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Wirtschaft

Dünne Luft für Frauen an der Spitze

Führungspositionen in deutschen Großunternehmen sind weiter fest in Männerhand. Das beweist eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Teilweise ist der Frauenanteil sogar gesunken.

Sie sind immer noch eine Ausnahme: Frauen in Spitzenpositionen. Das geht aus dem neuen Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor, das in Berlin vorgestellt wurde.

Danach lag der Frauenanteil in den Vorständen der 200 umsatzstärksten deutschen Unternehmen 2014 bei fünf Prozent, das ist nur ein Prozentpunkt mehr als 2013. Bei den 100 größten Unternehmen ist er im Vergleich zum Vorjahr sogar gesunken, von fünf auf vier Prozent.

"Männliche Monokulturen"

"Vorstände bleiben männliche Monokulturen", sagt DIW-Forschungsdirektorin Elke Holst - trotz der Selbstverpflichtung, die die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft im Jahr 2001 eingingen. "Das ist keine positive Bilanz", so Holst.

Etwas besser vertreten sind Frauen in den Aufsichtsräten, also in Kontrollgremien der Firmen. Sowohl bei den Top-200- wie auch bei den Top-100-Unternehmen stieg der Frauenanteil im Vergleich zum Vorjahr um drei Punkte auf jeweils 18 Prozent. Die weiblichen Spitzenkräfte werden bisher mehrheitlich von der Arbeitnehmerseite entsandt. Die Kapitalseite hole allerdings auf, heißt es in dem Managerinnen-Barometer.

Schwaches Plus

Bei den 30 im Deutschen Aktienindex (DAX) vertretenen Unternehmen war 2014 jedes vierte Aufsichtsratsmitglied eine Frau. Im Vergleich aller Unternehmensgruppen weisen die DAX-30-Unternehmen auch den höchsten Frauenanteil in Vorständen auf: gut sieben Prozent, was einem Plus von einem Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Besonders deutlich wird das Missverhältnis der Geschlechter im Finanzsektor. Obwohl Frauen dort die Mehrheit der Beschäftigten stellen, ist ihr Anteil in den Spitzenpositionen bisher gering; etwas höher liegt er in den Unternehmen mit Bundesbeteiligung. Von einer Vorbildrolle seien auch diese allerdings "weit entfernt", erklärte Studienleiterin Holst.

"Frauenquote reicht nicht "

Die gesetzliche Frauenquote allein werde nicht ausreichen, um langfristig ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern in den Chefetagen herzustellen, so Elke Holst und ihre Kollegin Anja Kirsch von der Freien Universität Berlin, die gemeinsam den Frauenanteil in über 500 Unternehmen, Banken und Versicherungen untersucht haben.

Die Koalition in Berlin hat eine Frauenquote beschlossen, die von Januar 2016 an wirksam werden soll. Sie sieht einen Mindestanteil von 30 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten von 108 großen Unternehmen mit Börsennotierung und voller Mitbestimmung vor. Wird die Quote nicht erreicht, bleiben die entsprechenden Stühle im Aufsichtsrat leer. Die Regelung gilt für Neubesetzungen. Rund 3.500 weitere Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten sollen sich selbst Ziele setzen, um den Frauenanteil zu erhöhen.

jj/se (dpa, epd, diw)