteile erhalten, die von Kindern unter drei Jahren verschluckt werden könnten.

Es gibt zwar keinen einzigen dokumentierten Verschluck-Fall in der EU, und es ist zweifelhaft ob die Abgeordneten damit durchkommen. Aber vielleicht stammt die Aversion ja aus den falschen Figuren, so wie beim 14-jährigen Rune, der beim Knacken eine herbe Enttäuschung hinnehmen musste: "Ich habe irgendein komisches Ding mit einer Taschenlampe auf dem Kopf. Ein undefinierbares Teil. Das Ding kann überhaupt nichts! Ich denke, ich schmeiße es weg."

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