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Aktuell Deutschland

Dönerbuden als "Feindbild"

Der Angeklagte Carsten S. beschreibt seinen Weg in die rechte Szene. Dabei erweckt er den Eindruck, sich über die Motive für seine Ausländerfeindlichkeit keine großen Gedanken gemacht zu haben.

Carsten S. ist 33 Jahre als, hat Sozialpädagogik studiert, arbeitete in der AIDS-Hilfe – und ist im Prozess gegen den "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. Er ist der erste Angeklagte, der sich vor dem Oberlandesgericht (OLG) München zu den Vorwürfen äußert, die ihm im Zusammenhang mit der Mordserie an neun Männern mit ausländischen Wurzeln gemacht werden. Schon vor Prozessbeginn hat sich S. gegenüber den Strafermittlern offenbart. Die Pistole vom Typ "Ceska", die er im um die Jahrtausendwende dem mutmaßlichen Terror-Trio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe besorgte, ist höchstwahrscheinlich die Tatwaffe.

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NSU-Prozess: Carsten S. sagt weiter aus

Kurz danach hat sich S. seinen Angaben zufolge von der rechten Szene im Raum Jena verabschiedet. Auslöser sei wohl seine Homosexualität gewesen, mutmaßt er. Schwulsein und rechte Gesinnung passten nicht zusammen. Trotzdem hat S. die Zeit bei der rechtsextremen NPD-Nachwuchsorganisation "Junge Nationaldemokraten" (JN) in guter Erinnerung. "Das Gemeinschaftsgefühl fand ich ganz toll", sagte der Angeklagte, als er von einer Großdemonstration der NPD in München erzählte.

"Es war eine lustige Aktion"

In dieser Zeit, den späten 1990er Jahren, sei bei ihm die Meinungsbildung auch "über die Musik gelaufen". Fremdenfeindliche Lieder hören, viel Alkohol trinken – so brachten sich S. und seine rechten Kumpels in Stimmung. Nachts habe man sich dann "spontan" auf den Weg gemacht, um eine Döner-Bude umzuwerfen. "Es war eine lustige Aktion, wir haben uns einen Spaß daraus gemacht", beschrieb S. seine Gemütslage. Das ging auch so weit, dass S. mit einer Gruppe Gleichgesinnter zwei Männer zusammenschlug und schwer verletzte, weil sie sich provoziert fühlten. Dabei habe er selbst auf die Opfer eingetreten, gab S. zu.

Ausländerfeindlichkeit habe bei solchen Aktionen eine Rolle gespielt, räumte S. ein. Die Dönerbude sei ein "Feindbild" gewesen. Es sei auch um "Nervenkitzel und Action" gegangen. Er habe ein "einfaches Weltbild" gehabt, "schwarz-weiß". Sein Gedankengut habe sich aus Musik und Deutschtümelei zusammengesetzt. Man habe Unterschriften gegen die doppelte Staatsbürgerschaft gesammelt, sei gegen "Multikulti und das Finanzkapital" gewesen.

Keine Bedenken wegen der Waffe mit Schalldämpfer

Den Kontakt zum mutmaßlichen NSU-Trio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe will S. über den Mitangeklagten Ralf Wohlleben bekommen haben. Der ehemalige NPD-Funktionär habe ihm den Auftrag erteilt, eine Waffe zu besorgen. Bedenken habe er keine gehabt, sagte S. Er habe gewusst, dass die drei untergetaucht waren. "Die brauchen Hilfe, wir stehen füreinander ein", sei damals seine Haltung gewesen.

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