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Deutschland

Cyber-Attacken treffen jede zweite Firma

Wie groß ist der Schaden digitaler Angriffe für die deutsche Wirtschaft? Der Digitalverband Bitkom wollte es genau wissen und befragte über 1000 Unternehmen. Aufschlussreich ist das Ranking der begehrtesten Ziele.

Spionage, Sabotage, Datenklau - diese Begriffe brachten Wirtschaftsbosse schon vor der Erfindung des Internets um den Schlaf. Im digitalen Zeitalter dürfte es noch schlechter um die Bettruhe der Verantwortlichen bestellt sein. Denn wofür früher ganze Ordner heimlich aus Büros geschmuggelt werden mussten, reicht heutzutage oft ein Mausklick. Täter sind gewöhnliche Kriminelle, aber auch Geheimdienste interessieren sich für Pläne und Produkte innovativer Unternehmen. Den finanziellen Schaden bezifferte der Digitalverband Bitkom in seiner am Donnerstag in Berlin vorgestellten Studie auf 51 Milliarden Euro pro Jahr.

Es handele sich um die umfangreichste empirische Untersuchung zu diesem Thema, betonte Bitkom-Präsident Dieter Kempf. Rund 5000 Unternehmen seien kontaktiert worden, exakt 1074 haben geantwortet. Der Rücklauf lag also bei 20 Prozent, eine aus Sicht des Verbandes zufriedenstellende Resonanz. Die Ergebnisse der im Januar und Februar telefonisch durchgeführten Umfrage bestätigen im Kern frühere Befunde. Das Risiko, Opfer eines digitalen Angriffs zu werden, ist für Wirtschaftsunternehmen jeglicher Größe enorm.

NSA-Affäre sorgt für Verunsicherung

Knapp mehr als die Hälfte (51 Prozent) war in den vergangenen beiden Jahren betroffen. Hinzu kommen 28 Prozent, die glauben, virtuell attackiert worden zu sein. "Ich vermute, dass die NSA-Affäre da ein bisschen mitschwingt": Bitkom-Chef Kempf kann sich jedenfalls keinen anderen Reim auf diese Einschätzung vieler Unternehmen machen. Was auch immer tatsächlich dahinter steckt, es ist Ausdruck zunehmender Verunsicherung.

Infografik zu Cyberangriffen mit den fünf am meisten betroffenen Branchen.

Qualität und Quantität: Je besser die Produkte sind, desto größer ist die Gefahr von Cyber-Angriffen

Nach Branchen unterteilt ist der Automobilbau mit 68 Prozent das beliebteste Ziel der Cyber-Eindringlinge. Das liege daran, "dass es eine hochinnovative Branche ist", meint Kempf. Das Gleiche gilt für Chemie- und Pharmaunternehmen (66 Prozent). Kaum weniger gefährdet ist das Finanz- und Versicherungswesen (60 Prozent), wo der sogenannte Identitätsdiebstahl eine herausragende Rolle spielt. Mit sensiblen Kundendaten wie Kreditkarten-Nummern und Passwörtern können Kriminelle im wahrsten Sinne des Wortes schnell Kasse machen.

Wenn Mitarbeiter zu Tätern werden

Die von Bitkom hochgerechnete jährliche Schadenssumme in Höhe von 51 Milliarden Euro setzt sich aus unterschiedlichsten Faktoren zusammen. An erster Stelle stehen demnach Umsatzeinbußen durch Plagiate, gefolgt von Verletzungen des Patentrechts und Einbußen durch den Verlust von Wettbewerbsvorteilen. Als Täter werden häufig die eigenen Mitarbeiter identifiziert, darunter auch ehemalige. Sie seien für Unternehmen "die wichtigste Ressource, aber auch das größte Risiko", sagte Kempf. Weniger Sorgen bereiten ihm die "Hobby-Hacker im Keller". Die würden sich auf einschlägigen Internet-Seiten mehr mit ihren erfolgreichen digitalen Angriffen brüsten als wirtschaftlichen Schaden anzurichten.

Bitkom-Präsident Dieter Kempf

Bitkom-Präsident Dieter Kempf

Problematisch findet Kempf die Zurückhaltung vieler Betroffener, sich staatlichen Stellen anzuvertrauen. Die Angst vor einem Image-Schaden spielt dabei ebenso eine Rolle wie die vor fehlendem Sachverstand auf Seiten der Polizei und anderer Behörden. Da könne der Digitalverband Bitkom aber "Entwarnung" geben, sagte Kempf unter Verweis auf erfolgreiche Kooperationen mit den Landeskriminalämtern in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Schärfere Gesetze im Kampf gegen Cyber-Kriminalität hält der Bitkom-Präsident für unnötig. Das von der Bundesregierung geplante

IT-Sicherheitsgesetz

ist aus seiner Sicht eine gute Grundlage.

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