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Deutschlehrer-Info

DaFWEBKON: Willkommen im multimedialen Unterricht

Computer und Tablet sind aus dem Unterricht kaum noch wegzudenken. Doch auch die beste Technik stößt ohne gute Lehrer an ihre Grenzen, so das Fazit der DaFWEBKON 2016, der Webkonferenz für Deutsch als Fremdsprache.

Bevor es im Netz richtig losgeht, begrüßt DaFWEBKON-Organisatorin und Moderatorin Angelika Güttl-Strahlhofer die Teilnehmer mit einem virtuellen Sekt, das hat schon Tradition. „Ich lächle die ganze Zeit, es ist so einladend!“, tippt Chrysanthi Moschou aus Griechenland in den Chat, und Rüdiger aus Düsseldorf schreibt: „Nach dem Etikett zu urteilen ist das Veuve Clicquot, sehr stilvoll.“

Nach und nach gesellen sich Lehrkräfte aus aller Welt hinzu. Rund 1000 Besucher sind bei dieser 5. Konferenz im Netz dabei. Der Vorteil: Niemand muss um die halbe Welt reisen, um teilnehmen zu können. Und wer sich für einen Vortrag interessiert, muss wegen der Zeitverschiebung auch nicht mitten in der Nacht aufstehen, denn alle Beiträge werden aufgezeichnet und sind jederzeit abrufbar.

Die Technik im Griff?

DaFWEBKON 2016 Logo

"Deutsch multimedial gestalten" lautet das Motto der DaFWEBKON 2016

„Deutsch multimedial gestalten“ lautet das Motto der 5. DaFWEBKON, der Webkonferenz für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. „Es geht uns dabei nicht um den ganzen Technik-Hype, dass hier und da immer noch ein Lämpchen mehr blinkt“, betont Güttl-Strahlhofer. „Man weiß, man kann mit Technik viele Dinge machen, aber jetzt ist die Aufgabe, sie auch sinnvoll einzusetzen.“ Auch Referent Thomas Strasser aus Wien warnt davor, Medien als didaktisches Allheilmittel anzusehen: „Man darf nicht glauben: Alles wird gut mit Technologie. Wenn man Baumwolle und ein Schnittmuster in eine Schüssel wirft, kommen tolle T-Shirts raus – aber nur, wenn man die Technik im Griff hat.“

Was kann Multimedia?

Die meisten Teilnehmer im Chat haben natürlich schon mit digitalen Medien experimentiert, aber es taucht durchaus auch die Frage auf: „Entschuldigt, aber was ist eine App?“ Sprachvermittler sind nicht unbedingt die Überflieger in Sachen Neue Medien, meint Professor Hermann Funk von der Friedrich-Schiller-Universität Jena bei seinem Vortrag: „Was kann Multimedia?“ Und er gibt auch gleich die Antwort: Alles oder nichts, kommt ganz darauf an. Aber worauf eigentlich? Schlechte Übungen werden auch digital nicht besser, kritisiert er. So würden vor allem Apps Deutschlernern meist nur noch fünf Übungsarten anbieten, viel weniger also, als im vordigitalen Zeitalter üblich waren. Um das zu vermeiden, ist die Kompetenz der Lehrer gefragt: „Das Herz des Lernens sind die Lehrkräfte und nicht die Rechner“, zitiert Funk die Hechinger Report-Studie und fordert einen wohlüberlegten Einsatz der technischen Geräte.

Screenshot adobeconnect.com/DaFWEBKON

Im Netz verbunden: die Teilnehmer der Webkonferenz

An die Einschätzung des Wissenschaftlers schließt sich nahtlos die Podiumsdiskussion der Deutschen Welle an: „Auf dem Tablet serviert? – Chancen und Risiken von Multimedia im DaF-Unterricht". Die Uhr lässt sich nicht mehr zurückdrehen ins Gutenberg-Zeitalter, als Lehrbücher das Nonplusultra waren, so die vorherrschende Meinung. „Neue Medien eröffnen neue Horizonte“, meint Axel Krommer von der Universität Erlangen. „Es geht nicht darum, seinen Schülern die gleichen Übungen wie vor 20 Jahren zu präsentieren – nur eben nicht mehr als Kopie, sondern in eingescannter Papierform. Das Zeitalter der Digitalisierung fordert völlig neue Aufgabenformate.“

Digital eingeboren oder cyberkrank?

Das Stichwort „digital native“ kommt auf. Die Lehrer seien beim Gebrauch der Technik oft nicht so weit wie die Schüler, schreibt jemand, und ein anderer fragt: „Ist unsere Jugend von den Medien abhängig? Verschlimmern wir durch das ständige Verwenden der digitalen Medien die Situation nicht?“ Nein, so die Antwort, es kommt auf die richtige Nutzung an.

Screenshot Harry- gafengen in der Zeit

In dieser Harry-Folge geht der Protagonist an Bord eines Kutters

Wie zeitgemäßer Unterricht aussehen kann, zeigt der multimediale Deutschkurs „Harry - gefangen in der Zeit“ der DW. „Ich bin gespannt, wie meine Schüler darauf reagieren werden!“, kommentiert Natalja aus Russland. „Das Bandtagebuch mit EINSHOCH6“ ist ein weiteres multimediales Projekt der Deutschen Welle. „Musik motiviert, gesungene Texte behält man besser, und unsere überwiegend jungen Lerner können sich gut mit der Band identifizieren", so Shirin Kasraeian von der Deutschen Welle. „Wow! Was es alles gibt!“, tippt Frau Messerschmidt in den Chat. Extra für die DaFWEBKON präsentiert die Band schon mal vorab ein Lied von ihrer neuen CD: „Du bist die Königin der Deutschlehrerinnen“. „Fantastisch!“ „Toll!“ Die Kommentare überschlagen sich. „Das Lied wird bald ein Ohrwurm!I Kann man die Band auch buchen?“ Ja, man kann; gemeinsam mit den Schülern erarbeiten die Jungs von EINSHOCH6 dann Liedtexte und gemeinsame Auftritte.

Angetan sind Schüler und Lehrer auch vom „Deutschlandlabor“, einem Gemeinschaftsprojekt des Goethe-Instituts und der DW: Wie leben die Deutschen und wie sind sie wirklich? Es werden Klischees unter der Lupe genommen und hinterfragt, etwa: Trinken die Deutschen jeden Tag Bier? Oder: Ist es in Deutschland immer kalt? Im Chat kennen schon einige das Format: „Deutschlandlabor ist einfach toll! Habe einige Episoden im Unterricht eingesetzt – alles kam bei den Schülern sehr gut an“, kommentiert Ildiko Kenyeres aus Ungarn. „Landeskunde pur!“

Zwischen den Kulturen

Selim Özdogan liest aus seinem Buch

Selim Özdogan liest aus seinem Buch

Landeskunde gab es auch bei der Lesung von Selim Özdogan: „Wieso Heimat? ich wohne zur Miete“ heißt der neue Roman des türkischstämmigen Kölners. „Krishna Mustafa wird von Laura verlassen, weil er seine Identität noch nicht gefunden hat. Aber wer hat das schon?“ steht auf dem Klappentext. Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der mit seinen nur scheinbar einfältigen Fragen der Wahrheit auf den Grund geht, Vorurteile entlarvt und Klischees zwischen den Kulturen bloßlegt. „Lieber Selim, ich bewundere Ihren humorvollen Umgang mit Alltagsdiskriminierungen“, kommentiert Ute Heisterkamp, dazu gibt es virtuelle Lacher aus Indien und Applaus- und Zugaberufe von Kanada bis Rumänien.

Bei der DaFWEBKON 2016 haben alle viel dazugelernt. „Super Konferenz! Habe zum ersten Mal teilgenommen und bin begeistert: 2017 bin ich auf jeden Fall wieder dabei :-)“, bedankt sich jemand. Und am Ende gibt es noch eine revolutionäre Idee fürs nächste Jahr: warum nicht auch eine Webkonferenz für die Lerner ins Leben rufen?

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