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Aktuell Europa

Dänische Polizei erschießt mutmaßlichen Attentäter

Zwei Tote, mehrere Verletzte und ein erschossener Mann, der vermutlich auch der Attentäter ist - alles innerhalb von 24 Stunden in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen. Ein Land ist im Ausnahmezustand.

Eine teilweise abgeriegelte Innenstadt, massiver Polizeieinsatz, über dem Zentrum kreisende Hubschrauber. Es sind Szenen, die kaum ein Däne jeweils in seiner Hauptstadt vermutet hätte. Fünf Wochen nach den Anschlägen von Paris auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo sind in Kopenhagen sehr wahrscheinlich erneut ein Karikaturist sowie Juden Ziel eines Anschlags geworden.

Der Gedanke an Paris kommt schnell auf

Rund zwölf Stunden nach dem Terrorangriff sowie Schüssen an einer Synagoge hat die dänische Polizei am frühen Sonntagmorgen einen Mann in der Nähe einer viel frequentierten Bahnstation mitten im Zentrum von Kopenhagen erschossen. Er habe das Feuer auf die Polizisten eröffnet, diese hätten es erwidert, teilten die Behörden mit. Die Ermittler untersuchen nun, ob es einen Zusammenhang zwischen den tödlichen Vorfällen gibt, gehen aber stark davon aus. In einer Pressekonferenz teilte die Polizei mit, es handele sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um den gleichen Täter bei den Anschlägen. Er soll Einzeltäter gewesen sein.

Dänemark Anschläge in Kopenhagen Pressekonferenz der Polizei

Die Polizei gibt Sonntagmorgen nur ein kurzes Statement ab

Vermutlich ein Terrorist attackiert ein Kulturcafé am frühen Samstagabend und erschießt einen 55-Jährigen. Nur wenige Stunden später schocken erneute Schüsse die Stadt, diesmal in der Nähe einer Synagoge. Wieder stirbt ein Mensch.

Der Gedanke an Paris und die Anschläge auf Charlie Hebdo kommt bei den Vorfällen schnell auf. Die Parallelen sind frappierend. Als die Schüsse am frühen Abend fallen, findet in dem Café gerade eine Diskussionsveranstaltung unter dem Titel "Kunst, Blasphemie und Meinungsfreiheit" statt. Einer der Redner ist Lars Vilks, ein Zeichner, der im Jahr 2007 wegen seiner Mohammed-Karikaturen in die Kritik von Muslimen geraten war.

Junger jüdischer Wachmann stirbt

Dänemark Anschläge in Kopenhagen EINSCHRÄNKUNG

Der mutmaßliche Attentäter wurde von mehreren Überwachungskameras erfasst

Auch Inna Schewtschenko, Kopf der Feministinnen-Gruppe Femen, ist dabei. Der französische Botschafter in Kopenhagen, Francois Zimeray, zählt ebenso zu den Gästen. Er sollte über die Erfahrungen mit den Attentaten von Paris informieren. "Ich bin noch am Leben", twittert der Franzose unmittelbar nach den Schüssen. Vilks versteckt sich in einer Kühlkammer, nachdem er das erste Gewehrfeuer vernommen hatte. Ihm passiert nichts.

Die Schüsse vor einer Synagoge töten einen jungen jüdischen Wachmann. Das sagt der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Dan Rosenberg Asmussen, dem Sender TV2 News. "Er war Mitglied der jüdischen Gemeinschaft und kontrollierte die Menschen, die in die Synagoge zur Feier einer Bar Mitzwa kamen", sagt Asmussen. Dem Angreifer sei es nicht gelungen, in das Gebäude zu gelangen, wo etwa 80 Menschen versammelt waren. Nach Angaben von Asmussen hatte die jüdische Gemeinde die Sicherheitsvorkehrungen nach den islamistischen Terroranschlägen in Paris Anfang Januar verstärkt.

Es ist wohl auch in Kopenhagen ein "Akt des Terrors", wie Dänemarks Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt es formuliert. "Alles deutet darauf hin." Der frühere dänische Ministerpräsident und Vorsitzende der liberalen Partei Venstre, Lars Løkke Rasmussen, sprach im Kurznachrichtendienst Twitter von einem "Alptraum".

pg/SC (dpa, afp, rtr)