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Wirtschaft

Daimler-Mitarbeiter kämpfen um C-Klasse

Die Mitarbeiter des Mercedes-Werks in Sindelfingen fürchten um ihre Arbeitsplätze: An diesem Dienstag will der Konzern entscheiden, ob die neue C-Klasse in den USA und nicht in Sindelfingen gebaut wird.

Ein Mitarbeiter von Mercedes-Benz kontrolliert ein Modell der C-Klasse am Ende der Fertigung im Werk in Sindelfingen (Foto: AP)

Stark gefährdet: Die Produktion der C-Klasse in Sindelfingen

Etwa 10.000 Beschäftigte des Mercedes-Werks in Sindelfingen appellierten an den Daimler-Vorstand, die Produktion der neuen Generation der C-Klasse nicht in die USA zu verlagern. Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm sagte bei einer Betriebsversammlung, die Produktion des Modells sei für die Beschäftigung im größten inländischen Pkw-Werk von zentraler Bedeutung. Der Vorstand des Autobauers könnte bereits an diesem Dienstag (01.12.2009) darüber entscheiden, wo von 2014 an die neue Generation der meistverkauften Daimler-Baureihe vom Band rollen wird. Am Dienstag ist eine Protestaktion vor den Toren des Werkes geplant. Dort wollen mehrere tausend Beschäftigte den Vorstand aufrufen, die Produktion nicht zu verlagern. In Sindelfingen arbeiten mehr als 20 000 Menschen in der Fertigung, 4500 bauen die C-Klasse.

3000 Arbeitsplätze gefährdet?

Produktion in Sindelfingen (Foto: AP)

Produktion in Sindelfingen: 3000 Arbeitzsplätze gefährdet?

Seit Monaten prüft der Vorstand eine Verlagerung des Modells in das Werk nach Tuscaloosa im Bundesstaat Alabama, wo bisher nur die SUV-Geländewagen und die R-Klasse gefertigt werden. Bislang wird die C-Klasse in Sindelfingen (Kreis Böblingen) sowie in Bremen, Südafrika und China produziert. Gesamtbetriebsratschef Klemm hatte zuletzt gewarnt, dass eine Verlagerung allein im größten deutschen Pkw-Werk des Konzerns in Sindelfingen rund 3000 Arbeitsplätze gefährde. Die Arbeitnehmer hatten bereits 1996 und 2004 massive Zugeständnisse gemacht, um die Produktion in dem Werk halten zu können.

Geht es nach dem Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer, dann sieht es düster für die Belegschaft in Sindelfingen aus. Am Wochenende hatte er die Verlagerung der Produktion in die USA als unausweichlich bezeichnet. Hauptgrund für einen Wechsel sei der niedrige Dollarkurs und die Tatsache, dass die C-Klasse für gut 30 Prozent oder knapp 70.000 Daimler-Verkäufe in USA stehe, sagte der Professor der Universität Duisburg-Essen der Deutschen Presse- Agentur. "Der US-Dollar wird auch in den nächsten Jahren auf seinem niedrigen Niveau verharren", prophezeite er mit Blick auf die schwache US-Konjunktur. Die Gefahr, dass weitere Dollar-Abwertungen erfolgen, sei größer als die Chance, dass der US-Dollar-Kurs wieder unter 1,50 Dollar für einen Euro falle.

"Verlagerung unausweichlich"

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer (Foto: DW)

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer: "Verlagerung unausweichlich"

"Auch wenn es schwerwiegende Folgen für die Beschäftigung hat, bin ich der Meinung, dass kein Unternehmen seine Produktion gegen ökonomische Zwänge gestalten kann", sagte Dudenhöffer. Daimler sei mit einem Produktionsanteil von 75 Prozent zu sehr auf das Inland konzentriert. "Es müssten aber 50 Prozent im Inland und 50 Prozent im Ausland sein." Nur so könne sich das Unternehmen dauerhaft gegen die großen Wechselkursschwankungen absichern.

Bei einer Produktion in USA könnte der Kostennachteil nach Dudenhöffers Auffassung gut halbiert werden. Der schwache US- Dollarkurs erlaube daher, die Produktionskosten in USA deutlich zu senken. Allein eine Arbeitsstunde, die in USA derzeit mit 45 US- Dollar bezahlt wird, schlägt umgerechnet mit gerade mal 30 Euro zu Buche. Eine Arbeitsstunde in Deutschland koste etwa 45 bis 50 Euro. Die US-Produktion würde die Mercedes-Kosten derzeit um mehr als 400 Millionen Euro pro Jahr senken. Vor allem Finanzvorstand Bodo Uebber gilt als Anhänger einer Verlagerung. Im größten inländischen Pkw-Werk in Sindelfingen können nach Angaben des Betriebsrats täglich bis zu 1.800 Fahrzeuge produziert werden. Die C-Klasse mache ein Drittel davon aus.

Seit dem Start der aktuellen C-Klasse im Jahr 2007 wurden von dem Volumenmodell etwa 800.000 Autos produziert, wie eine Unternehmenssprecherin mitteilte. Daimler baut eigenen Angaben zufolge über 80 Prozent aller Autos in Westeuropa. Aber weniger als 60 Prozent davon werden in Westeuropa verkauft.

Autor: Rolf Wenkel (dpa, ap)
Redaktion: Henrik Böhme