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Wirtschaft

Daimler baut Engagement in Russland aus

Der deutsche Autokonzern Daimler und der russische Autobauer GAZ verbünden sich beim Bau von Transportern. Beide wollen gemeinsam leichte Nutzfahrzeuge in Russland herstellen. Angepeilt sind pro Jahr 25.000 Sprinter.

Mercedes-Benz-Stern (Foto: AP)

Daimler will Produktion in Russland verstärken

Im Beisein des russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin wurde am Donnerstag (23.12.2010) in der GAZ-Zentrale Nischni Nowgorod, etwa 400 Kilometer östlich von Moskau, eine Absichtserklärung unterzeichnet. Sie sieht vor, dass Daimler mehr als 100 Millionen Euro in die Werksmodernisierung steckt. Künftig sollen bei GAZ in Russland jährlich rund 25.000 Mercedes-Benz Sprinter vom Band rollen. Zudem sollen in dem Werk Motoren, Getriebe, Achsen und weitere Teile gefertigt werden.

"Russland war für Mercedes-Benz Vans immer noch ein unerschlossener Markt", sagte Daimler-Manager Volker Mornhinweg, der die Transporter-Sparte der Stuttgarter leitet. In diesem Jahr sei zwischen Moskau und Wladiwostok mit dem Verkauf von rund 2000 Importfahrzeugen zu rechnen.

Großes Absatzpotenzial

Zwei Sprinter-Fahrzeuge

Das Modell Sprinter, hier als Wohnmobil

Russland birgt nach Ansicht von Daimler großes Potenzial für leichte Nutzfahrzeuge. Der dortige Absatzmarkt werde sich bis 2020 auf bis zu 275.000 Transporter mehr als verdoppeln, sagte Mornhinweg.

Die meisten Transporter verkauft Daimler unter den Marken Mercedes-Benz und Freightliner in Westeuropa, Lateinamerika und Nordamerika. Bis Ende September summierte sich der weltweite Absatz an Handwerker und Spediteure auf 180.000 Transporter, bis Jahresende sollen es mindestens 214.000 ausgelieferte Fahrzeuge sein.

Daimler spart Importzölle

Russland sei ein "attraktiver" Investitionsstandort mit großen Wachstumschancen, begründete Daimler-Chef Dieter Zetsche den Schulterschluss mit GAZ. Mit der Produktion in Russland schafft Daimler das Problem der hohen Importzölle aus dem Weg und dürfte künftig sogar noch Steuervergünstigungen kassieren. Außer mit GAZ hatte Daimler in den vergangenen Monaten auch mit seinem russischen Partner Kamaz verhandelt, mit dem sich die Stuttgarter bei schweren Lkw zusammengetan haben.

Daimler-Chef Zetsche

Daimler-Chef Zetsche lobt den Standort Russland

Die Mercedes-Benz-Transporter sollen ab dem kommenden Jahr bei GAZ vom Band rollen. Dazu werden die Fahrzeuge in Einzelteilen zu GAZ nach Nischni Nowgorod transportiert und dort zusammengebaut. Verkauf und Service erfolgt über das GAZ-Vertriebs- und Werkstatt-Netz.

Auf der Suche nach Partnern

GAZ hat seine nicht ausgelasteten Fertigungskapazitäten zuletzt mehreren westlichen Autobauern angeboten. Der von Siegfried Wolf, dem einstigen Chef des österreichisch-kanadischen Autozulieferers Magna, geleitete Gaz-Konzern verhandelt nach eigenen Angaben auch mit Volkswagen über die Produktion von Personenwagen in Nischni Nowgorod.

Das vom russischen Oligarchen Oleg Deripaska kontrollierte Unternehmen ist der einzige große russische Autobauer ohne westlichen Partner. GAZ sieht sich als Marktführer bei Nutzfahrzeugen mit einer Nutzlast von 2,8 bis 8,2 Tonnen.

Reinhard Kleber (rtr, dpa, afp)
Redaktion: Ulrike Quast