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Asien

Dalai Lama zieht sich aus der Politik zurück

Er will seine Nachfolge regeln. Der Dalai Lama hat angekündigt, dass er seine politischen Ämter aufgeben wird. Weiterhin spannend bleibt die Frage: wer wird nächster geistlicher Führer der Tibeter?

Der Dalai Lama (Foto: AP)

Der Dalai Lama am Donnerstag (10.03.2011) im indischen Dharamsala

Er will sie abgeben. Seine Rolle als Führer der tibetischen Exilregierung. Das sagte der Dalai Lama am Donnerstag (10.03.2011) während seiner Rede zum Jahrestag des 1959 niedergeschlagenen Tibet-Aufstands gegen die chinesische Besatzung.

1959 flieht der Dalai Lama (auf dem weißen Pferd) aus Tibet nach Indien (Foto: AP)

1959 flieht der Dalai Lama (auf dem weißen Pferd) aus Tibet nach Indien

Peking reagierte prompt: Eine Sprecherin des chinesischen Außenamtes bezeichnete den Dalai Lama als einen politischen Exilanten, der die Spaltung Chinas betreibe. Seinen angekündigten Rückzug nannte sie einen Trick, um die internationale Gemeinschaft zu täuschen.

Der Tod des Dalai Lama wird ein Vakuum hinterlassen

Der 75 Jahre alte Dalai Lama ist die Integrationsfigur der Tibeter und weltweit das Aushängeschild für ihren Kampf um kulturelle und religiöse Autonomie: "Er ist zwar kein Diplomat, aber er ist der Ansprechpartner für die internationale Politik und sein Rückzug bedeutet, dass nun ein neuer Ansprechpartner aufgebaut werden soll", sagt Jens-Uwe Hartmann, Indologe von der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Viel ändern werde sich an der Haltung der Tibeter zu ihrem Oberhaupt jedoch nicht, glaubt der Tibet-Experte: "Denn sein Charisma bleibt, und die Menschen werden auch weiterhin auf ihn hören."

Schwierige Suche nach einem Nachfolger

Tibeter protestieren in Dharamsala, dem Sitz der tibetischen Exilregieurng (Foto: AP)

Tibeter protestieren in Dharamsala, dem Sitz der tibetischen Exilregieurng

Mit seinem Rückzug aus der Politik leitet der Dalai Lama nun offenbar seine Nachfolge ein. Schwieriger jedoch, als das politische Erbe anzutreten, wird die Suche nach einem neuen geistlichen Führer werden, wenn der Dalai Lama eines Tages verstirbt: "Die Tibeter im Exil werden dann einen Nachfolger, einen Lama suchen", glaubt Buddhismusexperte Hartmann. "Aber den wird Peking niemals anerkennen. Peking wird sicherlich einen eigenen Nachfolger entgegensetzen. Und klar ist, eine Gestalt mit dem historischen Erbe des Dalai Lama, der aus dem ursprünglichen Tibet kommt und dann vor den Chinesen geflohen ist, so eine Gestalt an der Spitze der Tibeter wird es nicht mehr geben."

Den letzten Panchen Lama ließ Peking verschwinden

Die Suche nach einem spirituellen Nachfolger ist bereits heute von einem Vorfall im Jahr 1995 getrübt. Damals haben die chinesischen Behörden einen Jungen festgenommen. Das Kind war zu diesem Zeitpunkt sechs Jahre alt, und der Dalai Lama hatte es kurz zuvor zu seinem Nachfolger, dem Panchen Lama erklärt. Doch Peking intervenierte. Bis heute ist der junge Mann verschwunden, über seinen Verbleib ist nichts bekannt. Wenige Monate nach der Festnahme 1995 setzten die chinesischen Machthaber schließlich einen eigenen Panchen Lama durch. Kaum jemand geht deswegen davon aus, dass der jetzige, 14. Dalai Lama ein weiteres Kind zum Panchen Lama erklären wird, vermutet Jens-Uwe Hartmann: "Denn das würde ja erneut bedeuten, das Wohl dieses Kindes zu gefährden."

Vorbereitung auf den Tod?

Ein Mönch vor dem Potala Palast im tibetischen Lhasa (Foto: AP)

Ein Mönch vor dem Potala Palast im tibetischen Lhasa

Dass sich der Dalai Lama nun einzig aus strategischen Gründen aus der Politik zurückzieht, das glaubt Hartmann nicht: "Er ist ja ein Mann, der mit 75 Jahren noch einen sehr vollen Terminkalender hat", sagt der Buddhismusexperte. Er mutmaßt deswegen, dass der Dalai Lama vielleicht einfach weniger zu tun haben möchte. "Die buddhistische Tradition sieht vor, dass sich ein Mensch mit religiösen Übungen auf seine Wiedergeburt vorbereitet. Ich könnte mir deswegen vorstellen, dass der Dalai Lama schlichtweg mehr Zeit für die Vorbereitung auf seinen Tod haben will."

Autorin: Silke Ballweg

Redaktion: Miriam Klaussner