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Kultur

Copyright auf Papstes Stimme

Mehr als eine Milliarde Menschen erwarten am ersten Weihnachtstag um 12.00 Uhr römischer Ortszeit drei Wörter "urbi et orbi". Den Segen des Papstes übertragen mehr als 80 Sender in 50 Länder - ein geistliches Mega-Event.

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Johannes Paul II spricht 2004 zum 27. Mal den Weihnachtssegen

"Aus der Konserve ist der Segen eigentlich nichts wert", warnt Ludwig Waldmüller, Redakteur von Radio Vatikan. "Mit urbi et orbi ist ja auch ein Ablass der Sündenstrafen verbunden. Den gibt es nur, wenn man live dabei oder zugeschaltet ist. Sonst könnte man ihn sich ja aufheben und wenn man ihn gerade braucht, abspielen." Trotzdem bietet sein Sender die Worte des Papstes nicht nur live an, sondern auch als Audio-Datei im Internet-Archiv.

Radiostudio

Sendestudio von Radio Vatikan

Radio Vatikan ist verantwortlich für die Tontechnik bei der Weihnachtsbotschaft vor dem Petersdom. "Wir haben das Copyright auf die Stimme des Papstes, wenn er im Vatikan spricht", erzählt Waldmüller. Der Mitarbeiter der deutschsprachigen Redaktion ist einige Tage vor dem Ereignis nicht besonders aufgeregt, denn Johannes Paul II. spricht den Segen jedes Jahr zwei Mal - außer an Weihnachten auch zum Osterfest.

Der Stadt und dem Erdkreis

Die lateinische Formel "urbi et orbi" soll den universalen Geltungsanspruch der katholischen Kirche verdeutlichen. Die Worte entstammen dem Weltbild der römischen Antike, das Rom als Inbegriff der Stadt, urbs, und als Mittelpunkt des Erdkreises, orbis, sah. Die päpstliche Zeremonie am ersten Weihnachtstag erfolgt immer nach dem gleichen Ablauf: Erst spricht Papst die Weihnachtsbotschaft, dann folgen der Segen und schließlich die Grüße zum Fest in 62 Sprachen.

One-Man-Show

Urs Meier, Geschäftsführer der Schweizer "Reformierten Medien" hat einen Aufsatz über das Verhältnis von Papst und Massenmedien verfasst. Er sagt im Interview mit DW-WORLD, dass die globale Ausrichtung ein Grund für den Erfolg des Weihnachtssegens sei. "Man kann es durchaus mit dem Finale einer Fußball-WM vergleichen, es ist ein Mega-Event." Meier hat denn auch ein gespaltenes Verhältnis dazu: "Es schafft Aufmerksamkeit für eine gute Botschaft. Auf der anderen Seite wird die Botschaft auf eine hierarchische Struktur bezogen. Das Mega-Event zementiert die monarchische Rolle des Papstes." Solche Personifizierung sei ein Erfolgsrezept in der heutigen Mediengesellschaft, sagt Meier. Er selbst verfolgt den Segen nicht mehr vor dem Fernsehen, "das kenne ich schon, da passiert ja doch jedes Mal das Gleiche."

Reporterkabinen im Petersdom

Papst Geburtstag Petersdom

60.000 Christen auf dem Petersplatz, über eine Milliarde an den Bildschirmen und Radios

Zumindest hinsichtlich der Rahmenbedingungen ist das Ereignis das Schönste, was einem Reporter passieren kann, findet Radio Vatikan-Redakteur Ludwig Waldmüller. "Wir haben unsere Übertragungsstudios direkt im Petersdom. Dahin laufen die Reporter durch den Apostolischen Palast, an der Sixtischen Kapelle vorbei und durch die Benediktionsaula, die Fassade des Petersdoms." Kommentatoren in 20 Sprachen sitzen für Radio Vatikan am 25. Dezember in den Reporterkabinen. Außerdem sind unzählige Journalisten anderer staatlicher Rundfunkanstalten dann im Petersdom.

Jahresrückblick 2005 April Papst mit Friedenstaube

"Adoro te devote" lautet das Weihnachtsmotto 2004, "Ich verehre dich in Demut"

So viel Aufmerksamkeit bekommen sonst nur Mega-Events wie Olympia, die Oscar-Verleihung oder die Fußball-Weltmeisterschaft, für die teure Übertragungsrechte erworben werden müssen. Anders bei der Weihnachtsbotschaft: "Der Segen kostet nichts", erläutert Waldmüller, "man muss den Vatikan nur um die Übertragungserlaubnis bitten. Wir helfen dann mit Technik und Reporterplätzen." Der Redakteur des staatlichen Vatikanradios glaubt, dass das auch lange so bleiben wird.

Immerhin ist das eigene Radioprogramm auch noch höchst erfolgreich, "wir haben vor allem in Indien und Lateinamerika eine riesige Hörerschaft. Insgesamt senden wir in 46 Sprachen". Wer Ludwig Waidmüller hören will und den Segen des Papstes empfangen möchte, kann das sowohl über Kurzwelle und einige UKW-Frequenzen als auch über das Internet tun - wenn’s geht bitte live.

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