1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Asien

Döner Saigon

Längst haben Einwanderer Spezialitäten aus aller Welt in die deutschen Städte gebracht. Und gelegentlich wandern diese von dort aus weiter. So brachte ein Vietnamese den türkischen Döner aus Berlin in seine Heimat.

Dönerbude in Saigon (Foto:dw/böl)

28 Kilogramm Fleisch gehen in Do Van Luongs Dönerbude jeden Tag über die Theke

Es sieht aus, als hätten sich die Mopeds ineinander verkeilt. Dabei warten ihre Fahrer nur, bis sie an der Reihe sind. Ein gutes Dutzend Zweiräder ist von beiden Seiten vor Do Van Luongs Laden herangefahren und steht mit knatternden Motoren am Straßenrand. Den Helm auf dem Kopf und eine Hand am Lenkrad warten die Fahrer am Straßenrand. "Ich komme oft hierher, ich finde Kebab einfach köstlich", sagt ein Schüler, der bei seinem Klassenkameraden auf dem Rücksitz sitzt. Und Steven aus London erzählt, dass er jeden Tag hergekommen sei, als der Laden aufgemacht hat. "Aber das war vermutlich etwas ungesund. Jetzt habe ich das etwas reduziert." Nur noch zwei bis dreimal die Woche esse er hier.

In Berlin als Illegaler

In der Dönerbude von Do Van Luong (Foto:dw/böl)

Do Van Luong (vorne rechts) hat in Berlin gelernt, was einen richtigen Döner ausmacht

In Do Van Luongs Laden, da sind sich die Kunden einig, gibt es den besten Döner Kebab von Ho Chi Minh Stadt, das die meisten Bewohner immer noch Saigon nennen. Luongs Laden misst nur ein paar Quadratmeter, ein kleiner Tisch und zwei Stühle aus Plastik stehen darin, darüber eine türkische Fahne. Die habe ihm ein Lehrer aus der Türkei geschenkt, der regelmäßig bei ihm vorbeikomme, erzählt Luong stolz. Neben dem Eingang dreht sich der große Dönerspieß mit Schichten von Hähnchenfleisch darauf. Luong säbelt mit einem langen Messer das Fleisch herunter. Vor zwei Jahren hat er seinen Laden eröffnet. "Zuerst haben die Leute vorsichtig geguckt", erzählt er in gebrochenem Deutsch. "Und dann langsam, ganz langsam sind sie gekommen. Heute spricht man in der Stadt davon, dass es hier guten Kebab gibt."

Wie ein echter Döner schmecken muss, das hat Luong in Berlin gelernt. Anfang der 90er Jahre kam er in die deutsche Hauptstadt, reiste mit einem Touristenvisum ein und blieb als Illegaler. Luong arbeitete in Restaurants und asiatischen Imbissstuben, bis er schließlich in einer Dönerbude landete. Zwei Jahre verkaufte er die türkische Spezialität, lernte, das Fleisch zu marinieren und die Joghurtsauce zuzubereiten, das typische Fladenbrot zu backen. Dann, irgendwann, wurde die Belastung zu groß, die Angst entdeckt zu werden. Luong beschloss, zurückzugehen, kaufte sich ein Ticket und besorgte sich über die vietnamesische Botschaft gültige Papiere für die Ausreise. "Ich bin zurückgekommen und dachte: 'Was jetzt?' Und dann dachte ich, Döner Kebab ist sehr neu in Vietnam. Und so habe ich Döner Kebab gemacht."

28 Kilogramm Hühnerfleisch am Tag

Do Van Luongs Dönerbude in Saigon (Foto:dw/böl)

Do Van Luongs Dönerbude in Saigon

Von einem Freund in Deutschland ließ er sich den Dönergrill schicken, auch die Gewürze importiert er von dort. Allein in Berlin gibt es 1.300 Dönerbuden, mehr als in Istanbul. Die Legende besagt sogar, dass der Döner im Fladenbrot, so wie er heute weltweit bekannt ist, erst in Berlin erfunden wurde. Luong jedenfalls ist mit seinem Berliner Rezept erfolgreich. Er verkaufe am Tag 28 Kilogramm Fleisch, erzählt er stolz. Seit vor einigen Jahren die erste Dönerbude in Vietnam eröffnet hat, wird das Gericht immer populärer, sowohl in Hanoi als auch in Saigon gibt es bereits mehrere Dönerbuden. Luong fürchtet sich nicht vor der Konkurrenz. "In Vietnam machen viele Leute Döner Kebab, aber nicht mit Hühnerfleisch, sondern mit Schweinefleisch. Nur ich mache das mit Hühnerfleisch." Auch das Brot backt er selbst, andere nehmen einfach die kurzen Baguettes, die man in Vietnam überall kaufen kann.

Kulinarisches Heimweh

Vor Luongs Laden herrscht abends gegen fünf Hochbetrieb, wenn die Leute von der Arbeit kommen. Seine zwei Angestellten und er kommen dann kaum mehr mit, die Kunden zu bedienen. Auch Uyen kommt mehrmals in der Woche nach der Arbeit vorbei. "Die Soße schmeckt so frisch, das ist das Beste", findet sie. "Vietnamesisches Essen hat nicht solche Soßen. Das macht es so besonders." Und während die einen das Exotische lockt, treibt die anderen eine Art kulinarisches Heimweh zu Luong. Immer wieder finden sich in der Menge westliche Gesichter. Steven aus London unterrichtet seit vier Jahren Englisch in Saigon. "Ich habe dort im Viertel der Türken und Griechen gewohnt, dort gab es hervorragende Kebabs. Und der hier kann mithalten. Ein sehr guter Kebab!" Dann braust auch er mit seinem Moped davon. In einer kleinen Tüte am Lenker baumelt der Original Saigon-Döner.

Autor: Mathias Bölinger
Redaktion: Thomas Latschan