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Kultur

Corvey zum Weltkulturerbe ernannt

Deutschland besitzt ein weiteres Welterbe: Die ehemalige Benediktinerabtei im westfälischen Höxter wurde von der UNESCO offiziell als Kultur- und Naturerbe der Menschheit anerkannt.

Der Weg zum Weltkulturerbe war lang. Schon seit 1999 stand das ehemalige Kloster auf der nationalen Vorschlagsliste Deutschlands, doch erst 2012 reichte man vier dicke Antragsbände mit mehr als 700 Seiten ein, um die UNESCO vom Stellenwert des einstigen Klosters und heutigen Schlosses zu überzeugen.

Berühmt ist Corvey vor allem für sein karolingisches Westwerk aus dem 9. Jahrhundert – ein nach Westen ausgerichtetes Backsteingebäude mit zwei imposanten Türmen, wo im Mittelalter Kaiser und Könige auf der Durchreise nächtigten.

Glockengeläut zum Titelerwerb

Die im Jahr 822 von Ludwig dem Frommen, einem Sohn von Karl dem Großen, gegründete Benediktinerabtei gehörte zum geistigen und religiösen Zentrum des Frankenreichs und verfügte über eine der wertvollsten Bibliotheken des Landes. 1792 wurde das Kloster in ein Fürstenbistum umgewandelt, heute befindet es sich in Privatbesitz. Erst in den 1950er Jahren wurden die Pforten für öffentliche Führungen geöffnet. Die Fürstliche Bibliothek mit cirka 74.000 Bänden, der Kaisersaal und der Fürstliche Salon ziehen schon jetzt jährlich um die 100.000 Besucher an, mit dem Titel dürften es bedeutend mehr werden. Das Weserbergland erhofft sich dadurch wirtschaftlichen Aufschwung für die Region.

Das Westwerk ist einzigartig (Foto: Fotolia)

Das Westwerk ist einzigartig

Am Samstagnachmittag um 17 Uhr deutscher Zeit fiel die Entscheidung des Komitees, das imposante Westwerk und die versunkene Klosterstadt Civitas Corvey in die begehrte Liste der "Schätze der Welt" aufzunehmen. Die Nachricht sorgte für großen Jubel an der Weser: "Es freut mich riesig, dass sich der hohe Aufwand gelohnt hat", sagte Museumsleiterin Claudia Konrad. "Wir Akteure vor Ort werden uns bemühen, dieser hohen Auszeichnung gerecht zu werden und alles zu tun, um die Ausstrahlung dieses außergewöhnlichen Kulturerbes voranzubringen." Ein glücklicher Tag sei das, freute sich auch Friedhelm Spieker, der Landrat des Kreises Höxter: "Jetzt steht Corvey in einer Reihe mit den Pyramiden von Gizeh, dem antiken Pompeji und dem Kölner Dom – als erste Kulturstätte Westfalens. Dies erfüllt uns mit großer Freude."

Am Sonntag will man in Corvey den Weltkulturerbe-Titel mit einer Messe und einem großen Fest feiern, dazu läuten die Glocken des Westwerks.

Weitere Kandidaten

Das UNESCO-Welterbekomitee tagt noch bis zum 25. Juni in Katars Hauptstadt Doha. In diesem Jahr sind 40 Kultur- und Naturstätten für die Welterbeliste nominiert. Während der Beratung bestimmte das Komitee bereits das Fabrikgebäude Van Nelle im niederländischen Rotterdam, die Seiden-Fabrik in Tomioka in Japan sowie die Zitadelle von Arbil im Irak zum Weltkulturerbe.

Seit 1972 entscheidet die UNESCO jährlich über die Aufnahme von neuen Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste. Aktuell stehen dort 981 Kultur- und Naturerbestätten in 160 Ländern. Deutschland verzeichnet bislang 39 Welterbestätten. Neben Spanien und Italien kann es damit auf die meisten Stätten verweisen. 2013 holte sich Kassel mit seinem Bergpark Wilhelmshöhe den begehrten Titel, im nächsten Jahr sollen die Hamburger Speicherstadt und der Naumburger Dom nominiert werden.

suc/rb (dpa)

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