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Deutschland

Damit Uhu & Co. nicht aussterben

In Japan wird auf der UN-Konferenz über Artenschutz beraten. Weltweit engagieren sich Ehrenamtliche für den Tierschutz. Eine Greifvogel-Schutzstation bei Köln widmet sich einheimischen Vögeln auf der "Roten Liste".

Ein drei Wochen altes Uhu-Küken schaut in die Kamera (Foto: AP)

Der große Uhu hüpft unruhig in der hintersten Ecke seiner Voliere umher. Von dem unverhofften Besuch des Pflegers ist der dunkelbraun gefiederte Vogel mit seinen charakteristischen Federohren nicht gerade begeistert. Während er auf seiner massiven hölzernen Vogelstange hin und her läuft, lässt er den Mann nicht für einen Augenblick aus seinen bernsteinfarbenen Augen.

Jürgen Kreck hält eine Eule auf seinem Arm (Foto: DW/de Nisau)

Jürgen Kreck setzt sich für Greifvögel ein

Dass seine Anwesenheit den Uhu irritiert, sei ein gutes Zeichen, erklärt Tierpfleger Jürgen Kreck. Kreck arbeitet seit sieben Jahren mit Greifvögeln und weiß, dass die Scheu vor dem Menschen in der freien Wildbahn für die Vögel überlebensnotwendig ist. Während er die Tiere gesund pflegt, muss er deshalb darauf achten, dass sie sich nicht an ihn gewöhnen. "Wir kriegen verletzte Tiere von der Feuerwehr, von der Tierhaltung Köln oder von unseren Mitmenschen. Wir päppeln sie wieder auf und wildern die dann auch wieder aus", erzählt der Tierpfleger.

Sicherer Zufluchtsort für gefiederte Verletzte

Eule sitzt auf einem Ast in einer Voliere (Foto: DW/de Nisau)

Diese Eule soll bald wieder ausgewildert werden

Mäusebussarde, Habichte, Sperber, Uhus - jährlich versorgen Kreck und ein weiterer Vollzeit-Pfleger in Gut Leidenhausen bei Köln zwischen 100 und 120 gefiederte Patienten. Etwa 60 Prozent der Vögel entlassen sie zurück in ihren natürlichen Lebensraum. Tiere mit dauerhaften Behinderungen, die alleine in der freien Wildbahn nicht mehr überleben könnten, bleiben auf der Station. Sie werden im Pflegebereich verarztet und ziehen anschließend in den Besucherbereich des Parks. Dort dürfen Interessierte sie dann an Sonn- und Feiertagen kostenlos aus aller Nähe betrachten.

Auch an diesem feuchtkalten und grauen Sonntag spazieren Besucher zwischen den öffentlich zugänglichen 15 Volieren umher. Manche sind jede Woche hier und haben schon ihre Favoriten. "Ich mag die Schneeeule am meisten, weil die so schön weiß ist. Und weil die Augen hat wie eine Brille", verrät ein Junge.

Auf Spenden angewiesen

Volker Godian (l.) und Kirsten Dick in der Station Gut Leidenhausen (Foto: DW/de Nisau)

Volker Godian und Kirsten Dick helfen ehrenamtlich

Darüber, dass den Vögel auch ein wenig "Privatsphäre" bewahrt bleibt, wachen in der Station Freiwillige. Heute halten Volker Godian und Kirsten Dick im Besucherbereich die Augen offen. Bei bis zu 600 Besuchern an einem Tag sei es zwar manchmal etwas anstrengend, aber dafür lerne man hier auch ständig Neues dazu. Zum Beispiel, wenn man die Vögel aus den Volieren an die frische Luft hole, um sie den Besuchern zu zeigen. "Dann kommt der Falkenhandschuh zum Einsatz zum Schutz gegen die scharfen Krallen, und an dem wird der Vogel befestigt, dann wird er da so hingesetzt und alle freuen sich, dass da auf einmal so ein Kauz sitzt", erinnert sich Godian.

Außer ihm und seiner Kollegin helfen noch vier weitere Freiwillige mit, die Auffangstation in Gut Leidenhausen am Leben zu erhalten. Das ist nicht immer eine einfache Aufgabe, verrät der ehrenamtlich Engagierte. Seitdem die Stadt Köln die Station nur noch teilweise finanzieren kann, seien die Tierschützer auf Spenden und Tierpatenschaften angewiesen.

Der Spendebereitschaft der Besucher und Tierschützer verdankt auch der Uhu in der Auswilderungsvoliere seine Genesung. Er hält sich an der Holzstange fest und schwingt kräftig mit den Flügeln. Er scheint zu fühlen: bald geht es wieder zurück in die Freiheit.


Autor: Adam de Nisau
Redaktion: Hartmut Lüning