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Kultur

Cyber-Schlacht

Der Irak-Krieg wird nicht nur im Feld, sondern möglicherweise auch per Computer geführt: Kurz vor Kriegsbeginn unterzeichnete Präsident Bush eine Geheimdirektive zur Entwicklung von Richtlinien für Cyber-Angriffe.

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Krieg im Cyberspace: US-Regierung treibt Planungen voran

Das Szenario könnte so aussehen: Die Gefechte finden in den Computer-Schaltzentralen der Militärs statt. Der General und seine Offiziere sitzen vor ihren Rechnern. Mit einem Knopfdruck aus dem eigenen Land legen Militärs die Energieversorgung, Radaranlagen, Verkehrssysteme oder Banken des Gegners per Netzangriff lahm.

Schlachtplan für Cyber-War

Die Vision bald in die Realität umzusetzen, scheint schon lange auch ein Ziel des amerikanischen Präsidenten George W. Bush zu sein. Nach einem Bericht der "Washington Post" hat der US-Präsident bereits im Juli 2002 seine Regierung angewiesen, herauszufinden, wie Cyber-Attacken gegen feindliche Computer-Netzwerke organisiert werden können. Bis vor einige Woche hatte es die Regierung geschafft, dies geheim zu halten. Nach der Direktive von Bush sind Experten und das Pentagon dabei, Regeln festzulegen, wie ein solcher Angriff in der Realität aussehen kann, wer solche Attacken autorisiert und wann ein solcher Angriff als legitim angesehen wird.

... so schnell kann's gehen

Wer mit solchen Mitteln angreifen will, kann auch Opfer solcher Angriffe werden. In den USA herrscht deshalb schon seit Mitte der neunziger Jahre große Angst vor Angriffen aus dem Cyberspace. Besonders nach dem Terrorangriff vom 11. September warnten amerikanische Sicherheitsbehörden alle Unternehmen vor Anschlägen aus der virtuellen Welt. Durch die Verbreitung von sogenannten DoS (Denial of Service)-Angriffen, Viren und Würmern können Computer völlig außer Kraft gesetzt werden. Erste Beispiele gibt es schon aus Israel. Palästinensische Hacker waren mehrfach in die Computer israelischer Banken eingebrochen. Dadurch wurde unter anderem die Website der Börse lahm gelegt.

"Hacker" schon im Kosovo-Krieg

Unter Berufung auf Regierungskreise berichtete die "Washington Post" vor Kriegsbeginn, die Vereinigten Staaten hätten bislang noch keine größeren Angriffe dieser Art gestartet. Ob das noch immer gilt, ist unklar. Nach Meinung des Berliner Politologen Ralf Bendrath gab es zwar bislang noch keinen richtigen "Cyber-Krieg", doch schon während des Kosovo-Krieges 1999 "hackten" sich die Amerikaner in Computer der serbischen Flugabwehr ein und schleusten fiktiven Feindflugzeuge auf die Radarschirme. So lenkten sie die feindlichen Truppen von den tatsächlichen Angriffen ab.

Alle wollen mitmischen

Inzwischen ist das Thema Cyber-Krieg schon zu einem Streitpunkt zwischen diversen US-Behörden geworden. Die Frage: Wer darf und soll an diesem Machtspiel mitmischen? Wer bekommt dafür die finanziellen Mittel? Auf der einen Seite steht das Pentagon, das die Entwicklung von Cyber-Waffen in der letzten Zeit forciert hat. Auf der anderen Seite wollen der US-Geheimdienst CIA, die Polizeibehörde FBI und die Nationale Security Agency (Amt für nationale Sicherheit) mit von der Partie sein. Nach dem Bericht der Zeitung sei ein Ende des Gezerres um Zuständigkeiten noch nicht abzusehen.

E-Mails an irakische Führungskräfte

Wie weit die Entwicklung dieser neuen Art der Kriegsführung tatsächlich schon fortgeschritten ist, ist noch unklar. Hinweise darüber, in welchem Maße solche Methoden im Falle eines Krieges gegen den Irak angewandt werden können, gibt es nicht. Doch zum ersten Mal in ihrer Geschichte starteten Militärs und Geheimdienste der USA im Januar 2003 eine "Infowar Kampagne" via E-Mail.

Im Rahmen der psychologischen Kriegsführung sendeten sie Tausende von E-Mails an irakische Führungskräfte. Dabei riefen sie vor allem Offiziere und Regierungsmitglieder auf, den Befehl von Saddam Hussein zu verweigern, zu desertieren oder Hinweise auf Massenvernichtungswaffen zu geben. Auch sei ein Krieg gegen die USA nicht zu gewinnen. Über die Wirkung der E-Mails ist jedoch noch nichts bekannt.

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