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Politik & Gesellschaft

Darmkeim fordert erste Todesopfer

Drei Frauen starben offenbar nach der Infizierung mit dem EHEC-Erreger. Besonders in Norddeutschland haben sich Hunderte angesteckt. Forscher suchen immer noch fieberhaft nach der Ursache.

Ein Arzt hält eine Petrischale mit einer EHEC-Bakterienkultur hoch (Foto: dapd)

Forscher suchen nach dem Auslöser der Bakterienerkrankungen

Eine 83-jährige Frau im niedersächsischen Landkreis Diepholz starb bereits am Samstag an der EHEC-Infektion, wie am Dienstag (24.05.2011) bekannt wurde. Aus Bremen wurde ein zweites Todesopfer gemeldet, das unter den Symptomen des Darminfekts gelitten hatte und in der Nacht zum Dienstag verstarb. Ob die junge Frau tatsächlich an dem Erreger erkrankt war, soll ein Labortest klären. Eine dritte Frau, die mit den Bakterien infiziert war, starb am Sonntag im Kreis Stormarn in Schleswig-Holstein. Es ist nicht klar, ob die Infektion bei der 80-Jährigen die Todesursache war.

Der Darmkeim EHEC zieht in Deutschland immer weitere Kreise: Inzwischen registrierten die Gesundheitsbehörden mehr als 400 Verdachtsfälle, davon mindestens 140 bestätigte Erkrankungen. Experten vermuten, dass die Menschen sich über ungewaschene Rohkost oder verunreinigtes Wasser angesteckt haben, die genaue Infektionsquelle wurde aber noch nicht gefunden.

Krankheit kann zu Nierenversagen führen

Schwer erkrankt sind bislang mindestens 40 Menschen. Sie leiden unter einem vom Darmbakterium verursachten Syndrom, bei dem es zu Nierenversagen oder Blutarmut kommen kann. Der Krankheitsverlauf wird auch von blutigen Durchfällen, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen begleitet.

Mikroskopisches Bild von EHEC-Bakterien (Foto: Robert Koch Institut)

Leben normalerweise im Darm von Wiederkäuern: Die EHEC-Bakterien

Vor allem in Norddeutschland häufen sich die Erkrankungen. Allein im nördlichsten Bundesland Schleswig-Holstein hat sich die Zahl der Verdachtsfälle innerhalb eines Tages auf mehr als 200 verdoppelt. Auch in Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und im Westen Deutschlands wurden Erkrankungen bekannt. In Frankfurt wurden zwei Kantinen eines Unternehmens geschlossen, weil einige betroffene Patienten dort arbeiteten.

Noch kein verlässliches Bild der Lage

Das Robert-Koch-Institut meldet, dass immer neue Fälle bekannt werden. Das Institut ist eine zentrale Einrichtung des deutschen Gesundheitsministeriums, das Infektionskrankheiten überwacht und erforscht. Noch gibt es allerdings nach Angaben eines Hamburger Großlabors kein verlässliches Bild der Lage, weil zwischen Verdacht und Befund 36 Stunden vergehen. Untersuchungen hätten allerdings ergeben, dass es sich um einen teils antibiotikaresistenten Bakterienstamm handelt, der bisher unbekannt war.

Experten suchen weiterhin nach der Ursache für die Erkrankungen. Im Verdacht stand zunächst ungewaschenes oder roh verzehrtes Gemüse. Die Erreger sind besondere Stämme der E. coli-Bakterien, die normalerweise im Darm von Rindern leben. Sie könnten beispielsweise über das Gülle-Düngen von Feldfrüchten in den Nahrungskreislauf gelangt sein. Bei mangelnder Hygiene ist auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts ist die Infektionsquelle möglicherweise noch aktiv. Das Institut warnte vor einer vorschnellen Benennung von Ursachen. Es kämen auch andere Übertragungswege, wie etwa verunreinigtes Wasser, infrage. Ein Sprecher des Bauernverbandes wies zudem darauf hin, dass die Düngung mit Gülle bei Gemüse kein gängiges Verfahren sei.

Frauen sind besonders betroffen

Besonders häufig erkranken erwachsene Frauen am EHEC-Erreger. "Das legt nahe, dass vor allem Frauen Zugang zur Infektionsquelle haben", sagte der Präsident des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Matthias Pulz. Daraus sei zu schließen, dass sich das befallene Lebensmittel irgendwo im Handel befinde.

Die Keime treten in Deutschland immer wieder auf. Seit 2001 müssen Ansteckungsfälle beim Robert-Koch-Institut gemeldet werden. Seitdem wurden bis zu 1200 Erkrankungen pro Jahr registriert, die aber oft einen leichteren Verlauf nahmen. In der Vergangenheit infizierten sich vor allem Kleinkinder.

Autorin: Gönna Ketels (dpa, dapd)
Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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