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Wirtschaft

DaimlerChrysler lässt Mitsubishi fallen

DaimlerChrysler zieht sich aus der Sanierung des japanischen Autoherstellers zurück. Die Börse jubelt. Für Mitsubishi jedoch könnte die Entscheidung das Ende bedeuten.

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Ladenhüter Mitsubishi

Die Sitzung des DaimlerChrysler-Vorstands am Donnerstagabend (22.4.2004) endete mit einer Überraschung: Der finanziell angeschlagenen Mitsubishi Motor Company (MMC) wird der Geldhahn zugedreht. Finanzexperten schätzen, dass der japanische Autobauer bis zu fünf Milliarden Euro an frischem Kapital benötigt. Zu viel für die Manager in Stuttgart, die wegen des Engagements bei Mitsubishi schon länger in der Kritik stehen.

An den Finanzmärkten wurde die Entscheidung begeistert aufgenommen. Aktien von DaimlerChrysler legten unmittelbar nach Öffnung der Börse in Frankfurt um acht Prozent auf 39 Euro zu. "Die Entscheidung kam spät, aber sie ist vernünftig", sagte der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jürgen Kurz. Mitsubishi habe sich für DaimlerChrysler als "Fass ohne Boden" erwiesen und die erhofften Synergieeffekte nicht gebracht. Die Entscheidung, jegliche finanzielle Unterstützung des Partners einzustellen, sei deshalb richtig. "Ansonsten hätte man auf Jahre hinaus gutes Geld Schlechtem hinterher geworfen."

Ende des Welt-Konzerns?

DaimlerChrysler war vor mehr als drei Jahren bei Mitsubishi eingestiegen, um den asiatischen Markt zu erschließen. Für einen 34-Prozent-Anteil an der japanischen Firma zahlten sie 2,1 Milliarden Euro. Heute ist DaimlerChrysler mit 37 Prozent der größte Anteilseigner bei Mitsubishi. Doch die Investition zahlte sich nicht aus. Die japanische Firma schreibt rote Zahlen. Für das Geschäftsjahr 2003/04 wird mit einem Verlust von etwa 530 Millionen Euro gerechnet. Die Schulden belaufen sich auf über fünf Milliarden Euro. Der Kauf war Teil der "Welt-Strategie" des Konzernchefs Jürgen Schrempp, doch er erweist sich - ebenso wie die spektakuläre Übernahme von Chrysler - als Verlustgeschäft. Bei der Hauptversammlung des Konzerns Anfang April 2004 wurde Schrempp dafür scharf kritisiert. Umso positiver wird der Rückzug aufgenommen: "Es ist ein erster Schritt raus aus der Welt-AG", sagte eine Fondsmanagerin.

Was passiert mit Mitsubishi?

Offen bleibt, was mit DaimlerChryslers 37-prozentigem Anteil geschehen soll. Finanzvorstand Manfred Gentz betonte, ein Verkauf der Anteile sei nicht geplant. Analysten hingegen glauben, dass die Entscheidung den langfristigen Ausstieg bei Mitsubishi bedeuten könnte. Der Verkauf der Anteile wäre momentan aber ein gigantisches Verlustgeschäft, denn der Kurs von Mitsubishi verlor nach Bekanntgabe der Entscheidung massiv an Wert. In Tokio wurde die Aktie bei einem Minus von 25 Prozent aus dem Handel genommen; in Deutschland gab es Abschläge um 30 Prozent.

Japanische Autoexperten zeigten sich besorgt. "Wenn es so weiter geht, wird Mitsubishi bald verschwinden", sagte ein Tokioter Analyst der Nachrichtenagentur AP. Auch die japanische Regierung meldete sich zu Wort. "Die Entscheidung bedroht die Existenz von Mitsubishi-Motors", sagte Transportminister Nobuteru Ishihara. Ohne frisches Geld wird die Sanierung von Mitsubishi nicht gelingen. Nun hängt alles davon ab, ob andere Anteilseigner den Autobauer weiter unterstützen werden. Sollte dies nicht gelingen, würde ein japanischer Traditionshersteller, dessen Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen, Pleite gehen. Nicht abzusehen ist, was das für die 45.000 Beschäftigten der Mitsubishi Motor Company bedeuten würde. (mw)

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