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Deutschland

Daisys Winterchaos-Wochenende

Starke Schneefälle und orkanartige Böen - Tief Daisy hatte Europa am Wochenende fest im Griff. Im Norden Deutschlands waren ganze Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten.

Auf der Bundestraße B 96 der Anbindung Insel Rügen zur A 20 bei Miltzow hat heftiges Schneetreiben einen Lkw und ein Feuerwehrfahrzeug zum Stehen gebracht (Foto: AP)

Nichts ging mehr auf Rügen

Die Bewohner kleinerer Orte an der Küste und auf den Ostseeinseln konnten ihre Dörfer am Sonntag (10.01.2010) nicht mehr verlassen. Dramatisch war vor allem die Lage auf Fehmarn, Rügen und Usedom. Dort legten hohe Schneeverwehungen den Verkehr weitgehend lahm.

Schnee auch im Hafen von Rostock (Foto: AP)

Frostiges Rostock

Auf Fehmarn war nur noch die Autobahn befahrbar, die den Fährhafen nach Dänemark mit dem Festland verbindet. Am Sonntagabend war noch immer rund die Hälfte der insgesamt 42 Ortschaften von der Außenwelt abgeschnitten. Zur Abgeschiedenheit kommt in vielen Orten im Norden des Deutschlands die Angst vor Hochwasser hinzu. Aufgrund der Sturmflut drohen in vielen Ortschaften die Deiche zu brechen.

Auch die Bahn wird "Daisys" Opfer

Der Bahn-Nahverkehr kam ebenfalls im ganzen Norden am Sonntag weitgehend zum Erliegen. Dutzende Züge fielen aus. Schneeverwehungen hätten viele Weichen gestört und einzelne Strecken unpassierbar gemacht, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn in Berlin. Bahn-Vorstand Ulrich Homburg entschuldigte sich in der "Bild am Sonntag" bei den Fahrgästen: "Wir sind und bleiben ein Verkehrsmittel für jedes Wetter. Aber gerade Eisregen ist ein seltenes Ereignis, für das es keine Abhilfe gibt."

Im Süden und in der Mitte Deutschlands sorgte das Tief "Daisy" ebenfalls für zahlreiche Behinderungen - wenn auch das Chaos des Nordens hier ausblieb. Schnee und umgestürzte Bäume blockierten auch in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt die Straßen.

Am späten Sonntagabend entspannte sich die Unwetterlage in Nordostdeutschland leicht. Ein Sprecher des Katastrophenstabes in der Region Ostvorpommern teilte mit, dass dort alle Bundesstraßen wieder passierbar seien. Rettungskräfte hätten alle festgefahrenen Pkw befreit, lediglich drei evakuierte Züge steckten noch im Schnee fest. Im Berufsverkehr am Montagmorgen sei aber erneut mit Behinderungen zu rechnen.

Passagiere campieren auf Flughäfen

EIn ähnliches Bild wie in Frankfurt bot sich auch auf dem Flughafen in Düsseldorf (Foto: AP)

Schneeräumen am Flughafen Düsseldorf

Auf Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt fielen wegen starken Schneefalls bis Sonntagnachmittag rund 320 Flüge aus. Etwa 60.000 Reisende waren betroffen. Rund 100 Passagiere campierten im Flughafen auf Feldbetten, weitere Fluggäste wurden in Hotels untergebracht.

Wegen des Schnees müssen sich die Passagiere in Frankfurt auch am Montag auf Flugausfälle und Verspätungen einstellen. Die Lage habe sich zwar normalisiert, aber es sei trotzdem auf jeden Fall mit einigen Annullierungen und Verzögerungen im Flugbetrieb zu rechnen, sagte ein Flughafensprecher am Montagmorgen. Flüge von London nach Frankfurt werden demnach ausfallen. Außerdem würden Maschinen nach Madrid und Warschau nicht starten. Bei den Abflügen sei es am Morgen zu leichten Verspätungen von einigen Minuten gekommen, sagte der Sprecher.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach soll Tief "Daisy" zwar am Montag in Richtung Mittelmeer abziehen, dann folge jedoch eine neue Kältewelle. Diese werde voraussichtlich die geschlossene Schneedecke festfrieren lassen. In vielen Schulen in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen fällt darum vorsichtshalber der Unterricht aus.

Arktische Temperaturen in Schweden

Bedrohliche Schneeszenarien spielten sich am Wochenende auch in vielen Ländern der nördlichen Erdhalbkugel ab. In Europa starben bisher mehr als 100 Menschen aufgrund von Kälte, Glätte und Sturm - davon allein 26 in Großbritannien

In vielen Teilen Europas wie im Süden Polens, den Niederlanden und Südfrankfreich mussten die Menschen nach heftigen Schneefällen ohne Strom ausharren, da Hochspannungsmasten zusammenbrachen. In Schweden wurden Temperaturen von minus 38,7 Grad gemessen, wie die Meteorologen mitteilten.

Hunderte Kälte-Tote in Indien

In Indien fielen nach Medienberichten insgesamt 239 Menschen im Norden und Osten des Landes den eisigen Temperaturen zum Opfer. Die meisten Opfern seien Alte oder Bedürftige.

Schnee im Jinshan-Park in Beijing (Foto: AP)

Schaufeln in Peking

Im Nordwesten Chinas sind hunderte Menschen durch die Schneestürme der vergangenen Tage obdachlos geworden. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag berichtete, zerstörten die seit Freitag wütenden Schneestürme in der Provinz Xinjiang fast 800 Häuser. Knapp 5000 weitere wurden beschädigt. Dem Bericht zufolge kam ein Mensch ums Leben. Rund 5500 weitere mussten in Sicherheit gebracht werden.

Überflutungen gab es dagegen in Australien, wo mehrere Menschen ertranken. In Mexiko kamen wegen der andauernden Kälte bis zum Wochenende neun Menschen ums Leben, die meisten davon in den nördlichen Bundesstaaten. Auch in den benachbarten USA hält das frostige Wetter an.

Autoren: Stephan Stickelmann (dpa, afp, apd)
Redaktion: Martin Schrader

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