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Afrika

Darfur: 13 Jahre Krieg

Darfur? War da nicht mal Krieg? Ja, und er ist immer noch nicht vorbei. Wieder fliehen Zehntausende vor den Kämpfen in ihrer Heimat im Westen des Sudan. Nicht allen können die UN helfen.

Zoomt man hinein in die UN-Karte von Darfur im Westen Sudans, dann fallen einem schnell die vielen kleinen blauen Dreiecke auf. Neben Ortschaften, an Flüssen, in den Bergen, in der Wüste - überall blaue Dreiecke. Alles "IDP camps", klärt die Legende auf, also Flüchtlingslager. Fast 1,5 Millionen Menschen leben nach wie vor als Flüchtlinge in 60 Lagern in Darfur, einer Region so groß wie Spanien, die seit 2003 von Gewalt, Krieg und Hunger geprägt ist.

Zu diesen 1,5 Millionen Vertriebenen sind nun noch einmal Zehntausende neue Flüchtlinge hinzugekommen. Sie mussten ihre Heimat in Jebel Marra, einem Hochplateau rund um einen mehr als 3000 Meter hohen Vulkan im Zentrum Darfurs, verlassen. Mitte Januar brachen in der Region, die verschiedenen Rebellengruppen als Rückzugsraum dient, neue Kämpfe aus.

Keine Hilfe auf dem Hochplateau

"Die Menschen sind in alle möglichen Richtungen geflohen", sagt Samantha Newport von der UN-Koordinierungsstelle für humanitäre Angelegenheiten in Khartum. "Genaues wissen wir nur über 38.000 Flüchtlinge, die in Nord-Darfur gestrandet sind. Für sie haben wir begonnen, Nothilfe zu leisten." Viele der nach Nord-Dafur Geflohenen haben in der Nähe eines Lagers von Soldaten der UN-Friedensmission UNAMID bei Sortoni Schutz gesucht.

Darfur Flüchtlingslager in Zam Zam - UNAMID (Foto: Getty Images/AFP/A. Shazly)

Im Schutz von UNAMID - viele Flüchtlinge schlagen ihr Lager bei Soldaten der UN-Mission auf

"Sie kamen fast alle auf einmal an", so Newport. Rund 90 Prozent der Flüchtlinge seien Frauen und Kinder. "Das sind Menschen, die um ihr Leben gerannt sind. Sie kommen mit leeren Händen an, weil sie alles zurücklassen mussten, ihre Häuser, ihr Land, ihre Rinder, ihre Esel, alles." 24 UN-Lastwagen sollten noch an diesem Mittwoch in Sortoni ankommen, so Newport. An Bord: Decken, Zelte, Kochgeschirr sowie Nahrung, Vitamine und Medikamente. Damit soll das Überleben der teilweise unterernährten Flüchtlinge gesichert werden.

Den Menschen in Zentraldarfur können die UN derzeit jedoch nicht helfen. Man könne nicht einmal abschätzen, wie die Lage dort sei, sagt Newport. "Das ist sehr undurchsichtig. Wir haben Informationen bekommen mit Flüchtlingszahlen zwischen 500 und 50.000. Wir müssten eigentlich ein Team dorthin schicken, um die Lage zu beurteilen und eine Reaktion einzuleiten." Das allerdings lassen die Behörden derzeit nicht zu.

Gewalt ohne Ende

Die neuen Vertreibungen kommen nicht überraschend für Marina Peter, Vorsitzende des Vereins "Sudan Forum". Sie verfolgt den Konflikt, seit er 2003 ausgebrochen ist. "Eine Zeit lang sind die Kämpfe und Vertreibungen etwas zurückgegangen. Kurz vor Friedensverhandlungen gab es immer mehr Kämpfe. Wenn nicht geredet wurde, etwas weniger." Aber ganz aufgehört habe die Gewalt nie.

2010 unterzeichneten Regierung und Rebellen in Doha sogar ein Waffenstillstands-Abkommen, das den Weg zum Frieden ebnen sollte. "Aber da waren eben genau die Hauptgruppen der Rebellen nicht beteiligt", sagt Peter. "Und so lange sie nicht beteiligt sind, gibt es keinen Frieden." Nach wie vor kämpften einzelne Rebellengruppen um mehr Autonomie. Und nach wie vor bombardiere die Regierung des Sudan auch zivile Ziele.

Gold als Gift

"Die Konfliktursachen sind weitestgehend die gleichen wie zu Beginn des Konflikts," so Peter. "Es geht um die Verteilung von Ressourcen". Hinzugekommen seien im Laufe der Jahre viele Auseinandersetzungen zwischen ethnischen Gruppen. Eine Konfliktlinie verläuft zwischen schwarzafrikanischen Ethnien und von Khartum unterstützen arabischen Gruppen. "Und wir haben eine Verschärfung, weil in Darfur mittlerweile viel Goldhandel betrieben wird, auch illegaler Goldhandel."

Darfur Flüchtlingslager in Zam Zam (Foto: Getty Images/AFP/A. Shazly)

Es fehlt am Nötigsten: Flüchtlingslager in Nord-Darfur

Hoffnung für Darfur gebe es jedoch trotzdem, sagt Peter. Zum einen laufe ein so genannter "Nationaler Dialog" in Khartum, der die Anerkennung der religiösen und ethnischen Vielfalt des Landes durch die Regierung bringen könnte. Zudem betrachteten die westlichen Länder Sudan, mit Nachbarn wie Libyen und der Zentralafrikanischen Republik, als eine Art Stabilitätsinsel in der Region. "Und die sudanesische Regierung unternimmt gerade alles, um zu beweisen, dass sie es Wert ist, wieder Entwicklungshilfe zu bekommen, weil sie wirtschaftlich stark geschwächt ist." Das würde bedeuten, dass Khartum an einer neuen Eskalation in Darfur kein Interesse hätte.

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