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Wissen & Umwelt

Costa Concordia wird repariert oder zersägt

Was passiert mit der havarierten Costa Concordia? Experten wünschen sich, dass der Giga-Liner wieder flott gemacht wird. Das wäre die eleganteste und kostengünstigste Lösung. Aber auch eine extrem komplizierte.

Umgestürzt und aufgeschlitzt liegt die Costa Concordia auf einem Felsen vor der kleinen italienischen Insel Giglio. Was genau mit dem havarierten Riesen-Schiff passieren soll, ist noch unklar. Vielleicht wird es repariert, vielleicht aber auch zersägt und in Teilen abtransportiert. "Diese beiden Möglichkeiten gibt es", sagt Stefan Krüger, Schiffbau-Professor an der Technischen Universität Hamburg-Harburg.

Ob es funktioniert, das Schiff wieder schwimmfähig zu machen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Vor allem muss es gelingen, den mindestens 70 Meter langen Riss im Rumpf abzudichten. Außerdem müssen unzählige, kleinere Öffnungen verschweißt werden. "Erst, wenn das Schiff dicht ist, kann es leer gepumpt und aufgerichtet werden", so Krüger. Und auch das sei eine enorme Herausforderung. Aber es kann gelingen.

Aufrichten und abschleppen

Als die Fähre Herald of Free Enterprise 1987 vor der Küste Belgiens auf einer Sandbank in neun Meter Tiefe auflief und auf der Seite liegen blieb, gelang es, das Schiff wieder flott zu machen. Damals wurden 16 Stützpfeiler in den Meeresgrund betoniert, auf denen die Retter Kräne montierten. Das Schiffswrack wurde damit aufgerichtet und anschließend abgeschleppt.

So ähnlich könnte es auch mit der Costa Concordia funktionieren. Auch hier könnten die Bergungsfirmen auf der Rumpfseite des Schiffes massive Stützpfeiler in den Meeresgrund rammen, an denen der Koloss mit Hilfe riesiger Gurte aufgerichtet wird. Gewaltige Luftkissen würden für zusätzlichen Auftrieb sorgen.

Schwimmkran 'Asian Hercules II' (Foto: public domain)

Solche Schwimmkräne schaffen bis zu 5000 Tonnen Last

Das alles funktioniert jedoch nur, wenn die Untersuchungen ergeben, dass das beschädigte Kreuzfahrtschiff noch ausreichend stabil ist und vor dem Aufrichten mit Spezialketten in tiefere Gewässer geschleppt werden kann. Denn die Beanspruchung dabei ist enorm: Die Costa Concordia ist immerhin über 290 Meter lang und mehr als 114.000 Tonnen schwer. Zum Vergleich: Die Herald of Free Enterprise war halb so lang und wog gerade einmal 8000 Tonnen.

Die gesamte Prozedur würde nach Schätzungen des Schiffbau-Experten Krüger mehrere Monate dauern. "Im Prinzip könnte man das Schiff dann sogar wieder einsatzfähig machen". Er bezweifle aber, dass irgendein Mensch wieder mit diesem Kreuzfahrtschiff fahren wolle. Wahrscheinlicher sei es, dass die Costa Concordia verschrottet wird.

Zerstückelt und zersägt

Ist das Schiff jedoch zu beschädigt und instabil, um es aufzurichten und abzuschleppen, wird es zerlegt. Zersägt in Einzelteile von jeweils mehreren tausend Tonnen, mit Hilfe von Stahlseilen, die mit Diamanten besetzt sind. Mit solchen Sägeseilen wurde vor zwölf Jahren auch das havarierte russische U-Boot Kursk auseinandergeschnitten.

Die einzelnen Teile werden schließlich mit einem Spezialkran geborgen und per Schiff zur Entsorgung abtransportiert. So eine Aktion würde allerdings länger dauern als das Abdichten, Abschleppen und Aufrichten - "ein bis drei Jahre", schätzt Bergungsexperte Eyk-Uwe Pap vom Rostocker Unternehmen Baltic Taucher. Dazu kommt, dass vor dem Zerstückeln das Schweröl abgepumpt werden muss. Und auch das hört sich leichter an, als es ist. Denn das Öl hat bei zehn Grad Wassertemperatur, die zurzeit vor der italienischen Küste herrschen, eine Konsistenz wie Teer und muss vor dem Abpumpen erst aufwändig erhitzt werden.

Welche Methode zum Einsatz kommen wird, ist zurzeit noch Spekulation, wird aber in den nächsten Tagen entschieden. Eine wichtige Rolle wird das Wetter spielen. Schlechte Verhältnisse, Wind und hohe Wellen könnten das Schiff bewegen. Das wäre eine Katastrophe. Denn das allerwichtigste sei, so Pap, das Wrack in der jetzigen Situation zu stabilisieren. Würde es außer Kontrolle geraten und vom Felsen ins offene Meer abrutschen und untergehen, würden die Bergungsarbeiten noch komplizierter und noch teurer werden. Wahrscheinlich würde man es dann gar nicht mehr bergen, vermutet Schiffbauingenieur Stefan Krüger, sondern einfach liegen lassen.

Autorin: Judith Hartl
Redaktion: Fabian Schmidt

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