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Wirtschaft

Crypto Valley in den Alpen

Die Stadt Zug will Zentrum eines Schweizer Crypto Valley werden. Ab sofort können die Einwohner Gebühren auch in Bitcoin bezahlen. Das ist vor allem ein Signal an die zahlreichen Fintech-Unternehmen in der Region.

Stadtpräsident Dolfi Müller ist vom starken Medienecho selbst überrascht. Sie hätten im Stadtrat nach neuen Wegen für die Wirtschaftsförderung gesucht: "Mit Bitcoin setzen wir ein Zeichen - wir wollen uns in Zug mit Zukunftstechnologien auseinandersetzen."

Dass sie damit Geschichte schreiben würden, ist ihm erst hinterher bewusst geworden. Zug ist die erste Gemeinde weltweit, die die Digitalwährung akzeptiert. Wenn auch vorerst nur in bescheidenem Umfang: Einzahlungen sind auf umgerechnet 200 Franken beschränkt. Stadtpräsident Müller will das Risiko anfangs bewusst klein halten. Denn Bitcoins sind umstritten. Immer wieder gibt es Betrugsversuche und die Kursschwankungen sind beträchtlich. Deshalb sollen einlaufende Bitcoin-Zahlungen unmittelbar in harte Schweizer Franken gewechselt werden: "Dafür gibt es eine Börse", betont Dolfi Müller, "und die sichert uns ab, dass da nicht in Nanosekunden riesige Kursverluste stattfinden."

Schweiz Stadtansicht Zug

Mehr als schöne Landschaft: Zug will Bitcoin-Pionier werden

Katzenkastration mit Bitcoin

Zug ist eine Schweizer Bilderbuchstadt mit See und Alpenpanorama. Die Steuern sind niedrig, die Mietpreise dagegen liegen jenseits von Gut und Böse. Die Bevölkerung ist international gemischt. Vielleicht auch deshalb reagieren die Spaziergänger an der Uferpromenade überwiegend positiv auf das Bitcoin-Angebot. Nur wenige beklagen die mangelnde Transparenz der Krypto-Währung.

Dass Bitcoin-Geschäfte direkt ablaufen ohne eine zwischengeschaltete Bank, finden viele eher erfrischend als beängstigend. Eine Frau organisiert ein Projekt, bei dem streunende Katzen auf Santorin kastriert werden. Dafür große Beträge einzuwerben sei illusorisch, meint sie. Deshalb würde sie sich jetzt für die Möglichkeiten einer Mikrofinanzierung interessieren. Dafür seien Bitcoins ideal, da Bankgebühren komplett entfallen würden.

Mit Bitcoins zum Zahnarzt

In der Praxis allerdings fällt die Bitcoin-Bilanz bisher ernüchternd aus. Ob Hotellerie, Einzelhandel, Restaurants - überall Fehlanzeige. Einzig Dr. Abbas Hussain-Probst bietet seinen Patienten die Linderung realer Zahnschmerzen gegen virtuelle Währung.

Natürlich fehle noch ein wenig das Vertrauen in die Digitalwährung, meint der Zahnarzt. Nur eine Handvoll seiner Patienten habe im vergangenen Jahr mit Bitcoins bezahlt - und die seien alle in der IT-Branche unterwegs. Und genau diese Klientel hatten die Stadtoberen von Zug mit ihrer Bitcoin-Initiative im Auge.

Unterwegs im Crypto Valley

Rund 20 Firmen aus der Fintech-Branche haben sich in jüngster Zeit zwischen Zug und dem benachbarten Baar angesiedelt. Eines davon ist Bitcoin Suisse. Das Unternehmen betreibt Server in den Schweizer Alpen, die in hochkomplizierten Rechenoperationen frische Bitcoins schürfen.

Digitale Währung bitcoin

Mit Bitcoin zahlen: In Deutschland noch weitgehend unbekannt

Um Bitcoins populärer zu machen, unterhält die Firma auch eine Zahl von Bitcoin-Automaten. Einer steht im Restaurant Kafi Schoffel in Zürich und tauscht Schweizer Franken oder Euroscheine gegen einen unscheinbaren Papierstreifen. Erst wenn der aufgedruckte QR-Code mit dem Smartphone gescannt wird, entfalten die Bitcoins ihren Charme. Im Kafi Schoffel können die Kunden damit ihren Cappuccino bezahlen.

Anschluss an die Weltwirtschaft

Der Geschäftsführer von Bitcoin Suisse, Niklas Nikolajsen, geht davon aus, dass es noch mehrere Jahre dauern wird, bis sich Digitalwährungen im großen Stile durchsetzen werden. Am Erfolg zweifelt er nicht. Auch weil digitales Geld Menschen den Zugang zur globalen Wirtschaft ermöglichte, die sonst außen vor wären: "Der Taxifahrer in Nairobi kann wegen der hohen Gebühren nicht mit Kreditkarten arbeiten," sagt Nikolajsen. "Aber er kann sich für fünf Dollar ein gebrauchtes Smartphone kaufen und Bitcoin akzeptieren."

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