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Asien

Dalai Lama darf Taiwan besuchen

Der taiwanesische Präsident Ma Ying-Jeou hat auf Druck der Opposition einem Besuch des Dalai Lama auf der Insel zugestimmt. Er soll den Überlebenden des Taifuns "Marokot" Trost spenden. China protestiert.

Der Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt der Tibeter (Foto:AP)

Mit dem Besuch des Dalai Lama riskiert Taiwan neuen Streit mit China

Der Besuch des Dalai Lama ist vom 31. August bis zum 3. September geplant. "Wir haben entschieden, dem Besuch zuzustimmen, damit der Dalai Lama für die Toten beten und den Überlebenden Trost spenden kann", sagte Ma am Donnerstag (27.08.2009) gegenüber Journalisten bei einem Besuch in der von dem schweren Sturm betroffenen Region Nantou.

In Taiwan leben viele Exil-Tibeter und Millionen Buddhisten. "Der Dalai Lama freut sich sehr, Taiwan zu besuchen", verkündete sein Vertreter in Taiwan, Dawa Tsering.

Es ist ein mutiger Schritt der Regierung Taiwans, dem Besuch zuzustimmen, hatten sich doch die jahrelang schwierigen Beziehungen zwischen dem Inselstaat und Peking seit dem Amtsantritt Mas vor mehr als einem Jahr deutlich verbessert. Denn der taiwanesische Präsident verfolgt seit Beginn seiner Amtszeit eine Annäherung an China und eine stärkere wirtschaftliche Integration. Deshalb hatte Ma bislang einem Besuch nicht zugestimmt.

China protestiert

Taiwans Präsident Ma Ying-Jeou (Foto:dpa)

Taiwans Präsident Ma Ying-Jeou stimmte dem Besuch des Dalai Lama zu

Die Reaktion der Regierung in Peking fiel scharf aus. Egal aus welchem Grund der Dalai Lama nach Taiwan kommen wolle - "wir sind entschieden dagegen", ließ die Regierung über die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua mitteilen. Peking betrachtet das geistliche Oberhaupt der Tibeter als Separatisten und verurteilt jeden Staatsbesuch. Im Jahr 2001 hatte ein Besuch des Dalai Lama in Taiwan für heftigen Protest Chinas gesorgt.

Ma Ying-Jeou sieht die Beziehungen zwischen China und Taiwan jedoch nicht gefährdet, erfolge die Visite doch ausschließlich aus "humanitären und religiösen Gründen", sagte ein Sprecher des taiwanesischen Präsidenten.

Einladung durch Oppositionspartei

Der Dalai Lama war von der oppositionellen Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) zu einem Besuch in der Hafenstadt Kaohsiung eingeladen worden, die ebenfalls durch den Taifun "Marokot" Anfang August stark verwüstet wurde. "Marokot" hat schätzungsweise 700 Menschen das Leben gekostet. Taiwans Regierung war unmittelbar nach der Naturkatastrophe schwer in Kritik geraten, weil sie Hilfsmaßnahmen nur zögerlich einleitete.

Taiwan wird seit 1949 von der Volksrepublik China beansprucht, als Mao Zedongs Rote Armee den chinesischen Bürgerkrieg gegen die Truppen Chiang Kai-Sheks gewann. Diese flohen nach Taiwan. Der rechtliche Status Taiwans ist bis heute ungeklärt.

Der Dalai Lama wird von Dekanin Prof. Dr. Sonja Fielitz mit der Ehrendoktorwürde der Philipps-Universität in Marburg ausgezeichnet (Foto:AP)

Der Dalai Lama wird von Dekanin Prof. Dr. Sonja Fielitz mit der Ehrendoktorwürde der Philipps-Universität in Marburg ausgezeichnet

Chinesische Universitäten brechen Kooperation ab

Wie sensibel China auf jegliche Besuche des Dalai Lama in anderen Ländern reagiert, zeigt ein brandaktuelles Beispiel aus Deutschland: Der Fachbereich "Fremdsprachliche Philologien" der Marburger Philipps-Universität hatte den Dalai Lama am 3. August für sein wissenschaftliches Wirken mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet.

Daraufhin hätten zwei chinesische Hochschulen die Kooperation mit dem Fachbereich Medizin abgebrochen, wie die "Oberhessische Presse" am Dienstag berichtete. Medizinstudenten, die in China ein Auslandspraktikum absolvieren wollten, hätten am Flughafen ihre Visa abgeben müssen und nicht fliegen dürfen. Auch hätten Studenten der chinesischen Wuhan-Universität, die in Marburg Praktikumsplätze erhalten hatten, nicht ausreisen dürfen.(ssr/rri/rtr/dpa/afp/epd)

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