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Sport

Danke, London!

Volle Sportstätten, sehr gute Organisation und ein hingerissenes britisches Sportpublikum. London präsentierte sich 2012 als perfekter Gastgeber der Olympischen und Paralympischen Spiele.

Ein Zuschauer in Olympia-Verkleidung im Olympic Park von London (Foto:Photo: Marius Becker dpa)

Ein Zuschauer in "Olympia-Verkleidung" im Olympic Park von London

Es waren bunte Spiele, durchorganisiert und gefeiert wie selten. Das britische Publikum erwies sich als fair, fachkundig und äußerst emotional – vor allem bei den fulminanten 65 britischen Medaillen und dem damit besten britischen Ergebnis seit 104 Jahren. Deutschland holte nur 44: Elf Mal Gold, 19 Mal Silber und 14 Mal Bronze. Damit belegten die deutschen Athleten Rang sechs in der Nationenwertung und schnitten schlechter ab als geplant.

Dennoch bleiben Bilder wie diese hängen: Der Sieg der Hockeyherren, der Doppelsieg von Vielseitigkeitsreiter Michael Jung an dessen 30. Geburtstag oder der Hürden-Jubellauf von Diskuswerfer und Olympiasieger Robert Harting. "Es war echt spannend, auf jeden Fall. Ich bin auch ehrlich gesagt von mir selbst überrascht", jubelte Harting, der innerhalb eines Jahres Welt-, Europa- und Olympiasieger wurde. Harting verlor bei der anschließenden Siegesparty seine Akkreditierung und musste daraufhin auf einer Bank vor dem Olympischen Dorf nächtigen. Der Deutsche Leichtathletik-Verband holte neben dieser Goldmedaille noch vier Mal Silber und drei Mal Bronze und übertraf damit die eigenen Erwartungen.

Triumph im Beachvolleyball

Einen Überraschungs-Olympiasieg gab es auch für das deutsche Beachvolleyball-Duo Julius Brink und Jonas Reckermann. In einem dramatischen Finale besiegten sie ausgerechnet zwei Brasilianer in deren Spezialdisziplin. "Ich kann mich an die Punkte kaum noch erinnern", gestand Reckermann später. "Ich habe gesagt: Komm, wir geben das nicht mehr aus der Hand, auch wenn sie ausgeglichen haben, wir biegen das noch einmal."

Jonas Reckermann (l.) und Julius Brink klatschen sich ab (Foto: REUTERS/Marcelo Del Pozo)

Jonas Reckermann (l.) und Julius Brink freuen sich am Ende über olympisches Beachvolleyball-Gold

Ebenfalls ganz schön knapp gewann der deutsche Ruder-Achter in einem packenden Finale auf dem Dorney Lake und holte sein erstes olympisches Gold seit 24 Jahren. Schlag-Mann Kristof Wilke gab die Interviews mit Tränen in den Augen: "Das Rennen war schon extrem hart. Die Engländer haben uns komplett gefordert, das war schon Wahnsinn. Wir haben uns auf den letzten 500 Metern so heiß gemacht, dass wir alles rausgehauen haben und dann haben wir es noch einmal rumgerissen."

Nguyen löst Hambüchen ab

Bei den Turnern stahl Marcel Nguyen mit seinen zwei Silbermedaillen den anderen deutschen Turnern um Philipp Boy und Fabian Hambüchen die Show. Er sorgte damit für das erste Mehrkampf-Edelmetall seit 76 Jahren. Hambüchen freute sich über Silber am Reck: "Es ist ein Hammergefühl und ich bin einfach überwältigt."

Dass man auch von einer Bronzemedaille überwältigt sein kann, bewies Dimitrij Ovtcharov, der den Taiwanesen Chih-Yuan im Tischtennisturnier bezwang und vor Freude überschäumte: "Ich habe so hart gearbeitet für diesen Moment. Es war mein Ziel und ich bin so überglücklich, dass ich es erreicht habe." Timo Boll ging dieses Mal im Einzel überraschend leer aus, gewann aber Bronze mit der Mannschaft.

Historische Pleite für DSV

Die wohl größte Blamage gab es für die deutschen Beckenschwimmer, die erstmals seit 80 Jahren ohne Medaille blieben. Auch die Doppel-Olympiasiegerin von Peking, Britta Steffen, enttäuschte. "Es ist schade, ich hätte mir wirklich sehr gewünscht, dass ich vielleicht noch eine Medaille holen kann für unsere Mannschaft. Und aus den Niederlagen bin ich immer gestärkt hervorgetreten." Nur Freiwasserschwimmer Thomas Lurz steuerte noch eine Silbermedaille bei.

Wie es geht, zeigte wieder einmal US-Schwimmstar Michael Phelps, der in London vier, insgesamt schon 18 olympische Medaillen holte und damit als erfolgreichster Athlet in die Geschichte der Spiele eingeht. Auch Sprintkönig Usain Bolt sorgte für Schlagzeilen, als er das Gold-Triple von Peking 2008 mit den Siegen in der Königsdisziplin 100 Meter, über 200 Meter und über 4x100 Meter mit der jamaikanischen Staffel wiederholte.

LONDON, ENGLAND - AUGUST 09: Gold medalist Usain Bolt (C) of Jamaica celebrates with silver medalist Yohan Blake (L) of Jamaica and bronze medalist Warren Weir (R) of Jamaica after the Men's 200m Final on Day 13 of the London 2012 Olympic Games at Olympic Stadium on August 9, 2012 in London, England. (Photo by Stu Forster/Getty Images)

Jamaika unschlagbar: Bolt (M.), Blake (l.) und Weir (r.) holen Gold, Silber und Bronze über 200 Meter

Skandale gab es auch

Überschattet wurden die Spiele von verschiedensten Fehlern der Kampfrichter. So kämpfte Siebenkampf-Silbergewinnerin Lilli Schwarzkopf noch bis nach der Ehrenrunde der anderen Athleten um ihre Medaille, da eine Schiedsrichterin fälschlicherweise behauptete, Schwarzkopf habe beim 800-Meter-Lauf die Bahn verlassen. Auch Betty Heidler durfte sich über ihre Bronzemedaille erst mit Verspätung freuen: Die Messung hatte bei ihrem entscheidenden Wurf versagt, es musste per Hand nachgemessen werden. Für heftige Diskussionen im deutschen Lager sorgte die Affäre um die Ruderin Nadja Drygalla, die wegen ihres Lebensgefährten, einem ehemaligen NPD-Landtagskandidaten, in die Schlagzeilen geriet und daraufhin die Spiele verließ.

Von den Spielen ausgeschlossen wurden acht Badminton-Doppelteams aus China, Südkorea und Indonesien, weil sie absichtlich verloren, um in den Gruppenspielen vermeintlich leichtere Gegner zu bekommen.

Die Latte für Rio liegt hoch

Trotz aller Dopingvermutungen bleiben die Olympischen Spiele in London als spannend, bunt und fair im Gedächtnis. "London hat die olympische Bewegung erfrischt", sagte Jacques Rogge, der Präsident des Internationen Olympischen Komitees. Queen Elizabeth ließ sich sogar dazu hinreißen, zur Eröffnungsfeier einen Spot mit "James Bond" Daniel Craig zu drehen und die königliche Familie verlieh manch einer Sportart zusätzlich royalen Glanz. In vier Jahren finden die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro statt – die Messlatte liegt ziemlich hoch.