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Wirtschaft

Daimler bald ohne Chrysler?

Das Ereignis wirft seinen Namen voraus: Ein "Valentinstags-Massaker" befürchten Beobachter bei der Bilanz-Präsentation von DaimlerChrysler. Dort könnte sogar der Verkauf der US-Sparte Chrysler verkündet werden.

Mercedes-Stern unter grauen Wolken

Dunkle Wolken über DaimlerChrysler

Die Führung von DaimlerChrysler schließe "keine Option" aus, "um die beste Lösung für die Chrysler Group und DaimlerChrysler zu finden", hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Adhoc-Mitteilung. Um das Restrukturierungsprogramm zu unterstützen und zu beschleunigen, beabsichtigt der Vorstand nach eigenen Angaben, "weitere strategische Optionen mit Partnern zu prüfen".
Einzelheiten zur Sanierung von Chrysler und die Bilanz für das vergangene Jahr werde der Vorstand bei der für den heutigen Mittwoch anberaumten Jahrespressekonferenz verkünden. Die findet erstmals in der Chrysler-Zentrale in Auburn Hills bei Detroit statt und beginnt um 9.30 Ortszeit (15.30 MEZ).

Abspaltung neun Jahre nach Fusion

Chrysler in Nöten

Reihenweise unverkauft: Chryslers spritfressende Jeeps gehen an der Nachfrage vorbei

Der Konzern reagierte mit seiner Mitteilung wohl auf die Spekulationen der vergangenen Tage. So hatten verschiedene Medien unter Berufung auf Unternehmenskreise bereits berichtet, Vorstandschef Dieter Zetsche bereite knapp neun Jahre nach der Fusion die Abspaltung von Chrysler vor. Laut dem "Handelsblatt" hat er bereits eine US-Investmentbank beauftragt, entsprechende Möglichkeiten zu prüfen. Aber auch andere Möglichkeiten würden geprüft, berichtet die Zeitung. Außer dem kompletten oder teilweisen Verkauf sei auch ein Zusammenschluss von Chrysler mit einem Konkurrenten denkbar. Zuletzt hatte sich der Chef von Renault und Nissan, Carlos Ghosn, interessiert an einer weit reichenden Kooperation mit einem US-Autokonzern gezeigt. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete bereits, dass Chrysler zunächst in eine eigenständige Gesellschaft ausgelagert werden solle. Ob Zetsche diesen Schritt bereits heute ankündigen soll, entscheide der Aufsichtsrat jedoch erst unmittelbar vor der Pressekonferenz, so die FAZ. Am Mittwoch wird Zetsche zudem den Sanierungsplan für Chrysler vorstellen. Der Konzern gab bereits vorab bekannt, dass bis zum Jahr 2009 13.000 Stellen bei Chrysler gestrichen werden sollen. Außerdem solle das Werk in Newark geschlossen werden.

Sorgenkind mit Verlusten

Der Hintergrund dieser Überlegungen: Während der Stern der Kernmarke Mercedes-
Benz wieder glänzt und der Nutzfahrzeugsektor brummt, gilt Chrysler als Sorgenkind des Konzerns. Der drittgrößte amerikanische Autobauer produziert nach Meinung von Experten zunehmend an der Nachfrage vorbei. Denn auch die Amerikaner lassen die früher so beliebten großen Autos wie Jeeps und Transporter öfters stehen und entscheiden sich für kleinere, sparsame Wagen.

Wie der Konzern am Mittwoch mitteilte, hat DaimlerChrysler seinen operativen Gewinn 2006 von 5,2 Milliarden Euro auf 5,5 Milliarden Euro gesteigert. Dabei steigerten sich vor allem Mercedes-Benz und die Lastwagensparte. Im Jahr 2006 verkaufte DaimlerChrysler nach eigenen Angaben insgesamt 4,7 Millionen Autos. Der Konzernumsatz stieg auf 151,6 Milliarden Euro. Die US-Tochter Chrysler hat im Berichtsjahr einen Verlust von 1,1 Milliarden Euro verbucht - nach plus 1,5 Milliarden im Vorjahr.

Die DaimlerChrysler-Aktie profitierte indessen von den Spekulationen um eine anstehende Sanierung. Das Papier stieg am Mittwoch um bis zu 5,1 Prozent auf 51,75 Euro und erreichte damit den höchsten Stand seit Juni 2002. (cmw)