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Kunst

"Dame mit Hermelin" - Polen erwirbt berühmtes Gemälde von Leonardo da Vinci

Der Wert der Sammlung wurde auf zwei Milliarden Euro geschätzt. Jetzt hat die polnische Adelsfamilie Czartoryski ihre Kunstsammlung - mit einem echten Leonardo da Vinci - verkauft. Zu einem erstaunlich niedrigen Preis.

War es ein Kauf oder doch eher eine Schenkung? Der aktuelle Verkauf der Czartoryski-Kunstsammlung an den polnischen Staat wirft diese Frage auf. Geschätzt wurde der Wert der Sammlung der polnischen Adelsfamilie auf rund zwei Milliarden Euro, doch der Kaufpreis lag bei gerade einmal 100 Millionen Euro. Das sind nur fünf Prozent des geschätzten Wertes.

Das wohl berühmteste und wertvollste Werk der Sammlung ist Leonardo da Vinicis "Dame mit Hermelin", das er zwischen 1488 und 1490 gemalt haben soll. Das Ölgemälde stellt eines von nur vier erhaltenen Frauenporträts des italienischen Malers und Universalgelehrten dar - außer der "Mona Lisa". Die "Dame mit Hermelin" ist Cecilia Gallerani, eine berühmte Mätresse des Mailänder Fürsten Ludovico Sforza.

Leonardo da Vincis Dame mit Hermelin (picture-alliance /dpa/S. Rozpedzik)

"Dame mit Hermelin" - gerade einmal 54 mal 39 Zentimeter groß

Die Czartoryskis erwarben das Bild im Jahr 1900, mussten es im Zweiten Weltkrieg aber an die Nazis abgeben, die es als Raubkunst beschlagtnahmten. 1945 bekam die Familie das kostbare Gemälde wieder zurück. 

Verkauf mit Streitpotential 

 Die Sammlung umfasst neben Werken der bildenden Kunst von Rembrandt bis Renoir weitere 86.000 Museumsobjekte und 250.000 Bücher und Handschriften, wie etwa Briefe des Komponisten Chopin. Der Vorstand der Czartoryski-Stiftung, in dessen Obhut sich die Sammlung bis zum Verkauf befunden hatte, trat wegen des Verkaufs aus Protest geschlossen zurück. Die Verhandlungen seien ohne ihr Wissen geführt worden. 

Prinz Adam Karol Czartoryski, Präsident der Stiftung, begründete den umstrittenen Verkauf: "Im Leben macht man eben Dinge, nach denen man sich fühlt. Mir war nach einer großzügigen Gabe. Das ist allein meine Entscheidung." Der polnische Kulturminister Piotr Glinski betonte bei der Übergabezeremonie im Warschauer Königsschloss, dass damit alle polnischen Bürger im Besitz der Kunstsammlung seien. Die Werke sollen künftig möglichst vollständig im Nationalmuseum in Krakau zu sehen sein. 

Polen Kulturminister Piotr Glinski und Kunstsammler Adam Karol Czartoryski (picture-alliance/AP Photo/C. Sokolowski)

Kontrovers: Prinz Adam Karol Czartoryski (links) übergibt Polens Kulturminister Piotr Glinski seine teure Kunstsammlung für einen Bruchteil ihres Wertes

Die wertvolle Kunstsammlung der Czartoryskis geht auf Prinzessin Izabela Czartoryska zurück, der Vorgängerin von Adam Karol Czartoryski. Sie begann die Sammlung ab 1801 aufzubauen, um polnische und europäische Kunst zu bewahren, als das Land zwischen Österreich, Preußen und Russland aufgeteilt war. 

In der Adelsrepublik Polen gehörten die Czartoryskis schon vor 500 Jahren zu den einflussreichsten Fürstengeschlechtern. Seit dem Amtsantritt der jetzigen rechtskonservativen polnischen Regierung 2015 ist sie bemüht, die polnische Nationalkultur wieder aufzuwerten. Mit dem Kauf der Czartoryski-Sammlung ist sie dem Vorhaben einmal mehr nachgekommen.

bb/hm (dpa/AFP)