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Aktuell Deutschland

Correas Tipps für die Europäer

Beflügelt von Wirtschaftswachstum und klarem Wahlsieg wirbt Ecuadors Präsident Correa in Berlin für sein Land. Kanzlerin Merkel sieht gute Chancen für die Kooperation. Nebenbei gibt Correa den Europäern ein paar Tips.

Ecuadors Präsident Rafael Correa fürchtet, dass die Europäer heute "die gleichen Irrtümer begehen", wie man sie in Lateinamerika, vor allem in Ecuador, in den 1980er Jahren beging. Die Krisenstaaten sollten sich den Internationalen Währungsfonds (IWF), den "Wachhund des Finanzkapitals" vom Halse halten und keine Sparprogramme umsetzen, sagte Correa in Berlin.

Sein Land befolge die Empfehlungen der "internationalen Bürokratie" schon lange nicht mehr, und es gehe ihm "ziemlich gut" damit. Das alles erklärt Correa allerdings nicht während der Unterredung mit Kanzlerin Angela Merkel oder in der Pressekonferenz danach, sondern während eines dreistündigen, mit viel Beifall bedachten Auftritts vor fast 2000 meist studentischen Zuhörern in der Technischen Universität Berlin.

In der Pressebegegnung nach dem Treffen im Kanzleramt hören die Journalisten zunächst Komplimente des Gastes über die Deutschen, über ihr "in Ecuador sehr beliebtes Land" und sogar über den wunderbaren europäischen Frühling. Auf dem Gesicht der Kanzlerin blitzt zeitweise ein amüsiertes Lächeln auf. Die Beziehungen Deutschlands mit Ecuador sind unkompliziert, vor allem im Klima- und Umweltschutz, im Tourismus und der Berufsbildung sieht die Kanzlerin viel Potential.

Politischer Impuls für Freihandelsabkommen

Bei dem von Correa und der deutschen Wirtschaft gleichermaßen gewünschten Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen hakt es allerdings im rechtlichen Bereich. Es sei eine gute Stunde für Investitionen erklärte Correa bereits am Dienstag vor deutschen Unternehmern mit Hinweis auf die Wirtschaftsindikatoren: "Ecuador ist ein Land, das durchstartet". Das Problem: Ecuador überprüft derzeit alle Investitionsschutzverträge mit anderen Ländern, darunter auch Deutschland. Man hat festgestellt, dass bei Streitfragen vor internationalen Schiedsgremien fast immer die großen transnationalen Konzerne, wie zuletzt Chevron, Recht bekommen.

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Ecuador macht auf sich aufmerksam

Nun will die Regierung bessere Verträge, im Falle Europas am liebsten einen Vertrag mit der ganzen EU, wie Correa in Berlin unterstrich. Hartnäckig widersetzt sich der eigenwillige Präsident auch dem Verlangen Brüssels, in einem Freihandelsabkommen genauso wie Perú und Kolumbien behandelt zu werden. Ecuador habe im Unterschied zu seinen Nachbarn den US-Dollar als Landeswährung, gibt Correa zu bedenken, da bleibe nur die Handelspolitik um eine ausgeglichene Bilanz zu erreichen. Doch jetzt wolle man den endgültigen politischen Impuls für das Abkommen mit der EU geben.

Zum Schluß wird die Kanzlerin noch von der Frage eines Journalisten überrascht, der offenbar von dem "linken und modernen Projekt" beeindruckt ist, für das Correa wirbt: Zeigt Ecuador nicht doch, dass es einen dritten, einen anderen Weg als den der Europäer gebe?

Correa lächelt, Angela Merkel schluckt kurz und antwortet: "Wir haben auf der Welt viele Wirtschaftssysteme und jeder muss gucken, wie er seinen Erfolg erreicht. Ich glaube, dass Deutschland ein Beispiel dafür ist, dass wir mit unserem System der sozialen Marktwirtschaft sehr gut klar kommen".

Ecuador plant "Stadt des Wissens"

Bei allem berechtigten Selbstbewusstsein bekundete der 50-jährige Wirtschaftsprofessor während seines Berlin-Besuchs großes Interesse an deutschen Erfahrungen und deutscher Technologie für sein Land. Auf Correas Programm standen neben einem Auftritt vor deutschen Unternehmern auch ein Arbeitsfrühstück mit Postdamer Klimaforschern, für Donnerstag ist ein Besuch des Wissenschaftsparkes Berlin-Adlershof geplant.

Ecuador selbst ist dabei, eine Stadt des Wissens "Yachay" (kitchwa: Weisheit) zu errichten, in der Fachkräfte in Spitzentechnologien ausgebildet werden. Und vor wenigen Tagen verkündete der technologiebegeisterte Präsident, dass Ende des Monats der erste in Ecuador hergestellte Kleinst-Satellit von China aus ins All gebracht werden soll.

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