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Aktuell Europa

Costa Concordia-Überlebende noch nicht entschädigt

Ein halbes Jahr ist das Unglück auf dem Kreuzfahrtschiff Costa Concordia her. Überlebende streiten noch immer für ihre Rechte. Sie fordern eine gerechte Strafe für die Verantwortlichen und eine angemessene Entschädigung.

Sechs Monate nach der Havarie der Costa Concordia sind immer noch nicht alle Betroffenen entschädigt. 11.000 Euro als Entschädigungssumme plus 3.000 Euro für zusätzliche Ausgaben hatte die Reederei angeboten. Etwa zehn Prozent der deutschen Überlebenden hätten das nicht akzeptiert, berichtete der Konstanzer Anwalt Andreas Widmann. Das seien besonders schwere Fälle, die sich mit den 11.000 Euro nicht zufriedengeben wollten.

Und nicht nur deutsche Ex-Passagiere streiten sich noch mit der Reederei. Der US-Anwalt John Arthur Eaves vertritt nach eigenen Angaben etwa 120 Betroffene aus aller Welt, die an Bord des Unglückschiffes waren. Er fordert mindestens 100.000 Dollar pro Mandant, bei Todesfällen zwei bis fünf Millionen Dollar. Gegen den Konstrukteur der Costa Concordia hat Eaves Klage eingereicht.

Noch immer zwei Vermisste

Das Wrack der Costa Concordia liegt unterdessen noch immer vor der Küste Italiens. Das 290 Meter lange Schiff hatte mit 4200 Passagieren Bord im Januar dieses Jahres bei der Insel Giglio vor der toskanischen Küste einen Felsen gerammt. 30 Menschen konnten nur noch tot geborgen werden, zwei Menschen werden noch immer vermisst.

Mitte Juni, also mehr als fünf Monate nach der Havarie, begann die Bergung des Wracks. Ein Jahr soll sie dauern. Am Donnerstag begannen Rettungskräfte damit, den massiven Felsen, der seitlich in das Schiff eingedrungen war, zu entfernen.

Ermittlungen gehen nur schleppend

Gegen den Kapitän des Schiffes, Francesco Schettino, fünf seiner Crewmitglieder sowie drei Verantwortliche der Reederei Costa Crociere Crociere laufen Ermittlungen. Schettino wird unter anderem mehrfache fahrlässige Tötung, Havarie und Verlassen des Schiffes während der Evakuierung vorgeworfen.

Der Staatsanwalt wirft dem Kapitän außerdem vor, die Besatzung habe die Küstenwache zu spät alarmiert. Vor rund zehn Tagen wurde Schettino aus dem Hausarrest entlassen. Er muss sich jedoch in seinem Heimatort südlich von Neapel aufhalten.

Kapitän gibt erstes umfassendes TV-Interview

Ein halbes Jahr nach der Katastrophe gab der Kapitän sein erstes umfassendes Fernsehinterview. Darin bat er um Vergebung und sagte, er denke ständig an die Opfer. Schettino gab zu, nicht entschieden genug gehandelt zu haben, als er sah, dass das Schiff der Insel Giglo zu nahe kam.

Trotz der Eingeständnisse übernahm der Kapitän nicht die volle Verantwortung. Zum Zeitpunkt des Aufpralls sei er oben an Deck gewesen und habe das Kommando an einen Kollegen abgegeben. Für Entrüstung sorgte seine Wortwahl. Schettino nannte den Vorfall einen "banalen Unfall".

Francesco Schettino, der Kapitän des Schiffes, bei einem Exklusivinterview mit dem italienischen Fernsehen (AP)

Kapitän Francesco Schettino nennt Unglück einen "banalen Unfall"

Opfer klagen gegen die Reederei

Für einen der deutschen Überlebenden war diese Aussage wie ein Schlag ins Gesicht. Herbert Greszuk aus Recklinghausen erzählt, dass er nachts schweißgebadet aufwache und immer noch in psychologischer Behandlung sei. "Die Erfahrung gönne ich meinem ärgsten Feind nicht", so Greszuk. So banal könne Schettino die Folgen nicht abtun.

Greszuk klagt unter anderem wegen unterlassener Hilfeleistung gegen den Kapitän und verantwortliche Offiziere. Auch er gehört zu den Opfern, denen die angebotene Entschädigungssumme zu klein ist. 50.000 Euro findet er angemessen. Allein für seinen verlorengegangenen Zahnersatz müsse er mehrere Tausend Euro bezahlen.

nem/det (dpa, afp, rtr)