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Politik

Costa Rica: Die grüne Schweiz Mittelamerikas

Im Eröffnungsspiel der Fußball-WM trifft Deutschland auf Costa Rica. Wenn Sie wenig über das Land in Mittelamerika wissen, hat das vor allem einen Grund: Schlechte Nachrichten von dort sind selten.

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Touristen schätzen Costa Rica

Costa Rica ist anders: Das kleine Land in Mittelamerika passt einfach nicht in das Klischee, in das lateinamerikanische Staaten so gerne gepresst werden. Blutrünstige Militärdiktaturen - Fehlanzeige. Wirtschaftscrash - keine Spur. Stattdessen Meldungen wie diese: In einer internationalen Umwelt-Rangliste landete das Land kürzlich weit vor Deutschland. Klaus Lengefeld, zuständig für Mittelamerika bei der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), sieht das Land zu Recht weit vorne im Umweltschutz.

Costa Rica

Costa Rica ist in Sachen Umweltschutz weit vorne

Die Erhaltung nationaler Naturschutzzonen genieße oberste Priorität, das Land gehöre weltweit zur Spitze in Sachen Ökotourismus. "Costa Rica hat im Gegensatz zu Deutschland sogar eine 'echte' Ökosteuer, die nicht zur Subventionierung des Rentensystems herangezogen wird, sondern zum Schutz tropischer Wälder und zur Wiederaufforstung." Die Bevölkerung akzeptiere diese Abgabe auf Kraftstoff ohne Murren. "Die Leute haben erkannt, dass Ökotourismus ein einträgliches Geschäft ist und es sich deshalb lohnt die Natur zu schützen." Inzwischen reisten pro Jahr rund 1,5 Millionen "Ökotouristen" in das Land, das gerade mal so groß wie Niedersachsen ist und in dem rund vier Millionen Menschen leben.

Rechtzeitig umgesteuert

Dabei litt Costa Rica lange Zeit unter großflächigen Waldrodungen, die der Erschließung von Land für den Anbau von Kaffee und Bananen dienten. "Hier ist es gelungen umzusteuern." Die Politik übe zudem einen "gewissen Druck" auf die großen Unternehmen aus, nachhaltiger zu wirtschaften. Das werde von den großen Konzernen respektiert. Die GTZ hat kürzlich mit dem Bananen-Multi Chiquita eine Kooperation gestartet, um die Artenvielfalt in einer Regenwaldregion zu erhalten und den Bewohnern neue Einkommensmöglichkeiten zu bieten. Das Modellprojekt ist Teil des Vorhabens von sechs mittelamerikanischen Staaten, Naturschutzgebiete durch so genannte "Bio-Korridore" zu verbinden.

Die Erfolgsstory "Costa Rica" begann bereits vor über 50 Jahren. Seitdem gebe es im Land eine funktionierende Demokratie, sagt Bert Hoffmann vom Institut für Iberoamerika-Kunde in Hamburg. Nach einem sechswöchigen Bürgerkrieg 1948 schaffte der damalige Präsident José Figueres Ferrer 1949 sogar die Armee ab.

Wie kommt es, dass Costa Rica so friedlich ist, während seine Nachbarn wie Nicaragua oder Guatemala unter brutalen Militärdiktaturen und schweren sozialen Konflikten zu leiden hatten? Costa Rica sei marktwirtschaftlich, aber es sei nicht dem "liberalen Hau-Ruck-Modell" gefolgt wie andere lateinamerikanische Staaten, antwortet Hoffmann. Außerdem sei das Land eher von kleinbäuerlichen Besitzverhältnissen geprägt und nicht von Großgrundbesitzern beherrscht wie beispielsweise Nicaragua. Auch wenn es in Costa Rica Armut gibt: "Das Land war stark auf sozialen Ausgleich und Kompromiss bedacht", so Hoffmann.

USA helfen

Costa Rica

"Kapitalismus mit menschlichem Antlitz"

Zum Erfolgsrezept gehöre aber auch, dass die USA dem Land stets reichlich finanzielle Unterstützung zukommen ließ. "Ziel war, Costa Rica zum Vorzeigeland aufzubauen, einen Kapitalismus mit menschlichem Antlitz in der Dritten Welt zu präsentieren", sagt der Lateinamerika-Experte. Doch das Modell Costa Rica auf die Nachbarländer zu übertragen, das sei nie möglich gewesen. Zu unterschiedlich waren die Ausgangsbedingungen.

Insofern gilt Costa Rica noch heute als die "Schweiz Mittelamerikas." Die politische Stabilität und das hohe Bildungsniveau des Landes - die Analphabetenquote ist mit zehn Prozent eine der niedrigsten Lateinamerikas - zogen auch ausländische Investoren an, wie zum Beispiel High-Tech-Firmen. Der Computerchip-Hersteller baute eine große Fabrik in Costa Rica.

Wahlen stehen an

Dennoch: Das Erfolgs-Modell hat in den vergangenen Jahren Federn gelassen. Am 5. Februar soll nun ein neuer Präsident gewählt werden. "Es gibt eine Krise der politischen Klasse", sagt Hoffmann. Die Vorherrschaft der Partei der Christlich-Sozialen Einheit (PSUC) und der sozialdemokratischen Partei der Nationalen Befreiung (PLN) hielt jahrzehntelang. Doch die Menschen sind enttäuscht: Der aktuelle Präsident Abel Pacheco und der vorherige Miguel Angel Rodriguez (beide PSUC) hatten das Land in liberalere Fahrwasser gebracht, zudem gab es schwere Korruptionsfälle unter Spitzenpolitikern.

Als Favorit für die anstehenden Wahlen gilt der Sozialdemokrat Oscar Arias (PLN), der schon einmal in den 1980er Jahren das Land führte und 1987 für seinen "Friedensschaffenden Einsatz in Zentralamerika" mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden war. "Arias verkörpert das alte Modell Costa Rica und macht damit Wahlkampf", sagt Hoffmann. Auch wenn sein Sieg sicher scheint: Arias hat mit dem Linkspopulisten Ottón Solis von der Partei der Bürgeraktion (PAC) einen überraschend starken Konkurrenten bekommen. Im ersten Wahlgang wird es deshalb wohl noch keine Entscheidung geben, wer das Land künftig führen wird.

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