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Aktuell Kultur

Cornelius Gurlitt will NS-Raubkunst zurückgeben

Der Kunsterbe Gurlitt will alle Bilder aus seinem Bestand, die aus jüdischem Besitz geraubt wurden, den Eigentümern oder deren Nachfahren zurückgeben. Als erstes soll ein Werk von Henri Matisse übergeben werden.

Vor mehr als zwei Jahren wurde in der Wohnung von Cornelius Gurlitt ein riesiger Kunstschatz entdeckt. Viele Werke sollen NS-Raubkunst sein. Nun hat sich der 81-jährige Kunsthändlersohn nach langem Zögern entschieden, Werke aus jüdischem Besitz zurückzugeben.

Gurlitt wolle alle Exponate, die aus "jüdischem Besitz gestohlen oder geraubt wurden, an die jeweiligen Besitzer oder deren Nachfahren herausgeben", kündigte Gurlitts gerichtlich bestellter Betreuer, der Münchner Rechtsanwalt Christoph Edel in der "Süddeutschen Zeitung", dem Norddeutschen Rundfunk und dem Westdeutschen Rundfunk an.

"Sollten Werke unter begründetem Raubkunstverdacht stehen, dann gebt diese bitte an die jüdischen Eigentümer zurück", laute Gurlitts Auftrag an Edel, berichtete sein Sprecher Stephan Holzinger in einer Pressemitteilung. Edel betonte jedoch, dass "nur wenige Prozent der Sammlung Cornelius Gurlitt unserer Rechtsauffassung nach unter Raubkunstverdacht stehen".

Als erstes Werk soll nach Angaben der Medien das Porträt "Sitzende Frau" von Henri Matisse (Artikelbild) übergeben werden. Die Herausgabe solle in Kürze mit den Nachfahren des Pariser Kunstsammlers Paul Rosenberg vereinbart werden. Das von den Nazis geraubte Werk gehörte zeitweise zur Kunstsammlung Hermann Görings und war auf Umwegen in den Besitz der Familie Gurlitt gelangt. Nach Angaben Edels ist in den nächsten Wochen mit der Herausgabe weiterer Exponate zu rechnen.

Bereits Ende Januar hatte Gurlitt eine solche Rückgabe in Erwägung gezogen. "Er ist gewillt, sich die Raubkunst-Klagen genau anzuschauen und faire und gerechte Lösungen auszuhandeln", sagte sein bisheriger Anwalt Hannes Hartung damals der Nachrichtenagentur dpa. Hartung sei "mit sofortiger Wirkung" von sämtlichen Aufgaben des Mandats entbunden worden, erklärte Gurlitts Sprecher Holzinger ohne Angabe von Gründen.

Anfang 2012 hatten Steuerfahnder im Zuge von Ermittlungen in der Münchner Wohnung Gurlitts rund 1280 Kunstwerke entdeckt und beschlagnahmt. Rund 500 der zum Teil sehr wertvollen Objekte stehen im Verdacht, Nazi-Raubkunst zu sein. Der Schwabinger Kunstfund kam erst im November 2013 an die Öffentlichkeit und sorgte international für großes Aufsehen.

Gurlitts Salzburger Haus (Foto: dpa/picture alliance)

Gurlitts Salzburger Haus

Salzburger Sammlung größer als bislang bekannt

Auch in seinem Haus in Salzburg hatte Gurlitt wertvolle Kunstwerke gelagert. Diese Sammlung sei mit 238 Kunstgegenständen weit größer als bisher angenommen, teilte Holzinger mit und bestätigte damit Angaben der drei Medien. Die bisher unbekannten Kunstwerke seien in einem "zuvor nicht zugänglichen Teil" des alten Gurlitt-Hauses entdeckt worden. Unter ihnen sind Ölgemälde und Aquarelle etwa von Auguste Renoir, Max Liebermann und Claude Monet. Der mit Abstand größte Teil bestehe aus Zeichnungen etwa von Pablo Picasso.

qu/wa (dpa, SZ)