CSD fordert Entschädigung für Opfer des Paragrafen 175 | Aktuell Deutschland | DW | 23.07.2016
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Aktuell Deutschland

CSD fordert Entschädigung für Opfer des Paragrafen 175

In Berlin ist anlässlich des Christopher Street Day der homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus gedacht worden. Ungeachtet der Bluttat in München feierten Hundertausende Menschen ausgelassen die CSD-Parade.

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, betonte während der Gedenkfeier, dass in Deutschland auf Grundlage des Paragrafen 175 etwa 100.000 homosexuelle Männer polizeilich erfasst und 50.000 verurteilt wurden.

Paragraf aus der Kaiserzeit

Der sogenannte Schwulenparagraf stammte ursprünglich aus der Kaiserzeit, wurde durch die Nationalsozialisten verschärft und bestand bis 1994 fort. "Es beschämt mich, dass dieses Land so lange am verbrecherischen Paragrafen 175 des Strafgesetzbuches festgehalten hat", sagte Lüders. Sie sprach sich für eine rasche Rehabilitierung und Entschädigung der noch lebenden Opfer aus.

Angesichts des Amoklaufs in München und der jüngsten Terroranschläge sind die Sicherheitsmaßnahmen in Berlin auf einem hohen Niveau. Der schwul-lesbische Demonstrationszug startete unter dem Motto "Danke für nix" am Kurfürstendamm. Die Route führte quer durch die Berliner Innenstadt zum Brandenburger Tor. Dort gibt es zum Finale eine Kundgebung mit buntem Musikprogramm.

Hunderttausende Teilnehmer

Die Organisatoren rechneten mit rund 750.000 Menschen jeglicher geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung aus aller Welt, die für ihre Rechte und Forderungen einstehen wollten. "Es gibt kaum einen passenderen Zeitpunkt, für die Freiheit und Menschenrechte auf die Straße zu gehen", betonte eine Sprecherin der Veranstalter. Man arbeite eng mit Polizei, Feuerwehr und Bezirken zusammen. "Wir vertrauen auf die Fachkenntnisse der Polizei", sagte die Sprecherin.

Berlins Regierender Bürgermeister Müller (M.) marschiert mit (Foto: dpa)

Berlins Regierender Bürgermeister Müller (M.) marschiert mit

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) bezeichnete die Bluttat in München als "schreckliche Tragödie". «Die Berlinerinnen und Berliner und der gesamte Berliner Senat sind tief betroffen über die grausamen Ereignisse, die München bis ins Mark getroffen haben", sagte Müller. "Berlin steht an der Seite Münchens."

wl/qu (dpa, epd)