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Axt-Angriff am Düsseldorfer Hauptbahnhof

Düsseldorfer Axt-Attacke: Amoklauf, kein Terroranschlag

Nach dem Axtangriff am Düsseldorfer Hauptbahnhof war die Lage zunächst unübersichtlich. Schnell konnten die Ermittler jedoch einen Terroranschlag ausschließen. Der mutmaßliche Täter ist wohl psychisch krank.

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Amoklauf in Düsseldorf: Der Täter ist offensichtlich krank

Die nordrhein-westfälische Polizei trifft es am Donnerstagabend mit voller Wucht. Nach drei Tagen nehmen die Beamten endlich den mutmaßlichen Kindsmörder aus Herne fest. Nahezu zeitgleich gegen 20.50 Uhr wird plötzlich Großalarm am Düsseldorfer Hauptbahnhof ausgerufen. Dort greift ein Mann, zunächst in einer S-Bahn, dann im Bahnhof mit einer Axt Passanten an. Neun Menschen werden verletzt, vier von ihnen schwer. Mittlerweile schwebt keiner mehr in Lebensgefahr. Die Opfer sind zwischen 13 und 50 Jahre alt, sieben stammen aus NRW, zwei aus Italien.

Unübersichtliche Lage

Rückblick: Als am Düsseldorfer Hauptbahnhof Großalarm ausgelöst wird, ist die Lage zunächst unübersichtlich. Ist es ein Terroranschlag? Ein Amoklauf? Handelt es sich um einen oder mehrere Täter? Der Fall erinnert zunächst an den Anschlag in einer Regionalbahn bei Würzburg im Juli. Damals war ein 17-jähriger Asylbewerber mit Axt und Messer auf Fahrgäste losgegangen und hatte fünf Menschen schwer verletzt. Der Täter, der auf der Flucht von der Polizei erschossen wurde, hatte sich zuvor in einem Video als Kämpfer des "Islamischen Staats" bezeichnet.

Der Hauptbahnhof Düsseldorf, der zweitgrößte Bahnhof Deutschlands, wird umgehend evakuiert. Der Zugverkehr wird vollständig eingestellt und erst gegen 00.45 Uhr wieder aufgenommen. Zunächst ist von mehreren Angreifern und zwei Festnahmen die Rede. Die Düsseldorfer Landespolizei stellt dann jedoch klar, dass ein Einzeltäter verantwortlich ist. Sicherheitshalber sucht sie den über Stunden komplett gesperrten Bahnhof und die Umgebung zwar noch weiter ab, bezeichnet dies jedoch zugleich als Vorsichtsmaßnahme. Im Einsatz ist auch hier ein Großaufgebot mit Spezialkräften und Hubschraubern - insgesamt knapp 600 Beamte. 

Mutmaßlicher Täter verletzt sich auf der Flucht

Beim Aussteigen aus der S-Bahn habe der Mann Fahrgäste von hinten angegriffen und sei dann auf den Bahnsteig gestürmt, teilte das Landeskriminalamt (LKA) Nordrhein-Westfalen auf einer Pressekonferenz mit. Weil der geistesgegenwärtige Zugführer die Türen blockierte, sei dem Angreifer der Zugang zum Zug versperrt gewesen. Dieser habe mit Tritten und Faustschlägen vergeblich versucht, wieder in die Bahn zu gelangen. Als ihm das nicht gelang, sei er zunächst ziellos durch den Bahnhof gelaufen. Schließlich sei er über die Gleise geflüchtet und dann von einer Brücke gesprungen. Dabei habe er sich schwer verletzt. Eine Vernehmung sei noch nicht möglich gewesen, in ersten Aussagen bei der Festnahme habe der Mann gesagt, er habe es in Kauf genommen, von der Polizei erschossen zu werden.

Nach seiner Festnahme sei er in eine Klinik gebracht worden. Der 36-Jährige stammt nach Polizeiangaben aus dem Kosovo und wohnt in Wuppertal. 2009 kam er nach Deutschland und hat derzeit eine Aufenthaltsgenehmigung aus humanitären Gründen. Über ein Motiv ist bislang nichts bekannt. Alles deute auf eine psychische Erkrankung des Mannes hin, sagten die Ermittler. In seiner Wohnung in Wuppertal sei ein Attest über eine "paranoide Schizophrenie" gefunden worden, so die Ermittler. Es gebe keine Hinweise auf auf religiöse oder terroristische Motive, so die Ermittler. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft teilte mit, der Mann werde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Diese Maßnahme sei statt einer Untersuchungshaft beantragt und bewilligt worden.

Polizeibekannt aber nicht straffällig

Laut den Ermittlern hatte sich der Mann 2015 bei einer Polizeidienststelle in Wuppertal gemeldet, weil er sich verfolgt gefühlt habe. Er sei jedoch nicht straffällig gewesen, hieß es.

Der Bruder des mutmaßlichen Angreifers wusste nach Angaben der Polizei von der Krankheit des Mannes und vom Kauf der Axt. Er habe seinen Bruder als vermisst gemeldet, weil dieser am Abend nicht zu Hause gewesen sei. Ihm sei auch bekannt gewesen, dass der Bruder sich verfolgt gefühlt und eine Axt besessen habe. Zwischen dem Kauf der Axt und der Tat verging eine Woche Zeit.

Ein Augenzeuge berichtet der "Rheinischen Post", der Angreifer sei mit einer S-Bahn am Bahnhof angekommen und habe auf dem Bahnsteig Fahrgäste angegriffen. Vom Aussehen her habe der Mann zudem "an einen Drogensüchtigen erinnert".

Mittlerweile läuft der Bahnverkehr in Düsseldorf wieder im Takt. Alle Gleise des Bahnhofs seien wieder für den Zugverkehr freigegeben, auch die Gleise 13 und 14, wo der mutmaßliche Täter seinen Angriff verübt hatte, sagte eine Sprecherin der deutschen Bahn. Noch in der Nacht seien die meisten Züge wieder an ihre richtigen Punkte zurückgekehrt.

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