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Top-Thema – Podcast

Darf man Gott beleidigen?

In vielen Ländern Europas wird man nicht bestraft, wenn man Gott beleidigt. In Deutschland gibt es seit 1871 ein Gesetz gegen Blasphemie, es wird aber fast nie benutzt. Die Meinungsfreiheit ist den Richtern wichtiger.

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Darf man Gott beleidigen? – das Top-Thema als MP3

Vor fast 150 Jahren wurde in Deutschland das Verbot der Blasphemie eingeführt. Damals hieß es noch: Man darf nicht schlecht über Gott oder einen Religionsgründer reden. 1969 wurde der Gesetzestext geändert. Jetzt steht da: Man darf mit einer Beschimpfung Gottes nicht den öffentlichen Frieden stören. Wenn jemand verurteilt wird, können die Richter bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe verhängen.

In der Praxis kommt das aber ganz selten vor. In den Niederlanden zum Beispiel hat man das Blasphemie-Gesetz 2013 ganz abgeschafft, weil seit 1968 niemand mehr wegen Gotteslästerung verurteilt wurde. Auch in Deutschland wird das Gesetz kaum angewandt. Und wenn doch jemand angeklagt wird, entscheiden die Gerichte regelmäßig, dass die Meinungs- und Pressefreiheit wichtiger ist.

Der Rechtsprofessor Johannes Kaspar kämpft dafür, dass der Blasphemie-Paragraf 166 ganz gestrichen wird. „Wenn man den Paragrafen weit auslegt, würden Satiriker oder Karikaturisten dauernd strafbare Handlungen begehen. Aber genau das wollen wir in Deutschland nicht“, sagt er.

Schon oft haben Muslime in Deutschland geklagt. Im Sommer 2012 zum Beispiel wollten sie verbieten lassen, dass Mohammed-Karikaturen gezeigt werden. Doch ein Gericht in Berlin entschied, dass die Karikaturen nicht zum Hass aufrufen und die Freiheit der Kunst wichtiger ist. Auch die katholische Kirche wurde schon oft beleidigt, hat vor Gericht aber meistens ohne Erfolg geklagt. Rechtsanwalt Steffen Bunnenberg sagt: „Man muss in der freiheitlichen Gesellschaft einiges ertragen.“


Glossar

Blasphemie (f., nur Singular) – die Beleidigung Gottes; auch: → Gotteslästerung

etwas ein|führen – hier: eine neue Regel offiziell gültig machen

Beschimpfung, -en (f.) – hier: die Beleidigung (Verb: → beschimpfen)

öffentlicher Friede (m., nur Singular) – Rechtsbegriff; das friedliche Zusammenleben der Menschen in einer Gesellschaft und das Vertrauen in die staatliche und rechtliche Ordnung

Haft (f., nur Singular) – die Zeit im Gefängnis

etwas verhängen – hier: etwas bestimmen; etwas festlegen

etwas ab|schaffen – etwas aufgeben; dafür sorgen, dass es etwas nicht mehr gibt

Gotteslästerung (f., nur Singular) – die Beleidigung Gottes; auch: → Blasphemie

etwas an|wenden – etwas benutzen

Paragraf, -en (m.) – ein Teil eines Gesetzes, der eine Nummer hat

etwas streichen – hier: etwas →abschaffen

etwas (ein Gesetz) weit aus|legen – hier: etwas so benutzen, dass es für viele Menschen gilt

Satiriker, -/Satirikerin, -nen – jemand, der etwas mit Witz und Ironie kritisiert

Karikaturist -/Karikaturistin, -nen – eine Person, die etwas/jemanden in einer witzigen Zeichnung( →Karikatur) übertrieben darstellt

eine strafbare Handlungen begehen – etwas tun, das vom Gesetz verboten ist

zu etwas auf|rufen – hier: auffordern, etwas zu tun

Rechtsanwalt, -anwälte/Rechtsanwältin, -nen – jemand, der einen vor Gericht verteidigt oder eine Klage einreicht

etwas ertragen – etwas Unangenehmes so akzeptieren, wie es ist


Fragen zum Text

1. Was steht im Text? In Deutschland …
a) wird das Verbot der Blasphemie bald abgeschafft.
b) begehen Karikaturisten regelmäßig Straftaten.
c) darf die Presse fast alles schreiben, solange sie nicht den öffentlichen Frieden stört.

2. Der Rechtsprofessor Johannes Kaspar …
a) sagt, dass man in einer freien Gesellschaft alles machen darf.
b) findet, dass das Blasphemie-Gesetz nicht sehr deutlich ist.
c) hofft, dass der Paragraf 166 von den Politikern neu geschrieben wird.

3. Wer Gott beschimpft, …
a) muss in Deutschland drei Jahre ins Gefängnis oder viel Geld bezahlen.
b) darf das tun, wenn er nicht zum Hass aufruft.
c) braucht auf jeden Fall einen Rechtsanwalt.

4. Wie heißt der Satz im Passiv? Man klagte den Mann an, weil er Gott beleidigt hatte.
a) Der Mann wird angeklagt, weil er Gott beleidigt hatte.
b) Der Mann wurde angeklagt, weil er Gott beleidigt hatte.
c) Der Mann würde angeklagt werden, weil er Gott beleidigt hatte.

5. Welche Passivform passt? Er … wegen Blasphemie …, weil er den öffentlichen Frieden stört.
a) wurde … verurteilt
b) wird … verurteilt
c) ist … verurteilt worden


Arbeitsauftrag
Darf man in eurem Land Witze über Gott machen? Was haltet ihr davon? Diskutiert im Kurs.

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