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Fußball

Dänemark: Underdogs mit Kämpferherz

In EM-Gruppe B kommt Dänemark nur die Rolle des Außenseiters zu. Doch die Nordeuropäer sind mit dieser Rolle schon oft gut gefahren – nicht zuletzt verdanken sie ihr ihren größten fußballerischen Erfolg.

"Was für ein Alptraum", war das erste, das Dänemarks Nationaltrainer Morten Olsen über die Lippen kam, nachdem seine Mannschaft bei der Auslosung der EM-Vorrundengruppen im vergangenen Dezember in Kiew zusammen mit den starken Teams aus Deutschland, den Niederlanden und Portugal in einer Gruppe gelandet war.

Dänemarks Nationaltrainer Morten Olsen (Foto: EPA/JENS NOERGAARD LARSEN DENMARK OUT)

Dänemarks Nationaltrainer Morten Olsen

In der Tat wird es keine leichte Aufgabe für Olsen und sein Team. Seit 2000 ist der ehemalige Verteidiger des 1. FC Köln (1986 bis 1989, 80 Bundesliga-Spiele) nun schon bei den Dänen in der Verantwortung. Seitdem hat er sich mit seinem Team trotz mehrerer personeller Umbrüche für die WM-Turniere 2002 und 2010 sowie für die EM-Endrunde 2004 qualifiziert. In Polen und der Ukraine ist Dänemark, der Europameister von 1992, insgesamt zum achten Mal bei einer Europameisterschafts-Endrunde dabei.

Doch obwohl den Dänen so recht niemand ein Weiterkommen zutraut, könnten sie in der sogenannten "Todesgruppe B" das Zünglein an der Waage sein. Die Dänen sind zwar das Team, gegen das die anderen drei Mannschaften einen Pflichtsieg einplanen, dennoch reisen sie nicht völlig chancenlos zur EM. Die Portugiesen waren schon in der EM-Qualifikation ihr Gegner und landeten in der Endabrechnung hinter den Dänen auf Rang zwei. Der letzte deutsche Sieg gegen eine dänische Mannschaft datiert aus dem Jahr 1996 – seitdem gab es in Freundschaftsspielen zwei dänische Siege (2000, 2007) und ein Unentschieden (2010). Einzig gegen die Niederlande weisen die Dänen in den vergangenen Jahren keine gute Bilanz auf. Der letzte Erfolg ist 20 Jahre her: Im EM-Halbfinale von 1992 setzten sich die "Danish Dynamite" überraschend mit 5:4 im Elfmeterschießen durch.

Starkes Kollektiv ohne Stars

Die Dänen Lars Jacobsen und Nicklas Bendtner jubeln am 07.10.2011 über ein Tor im EM-Qualifikationsspiel gegen Zypern (Foto: Katia Christodoulou)

Nicklas Bendtner (r.), hier mit Lars Jacobsen, soll die gegnerische Abwehr beschäftigen und Tore schießen

Anders als in früheren Tagen, als Dänemark mit Spielern wie Michael Laudrup, Preben Elkjaer-Larsen, Morten Olsen oder Torwart Peter Schmeichel echte Stars in seinen Reihen hatte, muss die aktuelle dänische Mannschaft ohne solche auskommen. Die Stützen der Mannschaft, die sich als geschlossenes Kollektiv im 4-3-3-System präsentiert, sind in erster Linie zwei Profis, die in der englischen Premier League spielen: Stürmer Nicklas Bendtner (24, AFC Sunderland) und Innenverteidiger Daniel Agger (27, FC Liverpool). Hinzu kommt als ruhender Pol im defensiven Mittelfeld William Kvist vom VfB Stuttgart. "Wir haben eine Wahnsinnsgruppe erwischt", weiß auch der 27-Jährige um die Schwere der Aufgabe, "Deutschland ist der Top-Favorit. Sie haben viele torgefährliche Spieler, sind defensiv wie offensiv exzellent besetzt. Aber trotzdem spiele ich lieber gegen Deutschland als gegen Spanien."

Ein Großer werden könnte Christian Eriksen. Der 20-Jährige spielt im Mittelfeld von Ajax Amsterdam und erzielte in der abgelaufenen Saison in 44 Pflichtspielen in Liga, Pokal, Champions League und Europa League insgesamt acht Tore und steuerte beeindruckende 20 Torvorlagen bei. Längst hat Eriksen, der 2011 zum dänischen Fußballer des Jahres gewählt wurde und dessen Vertrag bei Ajax noch bis 2014 läuft, das Interesse großer Vereine geweckt.

Überraschungs-Europameister von 1992

Spielszene aus dem EM-Finale von 1992 Dänemark gegen Deutschland

1992 besiegten die Dänen Deutschland mit 2:0

Als Christian Eriksen noch nicht einmal sieben Monate alt war, feierten die Dänen ihren bisher größten fußballerischen Erfolg. Damals – vor genau 20 Jahren – lösten sie, nachdem sie in der Qualifikation gescheitert waren, erst zehn Tage vor der EM-Endrunde in Schweden ihr Turnierticket. Sie durften für Jugoslawien einspringen, das wegen des Balkankriegs ausgeschlossen worden war, und starteten ohne richtige Vorbereitung ins Turnier. Teilweise waren die Spieler aus dem Sommerurlaub zurück auf den Trainingsplatz geholt worden. Dennoch kam Dänemark mit etwas Glück durch die Vorrunde, schlug dann zunächst im Halbfinale EM-Titelverteidiger Niederlande und fügte im Finale schließlich sogar dem amtierenden Weltmeister Deutschland eine bittere 0:2-Niederlage zu.

Dass eine solche Sensation 20 Jahre später in Polen und der Ukraine erneut passieren könnte, ist zwar eher unwahrscheinlich – unmöglich aber ist im Fußball bekanntlich gar nichts.