COP23: Wer führt beim Klimaschutz in der Welt? | Wissen & Umwelt | DW | 15.11.2017
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Klima

COP23: Wer führt beim Klimaschutz in der Welt?

Die Weltgemeinschaft setzt sich für den Klimaschutz ein, aber für die Pariser Ziele reicht es noch nicht. Wie weit sind die Länder? Eine Weltrangliste zeigt, wer vorn und hinten liegt - mit einigen Überraschungen.

Bei den 56 größten CO2-Emittenten der Welt geht es mit dem Klimaschutz voran: Experten des Forschungsinstituts NewClimate und der Umweltorganisationen Germanwatch und Climate Action Network verzeichneten für ihren jährlichen Klimaschutz-Index positive Entwicklungen bei den erneuerbaren Energien, der Energieeffizienz, und in manchen Ländern sogar bei den Emissionen.

Allerdings wird auch klar sichtbar, dass die Ziele der Länder und ihre Umsetzung insgesamt noch zu schwach sind, um den Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Hier müssten die Staaten ihre Ziele nachbessern und bei der Umsetzung noch deutlich zulegen.

"Wir sehen eine starke Zustimmung zu den allgemeinen Zielen des Paris-Abkommens auf internationaler Ebene", sagt Jan Burck, einer der Autoren des Reports. "Die Staaten müssen nun schnell Maßnahmen ergreifen und ihren Versprechungen auch Taten folgen lassen." 

Für den Klimaschutz-Index werden die Länder nach CO2-Emissionen pro Kopf, Energieverbrauch, Anteil von erneuerbaren Energien im Energiemix und politischen Maßnahmen zur Umsetzung der Klimaziele bewertet und in eine Rangliste eingeordnet.

Zu schwache Ambitionen beim Energieverbrauch

Die ersten drei Plätz ließen die Experten beim Klimaschutzranking wie schon im letzten Jahr frei. Kein Land auf der Erde unternimmt bislang genug, um die Temperatur global deutlich unter zwei Grad zu halten.

"Insgesamt ist der Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei den mittel- und langfristigen Klimaschutzzielen der untersuchten Länder immer noch zu groß", erklärt der Klimaforscher Niklas Höhne vom NewClimate Institut. "Bei den Treibhausgasemissionen sehen wir beispielsweise relativ starke Ziele in Indien oder Norwegen. Bezüglich erneuerbarer Energien sind die Ziele in Schweden, Norwegen und Neuseeland besser als in anderen Ländern. In Bezug auf den Energieverbrauch zeigt jedoch kein Land ein besonders gutes 2030-Ziel." 

Zudem müssten Saudi-Arabien und die USA ihre Ziele in allen Bereichen drastisch anheben", um auch nur in die Nähe ihrer Paris-Versprechen zu kommen", so Höhne.

Die Note "gut" für die Umsetzung des Klimaschutzes bekamen 13 Länder in Europa. Auf den vorderen Plätzen landeten Schweden, Litauen, Norwegen, Großbritannien und Finnland. Der Ausbau der erneuerbaren Energien und auch der Ausstieg aus der Kohleverstromung kamen in diesen Ländern deutlich voran.

Nordex Windenergie (Nordex)

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien geht weltweit voran - allerdings für die Klimaziele noch nicht schnell genug

Marokko erhält Platz sechs im Ranking und damit die drittbeste Platzierung. Das nordafrikanische Land baute in den vergangenen fünf Jahren die erneuerbaren Energien massiv aus, verfolgt weiter ambitionierte Ausbauziele, hat einen geringen Pro-Kopf-Verbrauch von Energie, führt das Ranking in der Klimaschutzpolitik und bewegt sich somit auf dem richtigen Weg, heißt es im Bericht.

Ein wichtiger Vorreiter beim globalen Klimaschutz ist auch Indien. Hier sind zum einen die Pro-Kopf Emissionen niedrig. Außerdem verfolgt das Land einen sehr ambitionierten Ausbau der erneuerbaren Energien und will Vorreiter bei der Elektromobilität werden.

"Indien hat das Ziel, ab 2030 keine Verbrennungsmotoren mehr zu verkaufen", so Höhne gegenüber der DW.

Deutschland nur im Mittelfeld

Deutschland war vor zehn Jahren im Klimaschutzranking ganz oben mit dabei, ist aber in den letzten fünf Jahren deutlich abgerutscht und belegt mit Platz 22 wie in den Vorjahren nur eine mittelmäßige Position.

"Deutschlands mittel- und langfristige Ziele - verankert im Klimaschutzplan 2050 - sind vergleichsweise stark", kommentiert Jan Burck. "Die CO2-Emissionen in Deutschland zeigen aber bislang ein anderes Bild und wurden seit 2009 nicht mehr gesenkt. Die noch amtierende Bundesregierung hat es verpasst, ernsthafte Maßnahmen zur Umsetzung der Klimaziele zu ergreifen."

Unumgänglich sei es deshalb, im kommenden Koalitionsvertrag "die notwendigen Maßnahmen für schnell wirksamen Klimaschutz durch einen Kohleausstiegsplan und eine echte Verkehrswende zu verankern", so Burck. Nur dann schaffe es Deutschland vom "Ankündigungs-Weltmeister zum echten Klimaschutz-Champion."

Niederaußem Kohlekraftwerk und Solarpanele (Getty Images/L. Schulze)

Der weitere Betrieb von Kohlekraftwerken konterkariert weltweit alle anderen Bemühungen für den Klimaschutz

China hinten, aber auf dem Weg der Besserung

China belegt wegenrelativ hoher Emissionen und ansteigenden Energieverbrauchs nur Platz 41 im Index. Eine bessere Positionierung sei jedoch in den nächsten Jahren wahrscheinlich, da die Experten wichtige Maßnahmen zur Abschaltung von Kohlekraftwerkskapazitäten erwarten und die erneuerbaren Energien und Elektromobilität in China weiter massiv gefördert werden.

China treibt den Ausbau der erneuerbaren Energien seit Jahren wie kein ein anderes Land voran, hat aber noch einen hohen Anteil von Kohlekraft im Strommix. Im Ranking der politischen Maßnahmen für den nationalen und internationalen Klimaschutz liegt China allerdings ebenfalls vorne: Das Land belegt direkt hinter Marokko Platz vier.

Deutschland schneidet im Ranking der Klimaschutzpolitik vergleichsweise schlecht ab und landet mit Platz 15 wieder nur im Mittelfeld. Die letzten Plätze im Ranking der Klimaschutzpolitik belegen Ungarn, Bulgarien, die USA und die Türkei.

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