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Wirtschaft

Düstere Prognosen für Japan

Die Bank von Japan verzichtet auf weitere Geldspritzen und Zinsschritte, und die Börse in Tokio sackt ab. Der Nikkei-Index verlor am Donnerstag zum Handelsende 3,61 Prozent.

Der Schlussstand des japanischen Leitindex spiegelte die enttäuschten Reaktionen der Börsianer auf die Sitzung der Notenbank wider: Der Nikkei endete bei 16 666 Zähler. Die Währungshüter in Tokio hatten auf ihrer Sitzung den Leitzins nicht angetastet, und sie entschieden sich auch gegen zusätzliche Wertpapierkäufe zur Ankurbelung der Konjunktur. Darauf und auf eine Senkung des Kreditzinses auf unter null Prozent hatten Händler in den vergangenen Tagen spekuliert.

In der Folge stieg der Kurs des Yen kräftig an. Ein Dollar verbilligte sich zur japanischen Währung um bis zu 2,4 Prozent auf 108,81 Yen. Das ist die größte Kursdifferenz seit etwa drei Monaten. "Es war unvermeidlich, dass der Yen die Kursverluste, die er wegen der Spekulationen um eine geldpolitische Lockerung gemacht hatte, wieder aufholt", sagte Koji Fukaya, Chef des Vermögensverwalters FPG. "Der Markt ist zwar enttäuscht, das bedeutet aber nicht, dass der Yen weiter steigen wird."

Preise sinken wieder

Genährt wird die Enttäuschung offenbar auch durch die Angst vor einer Rückkehr der Deflation. Ebenfalls am Donnerstag teilte die japanische Regierung nämlich mit, die Preise im Land seien im März um 0,3 Prozent gesunken. Der Preisrückgang war der stärkste seit drei Jahren. Seit langem versucht die Regierung erfolglos, die Inflation spürbar anzuheizen. Die Notenbank zielt auf Preissteigerungen von zwei Prozent. Bislang wollte sie diese Marke bis September 2017 erreichen.

Japan Bank of Japan BOJ in Tokyo

Die Bank von Japan in Tokio

"Die Märkte denken inzwischen, dass die Wirkungen jeder weiteren Maßnahme der Bank von Japan begrenzt sein wird", sagte Minori Uchida, Chef-Analyst bei der Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ. "Tatsache ist, es wird ausgesprochen schwierig werden, das Inflationsziel zu erreichen“, meinte Hideo Kumano, Chef-Volkswirt beim Dai-ichi Life Research Institute.

Weniger Wachstum

Die Zentralbank hatte am Donnerstag die Schwäche der internationalen Märkte aber auch die Folgen des schweren Erdbebens im Süden Japans in diesem Monat für eine Senkung ihrer Wachstumsprognose verantwortlich gemacht. Die japanische Wirtschaft sank im letzten Quartal 2015 um 0,3 Prozent, und nun gibt es Befürchtungen, auch das Wachstum in den ersten drei Monaten des Jahres sei schwach ausgefallen. Neue Zahlen zeigen auch, dass der Konsum in Japan schwach bleibt.

Japan Einkaufstraße Archiv 2010

Japaner konsumieren weniger

Auch der Internationale Währungsfonds IWF korrigierte in diesem Monat seine Wachstumsprognose für Japan nach unten. Die Wirtschaftsleistung werden im laufen Jahr wohl schrumpfen, so der IWF. Auch könnte die Deflation Japan wieder zurückkehren. Das Problem stetig fallender Preise, die Wachstum und Konsumentenvertrauen schwächen, hatte Japan jahrelang belastet.

ar/zdh (dpa, rtr, afp)

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