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Kunst

Désiré Feuerle: "Man tritt in meinem Museum in eine andere Welt"

In einem Berliner Bunker hat der Kunstsammler Désiré Feuerle sein Privatmuseum eröffnet und damit großes Aufsehen erregt. Im DW Interview erzählt er, wie asiatische Antiquitäten und zeitgenössische Kunst zusammenpassen.

Lange hat der Kunstsammler und -berater Désiré Feuerle nach einem geeigneten Ort gesucht, an dem seine Sammlung chinesischer Möbel und antiker Kunst aus Südostasien dauerhaft gezeigt werden kann. In den letzten fünf Jahren haben viele Sammler eigene Ausstellungshäuser in Berlin eröffnet. Christian Boros zeigt seine Sammlung in einem Bunker, Thimo Miettinen hat den Salon Dahlmann in Ku'damm-Nähe eröffnet und Axel Haubrok ein Ausstellungshaus in Lichtenberg erworben. Désiré Feuerle fand einen ehemaligen Telekommunikationsbunker, den er kaufte und von dem britischen Architekten John Pawson renovieren ließ. In den 1990ern Jahre brachte der Sammler als einer der Ersten in seiner Kölner Galerie (1990-1998) zeitgenössische Kunst und Antiquitäten zusammen und zeigte mehrere Aufsehen erregende Ausstellungen, darunter "Eduardo Chillida and the Chinese neck rests of Ming and Song dynasties".

In seinem neuen Privatmuseum "The Feuerle Collection", das im Herbst 2016 in Berlin dauerhaft seine Pforten öffnen wird, hat Désiré Feuerle vorab zu einer Preview eingeladen. Im DW-Interview äußert er sich über seine künstlerische Vision und die Beweggründe für den Standort Berlin.

Deutsche Welle: Herr Feuerle, Sie zeigen Ihre Privatsammlung mit Khmerskulpturen und kaiserlich chinesischen Lack- und Steinmöbeln im massiven Baukörper eines Bunkers. Was war Ihre Vision?

Die Bunkerräume ohne Ausstellungsstücke (Foto:Gilbert McCarragher)

Der alte Telekommunikationsbunker wurde vom Architekten John Pawson renoviert

Désiré Feuerle: Ich wollte, dass man in meinem Museum in eine andere Welt tritt, in der man sensibilisiert ist für die Kunst. Am Eingang ganz unten im Bunker kommt man zuerst in einen völlig dunklen Raum, man hört nur Musik, die Musik von John Cage. Nach dem Musikraum geht man langsam um die Ecke und kommt in eine meditative Welt. Die Massivität der Bunkerwände steht im Gegensatz zu den feinen, sensiblen Ausstellungsstücken die ich habe. Die werden dadurch ganz anders wahr genommen. Die Idee ist: Ich gehe rein und es ist phantastisch. Es ist einfach toll, die Kunst nicht nur zu sehen, sondern auch zu spüren, zu fühlen.

Die Erotik der Steinbank

Sie haben viele alte chinesische Bänke und Tische in Ihrer Sammlung. Die setzen Sie in Beziehung zu zeitgenössischer Kunst. Was wollen Sie damit ausdrücken?

An einem der imperialen Tische hat sich der Kaiser einmal im Jahr mit seiner Mutter zum Tee getroffen. Stellen Sie sich das vor, das ist phantastisch. Und dann ist da ein ganz feines Tischchen, das ist ein Lautentisch. Die Chinesen haben das sehr sensibel umgesetzt. Das Mächtige und dann der Kaiser privat an der Laute, der ja vielleicht dabei ganz anders war. Das alles ist faszinierend. Und dann habe ich da noch einen sehr frühen Sitz. Der Beginn des chinesischen Sitzmöbels ist 200 vor Christus, das späteste Stück ist aus dem 18. Jahrhundert.

Die zeitgenössischen Werke, mit denen ich die Möbelstücke kombiniere, haben für mich ein ähnliches Gefühl. Ich mache das aus dem Bauch heraus. Diese Steine beispielsweise haben eine Erotik. Die lange Bank ist einer erotischen Arbeit von Nobuyoshi Araki zugeordnet. Der Altartisch ist einer Arbeit von Adam Fuss zugeordnet, die eine Matratze zeigt. Und da ist dieser wunderbare Lackstuhl, der im Schlafzimmer des Kaisers stand. Er ist fast schon zu schön. Da gefällt es mir, ihn zu stören. Und es ist ein Störfaktor, diesen Araki hinter ihm zu haben. Man schaut ihn dann wirklich anders an.

"Jeder Millimeter Licht ist wichtig"

Alles in Ihrem Museum wirkt fein abgestimmt, vom Arrangement der Stücke bis hin zur Beleuchtung. Muss man sich vorstellen, dass Feuerle persönlich auf die Leiter gestiegen ist, um das Licht zu richten?

Antike Skulptur, von indirektem Licht in Szene gesetzt (Foto: The Feuerle Collection/Nic Tenwiggenhorn/VG Bild-Kunst)

Die Inszenierung des Lichtes ist Feuerle besonders wichtig

Es ist alles von mir komplett erdacht und mit dem Architekten John Pawson erarbeitet. Ich mache alles selber. Ich steige immer selber auf die Leiter, oft 100 Mal, bis es stimmt. In diesem Fall aber brauche ich gar nicht mehr auf die Leiter (lacht). Wir haben ein modernes System, das funktioniert nur mit iPad. Und das ist kompliziert. Ich stand neben dem Techniker und sagte: 'Drei Prozent mehr Licht', oder 'dreh es ein bisschen nach links'. Jeder Millimeter ist wichtig. Und das Licht ist super wichtig. Das macht aus einer guten eine sehr gute Installation.

Hinter einer Glaswand haben Sie einen "Incense Room" mit einem Tisch und Hockern. Was hat es damit auf sich?

Die Incense Zeremonie ist eine Duftzeremonie. Ich war vor vielen Jahren in Taiwan zu einer Incense-Zeremonie eingeladen. Das dauert etwa zweieinhalb Stunden. Man nimmt japanische Asche, das ist die feinste, und gräbt sie ein. Oben drauf kommt ein Holzsplitter. Nach 20 Minuten ist das Hölzchen verbraucht. Man macht das alleine oder teilt das mit maximal vier Gästen. Diese Tradition geht 2000 Jahre zurück, und es ist eine ganz große Ehre dabei zu sein. Als es für mich gemacht wurde, waren meine Freunde ein bisschen eifersüchtig. Ich war so begeistert, dass ich dachte, das muss ich hier her bringen. Aber zweieinhalb Stunden Zeremonie ist zu lang für ein Museum. Dann habe ich den Architekten John Pawson gebeten, einen Incense Tisch zu entwerfen, in dem das Duftholz elektronisch erhitzt wird. Wir haben ihn in China nach alten Methoden herstellen lassen. Die Idee ist, dass dieser Tisch noch lange nach mir da ist und toll altert.

Berlin ist rau und offen

Sie leben in Asien und hatten eine Galerie in Köln. Jetzt bringen Sie Ihre Privatsammlung nach Berlin. Warum?

Die scharfen Kontraste der Stadt haben mich gereizt. Berlin hat einen rauen Charakter und meine Stücke sind ganz fein. Man kommt von dieser Stadt in diese Welt, die ich inszeniert habe. Man schaut sie hier ganz anders an, weil man ja auch von der rauen Stadt geprägt ist. Und dann kommt dazu, dass Berlin eine offene Stadt ist. Man kann hier Außergewöhnliches machen und findet immer einen Platz dafür. Das ist nicht überall auf der Welt so. Genau das gefällt mir. Und dann macht man auch einfach was.

Das Interview führte Gero Schließ

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