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Wirtschaft

Darbende Hightech-Landschaften

Auferstanden aus den Ruinen der Schwerindustrie, schien die ostdeutsche Wirtschaft geradewegs ins Technologie-Zeitalter durchzustarten. Doch die Konjunkturflaute nimmt den jungen Unternehmen den Wind aus den Segeln.

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Vom Überflieger zum Sorgenkind: Der Softwarehersteller Intershop

Ende März musste der sächsische Computerhersteller Lintec tiefrote Zahlen bekanntgeben: Nach einem Überschuss von 9,5 Millionen Euro im Jahr zuvor schrieb das Unternehmen 2001 einen Verlust von 26,5 Millionen Euro. Andere ostdeutsche Werte am Neuen Markt dümpeln im Keller und haben von der Markterholung seit dem 11. September nur wenig profitiert: Plasmaselect, der einzige Börsenwert aus Mecklenburg-Vorpommern, ist von einem Höchstkurs von 175 Euro auf mittlerweile drei Euro abgestürzt.

Intershop, einstiger Börsenstar und Hoffnungsträger des Ostens, wurde abgestraft, als die ehrgeizigen US-Expansionspläne des Gründers Stephan Schambach nicht aufgingen. Das Berliner Softwarehaus Lipro AG wurde zum ersten Januar 2002 vom Kurszettel verbannt.

Fallende Kurse, rollende Köpfe

In ostdeutschen Vorstandsetagen rollten die Köpfe, so etwa bei Cybio, Eckert & Ziegler und dem Automobilzulieferer Sachsenring. Die Ursachen für den wirtschaftlichen Misserfolg waren indes dieselben wie bei westdeutschen Unternehmen: falsche Einschätzung der wirtschaftlichen Lage, schlechtes Controlling und Produkte, die am Markt vorbeigingen.

Laserdioden Jenoptik, Mitarbeiter

Laserdioden praesentiert Marko Voigt, Mitarbeiter in der Fertigung, in der Jenoptik Laserdiode GmbH am 2. November 2001, in Jena. Der Technologie-Konzern Jenoptik berichtet am Dienstag, 29. Januar 2002 einen um 25 Prozent gestiegenen Jahresumsatz, der erstmals die Zwei-Milliarden Euro-Marke uebersteigt.

Dabei fing alles so gut an: Die Medien feierten den neuen Gründergeist zwischen Ostsee und Erzgebirge; nach Meinung der Wochenzeitung "Die Zeit" waren ostdeutsche Gründer dabei, "den Anschluss an die Weltspitze" zu finden. Und viele Zeichen stimmten hoffnungsfroh: Um die ostdeutschen Universitätsstandorte siedelten sich wichtige Zukunftsbranchen wie die Biotechnologie oder die Microchip-Produktion an.

Doch die Zahlen bleiben ernüchternd: Ostdeutschland steuert zwar 8,5 Prozent zur gesamtdeutschen Industrieproduktion bei, aber nur 4,5 Prozent der innovativen Güter. Obwohl Bund und Länder Forschung und Technologie in Ostdeutschland im Jahr 2001 mit einer Milliarde DM förderten, arbeiten 93 Prozent aller Industrieforscher nach wie vor im Westen.

"Geringe Innovationstätigkeit"

"Die ostdeutsche Wirtschaft ist - jedenfalls im Aggregat betrachtet - durch eine vergleichsweise geringe Innovationstätigkeit gekennzeichnet", konstatiert das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle.

Eine Folge der Krise: Die Schere zwischen den einzelnen Bundesländern Ostdeutschlands geht weiter auseinander. 40 Prozent der ostdeutschen Industrieforscher arbeiten in Sachsen, gefolgt von 22 Prozent in Thüringen. Leipzig, Dresden, Halle, Jena, Erfurt und Chemnitz sind beliebte Standorte Hightech-Unternehmen.

Die Regionen driften auseinander

Wer gut ausgebildete Arbeitskräfte benötigt, lässt sich am liebsten in Sachsen, Thüringen oder im Berliner "Speckgürtel" nieder. Dort werden auch weitaus mehr Unternehmen gegründet als im ostdeutschen Durchschnitt. Zunehmend ins Hintertreffen geraten Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Für die unter der Hightech-Flaute leidenden Regionen könnte die Hilfe ausgerechnet von der "Old Economy" kommen: So investieren beispielsweise die Autobauer kräftig in den neuen Bundesländern. VW hat in Dresden seine "gläserne Fabrik" errichtet. BMW baut seine neue 3er-Reihe ebenso in Leipzig wie Porsche seinen Cayenne. (jf)

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  • Datum 03.04.2002
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